Sein Elend – meine Weite

Gott geht ins Elend. Und deshalb, nur deshalb darf ich jubeln und trotzig behaupten: Ich bin ein Ort Gottes. „Kommt und seht: Gott ist hier, der da gerecht macht."
Das ist doch eine grandiose Freiheit, ein fast ewiges Spiel für die, die nicht mehr die Gesetze einzuhalten versuchen, sondern wahrhaft daran glauben, dass ein Christenmensch eine „neue Kreatur" ist.
Das müsste man uns doch abspüren! Gibt es doch keine Religion, die dem Menschen solche Weite schenkt. Die Kirchen müssten blühen in den vielfältigsten Farben. Die kleinen Karos, die man vorgestern zum Berechnen von Plus und Minus brauchte, müssten ausgedient haben. Kinder bestimmten den Lauf der Uhr und Greise nähmen ihre Erfahrung nicht mit ins Grab. Lieder würden gesungen und Tänze getanzt, auch wenn dies gestern noch als unschicklich galt. Auf brachem Feld keimten die ersten Samen, und selbst auf hartem Stein brächen Blüten aus Knospen, kreuz und quer - ... unter der Bedingung, dass der Mann aus Nazareth nicht bloß ein „Glaubensartikel", ein „historisches Kapitel" oder ein grandioses „ethisches Vorbild" bliebe.
Davon abgesehen, macht es wenig Sinn, von Christus zu sprechen. Es gibt genügend andere, die den Märtyrertod gestorben sind. Es gibt genügend andere, die für ihre Wahrheit gelitten haben. Es gibt genügend andere, die getan haben, was sie lehrten. Es gibt genügend andere, deren Weisheit die Welt bereichert hat.
Christus ist keine Lehre und kein Thema, keine Ikone. Dass du lebst, „ist Christus". Christus ist kein Vers in der Bibel, kein Satz aus einer Bekenntnisschrift, kein Beschluss eines Konzils, wird nicht ex cathedra definiert. Christus lebt, wuchert, spielt, blüht, wird geboren und stirbt, leidet und lacht. Christus ist „alles in allem" (1. Kor 15, 28; Eph 1, 23; Kol 1, 17). Davon predigen wir, auch zur Fasten- und erst recht in der Passionszeit.

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