Der Monatsspruch im August 2016

Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.
2. Mose 33,19 (E)

Ich habe lange nachgedacht und geschrieben über das „Gespür für das Schöne“. Das war vor Jahren kein passender Titel. Heute vielleicht?
Ist Schönheit nicht verdächtig?
Ist Schönheit nicht durch die Werbung verbraucht?
Ist Schönheit nicht etwas, das nie passt zu meiner Kleidergröße, zu meiner Figur, zu meinem Gesicht - heute zu meinen Falten?

Andere Religionen und frühere Zeiten haben und hatten offensichtlich kein Problem damit, über Gottes Schönheit zu reden. Ich habe großen Respekt vor allen religiösen Versuchen, das Unsagbare auszusprechen, das Unsichtbare zu schauen und den Glanz Gottes zu übersetzen für Menschen, deren Zeit begrenzt und deren Leben oft genug dürftig ist.
Wenn wir Christen von Gottes Licht sprechen, von seiner Herrlichkeit, seinem Glanz, seiner Schönheit, dann sind die Strahlen dieses Lichtes durch das Kreuz gebrochen, zeigt ein Blick auf den Ostermorgen zuerst noch ein dunkles Grab. Aber dann bricht alles auf. Wir haben allen Grund, zu jubeln.
Die frühe und die mittelalterliche Kirche hatte kein Problem damit, auch wenn die Menschen von Kriegen und Krankheiten in einem Maß gepeinigt waren, wie wir das heute nur noch aus Ländern der „Dritten Welt“ kennen.

Erinnern Sie sich an Lieder: Nur wenige Jahre waren nach dem Dreißigjährigen Krieg vergangen, und er selbst hatte persönlich schlimmes Leid erlebt, da dichtet Paul Gerhardt eine überschwängliche Strophe auf Gottes Herrlichkeit:
„Willst du mir geben, womit mein Leben
ich kann ernähren, so lass mich hören
allzeit im Herzen dies heilige Wort:
,Gott ist das Größte, das Schönste und Beste,
Gott ist das Süßste und Allergewißte,
aus allen Schätzen der edelste Hort.‘“

Denken Sie an Hoffmann von Fallerslebens „Schönster Herr Jesu“. Was wird da alles aufgeboten an Schönheit: die Wälder, die Felder, die Frühlingszeit, junge Menschen, Blumen, Mond und Sterne; aber alles Schöne verblasst oder wird überboten von der Schönheit Jesu.
Wir bringen es allenfalls noch über die Lippen, von einem süßen, schönen und holden Kind in der Krippe zu singen, und spüren dabei schon das ungute Gefühl von Kitsch.

Ein Lob der Schönheit Gottes! Es ist eine Sicht der Dinge, die den Schöpfer nicht trennt vom Geschöpf. Eine Sicht, die uns fremd geworden ist. Wir lieben es, die Dinge als Erwachsene aus der Distanz zu betrachten und nicht wie ein Kind, das noch alle Sinne aufbietet, mit Händen greift, mit dem Mund probiert, mit der Nase riecht und mit den Augen staunt. Das ist uns schon zu nahe. Und wir fühlen uns überlegen, wenn wir die Welt in Töne und Bilder und Zahlen zerlegt haben. Dabei sind wir ein Teil ihrer Schönheit, nicht anders auch ein Teil ihres Elends.
Doch die Auferstehung Jesu ist meine Auferstehung. Der Aufgang der Sonne bedeutet auch für mich den Tag. Augen, die mich anlachen, machen mich schöner. Es ist die Größe des Menschen, dass er auf Distanz gehen kann zu den Dingen, und es ist die Tragik des Menschen, dass er darüber die Freude verliert. Rabbi Baruch von Miedzyborz sagt: „Im Festglanz erscheint die Welt denen, die sie wunschlos betrachten. Aber finster und trübe kommt sie denen vor, die sie besitzen wollen.“ (Eli Wiesel, Was die Tore des Himmels öffnet, Freiburg 1981, S. 60)

Natürlich kann ich über die Schönheit Gottes nicht anders singen als in menschlichen Bildern. Und so reden die Psalmen und die Kirchenlieder von der Schöpfung: „O Gott, du schöner Morgenstern“, oder „Jesu schöne Weihnachtssonne“. Franziskus besingt die Sonne, das Wasser, das Feuer. Aber sollen wir schweigen von Gottes Schönheit, nur weil wir keine passenden Worte finden?
Wenn ein „schöner Gottesdienst“ gefeiert oder ein „schönes Lied“ gesungen wird, entfaltet sich mir die Schönheit, wenn ich einstimmen kann - wenn ich ein Teil des Festes, ein Teil des Klanges bin. Das ist auch das für unsere Seele so Wichtige an der Schönheit Gottes: Sie überträgt, so wie Lachen ansteckt und Freude einlädt. Ein Mensch wird schöner, wenn man ihn mit den Augen Gottes sieht.

Mechthild von Magdeburg, eine Ordensfrau, die im 13. Jahrhundert lebte, betet:
Herr, du bist die Sonne aller Augen,
Herr, du bist die Wonne aller Ohren,
Herr, du bist die Stimme aller Worte,
Herr, du bist die Kraft aller Heiligkeit,
Herr, du bist die Lehre aller Weisheit,
Herr, du bist das Leben alles Lebenden,
Herr, du bist die Ordnung alles Seienden.

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