ExkursionEin Forschungsprojekt für alle Jahreszeiten

Der Spaziergang zu einer nahe gelegenen Trockenmauer bietet Kleinstkindern viele Entdeckungsmöglichkeiten.

Ein Forschungsobjekt für alle Jahreszeiten
© Anja Kunz

Was gibt es denn hier zu sehen? Bei einem Spaziergang mit der Kita-Gruppe bleiben einige Kinder stehen. An einer alten Mauer krabbeln zwischen den Ritzen kleine rot-schwarze Feuerwanzen. Die Gruppe verweilt. Die Jüngsten beginnen, sich an den Mauersteinen entlangzuhangeln, und befühlen die unebenen Steine. Die Kinder entdecken immer mehr in den vielen Spalten und Ritzen der Trockenmauer: winzige Krabbeltiere tummeln sich überall. Auf einem sonnigen Stein ruht sich ein Schmetterling aus.
Die auf dem Spaziergang zufällig entdeckte Mauer kann zu einer Art Forschungsobjekt werden, das die Kita- Gruppe immer wieder besucht: Nach einem Regenschauer tummeln sich Schnecken auf den nassen Steinen, an einem warmen Sommertag laufen unzählige Ameisen emsig umher und an einem Vormittag im frühen Herbst lassen sich all die zarten Netze, die die Spinnen zwischen den Steinen gespannt haben, wunderbar beobachten. Im Winter sind die Steine mit Raureif überzogen und in den Mauerritzen herrscht Ruhe, bevor im Frühling wieder Leben zwischen all die unebenen Steine zurückkehrt.
Die Mauer bietet zu allen Jahreszeiten Entdeckungsmöglichkeiten. Die Wärme der Steine, die in der Sonne liegen, und die Kühle und Feuchtigkeit auf der Schattenseite der Trockenmauer lassen sich von den Kindern erspüren. Indem sie ihre Hände auf die Mauer legen, bemerken sie, dass einzelne Steine wärmer oder kälter sind und dass manche Stellen feuchter sind als andere.

VIELE TIERE SIND SEHR SCHEU

Darauf reagieren auch die Tiere. Manche sitzen gerne in der Sonne, während andere sich lieber in schattige Ecken verkriechen. Neben den Ameisen und Feuerwanzen leben unzählige weitere Insektenarten in den Mauerritzen. Auch Wildbienen, Wespen und Hummeln suchen hier Unterschlupf. Manchmal leben sogar Kröten und kleine Eidechsen, Blindschleichen oder Mäuse am Fuße einer Trockenmauer.
Um all die Bewohner einer Trockenmauer zu beobachten, brauchen die Kinder Geduld. Und es braucht etwas Übung, sich im Bereich der Mauer möglichst leise zu verhalten. Junge Naturforscher sollten vorsichtig an die Steine herantreten, denn viele Mauerbewohner reagieren äußerst scheu auf Menschen. Einige Tiere trauen sich erst dann aus ihren Verstecken, wenn es um sie herum möglichst leise ist. Besprechen Sie dies im Vorfeld mit den Kindern und üben Sie evtl. an einer anderen Stelle, wie man sich im Bereich der Trockenmauer verhalten sollte, wenn man spannende Entdeckungen machen möchte. An einem Tag, an dem die Gruppe viel Bewegung braucht und eher ausgelassen ist, bietet sich eine solche Exkursion weniger an.

EINE MAUER SELBST BAUEN

Eine niedrige Trockenmauer lässt sich auch auf dem Kita-Gelände errichten. Eine Trockenmauer benötigt ein Schotterfundament. Auf diesem werden Steine so übereinandergelegt, dass sie die Lücken möglichst passend ausfüllen und so ineinander haften. Hier kann auch Gartenerde zum besseren Halt zwischen die Steine gelegt werden. Achten Sie darauf, dass die Mauer nicht zu hoch wird. Auch sollten Sie den Kindern von Anfang an vermitteln, dass die Mauer nicht zum Balancieren oder Klettern gebaut wurde, sondern der Tierbeobachtung dient. Nach einiger Zeit können die Kinder die ersten Bewohner der Mauer betrachten. Kleinere Pflanzen am Fuße der Mauer machen die Vielfalt der Tiere, die sich im Umkreis ansiedeln, noch abwechslungsreicher. 

INFO

Trockenmauern gehören seit Zeiten der Römer zu unserer Kultur. Sie bestehen aus Natursteinen, die aufeinandergeschichtet werden. Ihren Namen tragen sie, weil die Steine trocken aufeinanderliegen. Heute finden sich Trockenmauern zumeist noch in Teilen alter Bauwerke, als Hangstützen, auf Bauernhöfen oder als Eingrenzungen. Trockenmauern verschwinden immer mehr aus unserer Umgebung, weil sie inzwischen durch Betonmauern oder Zäune ersetzt werden, die für Kleinsttiere allerdings kaum Lebensraum bieten.

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