Vorlesen bildet"Liest Du mir was vor?"

Kinder lieben Geschichten, und wenn sie dann noch von Mama oder Papa vorgelesen werden, erst recht. Die abendliche Gutenachtgeschichte ist aber mehr als nur Einschlafhilfe. Sie fördert auch die Sprachentwicklung unserer Kinder.

"Es war einmal ..." - wollen unsere Kinder das eigentlich noch von uns hören, im Zeitalter von Pokemon und Gameboy? Hat das Vorlesen heutzutage noch Konjunktur? Um darauf eine Antwort zu finden, lohnt sich einmal mehr ein Blick in die Ergebnisse der Pisa-Studie: Ungefähr ein Viertel aller 15-jährigen Schüler erreicht beim Lesen nur das Elementarniveau. Es mangelt eindeutig an Lesekompetenz - und diese Kompetenz wird nicht erst in der Schule vermittelt. Experten sind sich einig: Regelmäßiges Vorlesen von frühester Kindheit an ist die beste Vorbereitung auf das Lesenkönnen und die Sprachentwicklung - beides wichtige Schlüsselqualifikationen für ein gelungenes und selbstbestimmtes Leben.

Abenteuer in fremden Welten - im sicheren Arm der Eltern

Aber Vorlesen ist nicht nur wichtig im Blick auf die Zukunft. Im Arm von Mama oder Papa zu sitzen und einer spannenden oder lustigen Geschichte zu lauschen ist für nahezu jedes Kind ein schöner und genussreicher Moment. Denn einfacher und unmittelbarer lassen sich Nähe, Vertrautheit und Geborgenheit kaum erleben. Auf die Frage "Soll ich dir eine Geschichte vorlesen?" werden Sie deshalb meistens ein begeistertes "Ja!!" zu hören bekommen. Denn nun wird der PhantasieRaum gegeben - mit Geschichten von versteckten Schätzen, tollen Ausflügen, neuen Freundschaften, Streit und Versöhnung, Zauberkraft und Hexerei. Und das alles in dem Gefühl: "Meine Eltern haben Zeit für mich, bei ihnen bin ich gut aufgehoben." Ganz sicher tun Sie also Ihrem Kind etwas Gutes, wenn Sie ihm viel vorlesen. Einige Tipps von uns sollen Ihnen helfen, die Vorlesezeit für Sie und Ihr Kind zu einem richtigen Vergnügen und Gewinn werden zu lassen.

Lust auf Geschichten und Bücher - so wird sie geweckt

Mit den Bilderbüchern für die Kleinsten fängt es an. Nehmen Sie sich Zeit und blättern Sie diese gemeinsam mit Ihrem Kind durch. Erklären Sie, was Sie sehen und ermuntern Sie Ihr Kind, sich gemäß seinen Fähigkeiten zu äußern. So wecken Sie Phantasie und Freude an der Sprache, eingebettet in eine Atmosphäre liebevoller Zuwendung.

Planen Sie eine feste Vorlesezeit ein. Besonders geeignet ist die Phase vor dem Einschlafen. Zum einen ist das eine gute Gelegenheit für Väter, einige intensive Momente mit Sohn oder Tochter zu erleben. Zum anderen verschafft dies innige Ritual Ihren Kindern ein Sicherheits- und Geborgenheitsgefühl gerade vor dem Dunkel der Nacht. Die Geschichten sollten anregend, aber nicht zu aufregend sein und ein gutes Ende haben. Das abendliche Vorlesen können Sie auch beibehalten, wenn Ihr Kind schon selbst liest. Es wird sich noch eine Weile über die uneingeschränkte Zuwendung freuen.

Lesen Sie ein Buch auch zum x-ten Mal vor, wenn es gewünscht wird, möglichst ohne Ungeduld zu zeigen. Kinder lieben Wiederholungen und irgendetwas fasziniert Ihr Kind an dieser Geschichte. Gönnen Sie ihm diesen Spaß, solange er anhält und denken Sie daran, dass aus guten Zuhörern meistens auch gute Leser werden.

Werden Sie Mitglied der Stadtbücherei. Schon Kindergartenkinder bekommen dort einen eigenen Ausweis und lernen stolz, sich Bücher selbst auszusuchen. Gleichzeitig wird auf diese Weise auch Ihr Vorleserepertoire um einiges abwechslungsreicher.

Sprechen Sie mit Ihren Kindern über das Gelesene. Durch Fragen, Antworten und Erklärungen lernen Kinder, die Welt zu begreifen, sich in ihr zu orientieren und über sie zu verständigen. Schrecken und Traurigkeit bleiben nicht unerklärt im Raume stehen, sondern lassen sich im Gespräch verarbeiten.

Zeigen Sie, dass Bücher und Zeitungen einen festen Platz in Ihrem Leben haben. Demonstrieren Sie Lesefreude, reden Sie über Bücher und wecken Sie so die kindliche Neugier. Vermeiden Sie es aber, das Buch gegen andere Medien auszuspielen, das führt nur zu Trotzreaktionen.

Vorlesen ja - aber was?

Viele Eltern sind unsicher, ob die alten Volksmärchen mit ihren oft grausamen Szenen wirklich der richtige Vorlesestoff für Kinder sind. In seinem Buch "Kinder brauchen Märchen" spricht der bekannte Kinderpsychologe Bruno Bettelheim den Märchen eine sinnstiftende Kraft zu, die der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu Gute kommt. Bettelheims Werk, in dem auch viele einzelne Märchen analysiert werden, ist mittlerweile ein Pädagogik-Klassiker.

Ob Märchen oder andere Geschichten - zum Vorlesen geeignete Bücher für alle Alterstufen gibt es unzählige auf dem Markt. Wir möchten Ihnen nur einige davon vorstellen, bei denen wir aber sicher sind, dass sie nicht nur Ihren Kindern, sondern auch Ihnen gefallen (siehe Literaturangaben).

Ein Ehrenplatz gebührt natürlich Astrid Lindgren. Ihre Geschichten bezaubern und faszinieren Menschen jeden Alters bis zum heutigen Tag. Ob Michel aus Lönneberga, die Kinder aus der Krachmacherstraße, Pippi Langstrumpf - die Abenteuer der Lindgren-Helden und -Heldinnen finden sich in Sammel- und Einzelausgaben, zum Teil auch in Bilderbüchern.

Aus dem großen Angebot der Gute-Nacht-Geschichten haben wir zwei Titel herausgegriffen: "Schlaf ein, kleiner Bär" ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch für die Kleinsten, das den Abend der Tierkinder im Wald beobachtet. Myron Wojtowytsch berichtet in seinen "Gutenachtgeschichten vom kleinen Bären" über die Abenteuer des Bären Max im Zoo, auf der Mondschaukel und an vielen anderen Orten. Für Kinder ab 5 Jahren.

"Neue Abenteuer mit Piggeldy und Frederick" ist ein Buch für neugierige Kinder ab 4, die wissen wollen, was eigentlich Geduld ist oder Ordnung oder Alleinsein und hier eine kindgerechte, amüsante Erklärung bekommen.

"Es war eine dunkle und stürmische Nacht" versammelt Vorleseklassiker von Till Eulenspiegel über Erich Kästner bis Italo Calvino - eine Fundgrube für Groß und Klein.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf die Homepage der Stiftung Lesen: Unter www.stiftunglesen.de finden sie regelmäßig aktuelle Leseempfehlungen auch für Kinderbücher.

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