Wenn die Darmkontrolle mit vier Jahren immer noch Probleme machtProbleme mit dem "großen Geschäft"

Das Sauberwerden ist für die meisten Kinder ein Entwicklungsschritt, den Sie ohne große Probleme bewältigen. Doch insbesondere beim Thema Darmkontrolle reagieren Eltern mit Unsicherheit und Panik sobald Schwierigkeiten auftauchen. So unterstützen Sie Ihr Kind wirklich.

Wenn die Darmkontrolle mit vier Jahren immer noch Probleme macht: Probleme mit dem
© Clayton Hansen - iStock

Bis zum vierten Geburtstag können 97% aller Kinder ihren Darm kontrolliert entleeren. Unter den Fünf- bis Achtjährigen sind es noch ein bis zwei Prozent, die zumindest zeitweilig einkoten. Sie leiden unter so genannter Enkopresis. Übrigens: Oft begann das Einkoten, als das Thema "Sauberkeit" bereits abgehakt schien. Bei über der Hälfte dieser älteren Kinder funktionierte die Darmkontrolle schon mindestens ein Jahr. In dieser Situation reagieren Eltern häufig verzweifelt und wütend. Einkoten ist immer noch ein Grund für Schläge. Eltern brauchen Hilfe, um das Verständnis für ihre Kinder nicht zu verlieren und die Beziehung nicht zu gefährden. Und Kinder brauchen schnelle Hilfe, um nicht den Entwicklungsanschluss zu verpassen und ausgegrenzt zu werden.

Das Problem entmystifizieren

Was beim Einkoten geschieht, ist in Bezug auf den Darm gut nachvollziehbar. Es handelt sich um ein Platzproblem. Zum Einkoten kommt es, wenn sich große Mengen Stuhl im Darm angesammelt haben und dieser dann irgendwann überläuft. Das passiert immer dann, wenn keine regelmäßige Kotabgabe geschieht und so die Portionen für vier bis 14 Tage auf einmal entleert werden.

Der Darm kann aber offensichtlich auch überfordert sein - wenn zu starke Emotionen das Kind durcheinander bringen. Wir kennen das in gemäßigter Form aus Prüfungssituationen.

Körperliche Störungen, wie Verengungen im Verlauf des Darmes oder hormonelle Fehlfunktionen, die für das Einkoten verantwortlich sein könnten, sind sehr selten und können vom Kinderarzt eindeutig ausgeschlossen werden.

Warum koten Kinder ein?

Bei etwa 90% der Kinder ist eine chronische Verstopfung Grund des Einkotens. Schon Säuglinge können unter Verstopfung leiden. Stuhlabgabe bei Verstopfung ist schmerzhaft. So fürchten Kinder jede Darmregung und versuchen alles, um die nächste Stuhlabgabe hinauszuschieben. Unter diesen Bedingungen wird der Darm nie ganz entleert. Hinzu kommt: Ein erweiterter Enddarm ist weniger sensibel, seine Meldungen erfolgen erst verspätet. Stetig können deshalb winzige Stuhlportionen abgehen, was sich an kotverschmierten Hosen zeigt. Weil der Enddarm durch den aufgestauten Kot überdehnt ist, kann er sich außerdem nicht mehr so gut zusammenziehen. Die Darmkontraktionen sind zu schwach, um den Stuhl zu transportieren. Erneut bleibt Kot zurück. So bereitet die Verstopfung dauernd Probleme, die eine erneute Verstopfung wahrscheinlicher machen.

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Warum gehen Kinder nicht zur Toilette, obwohl sie dringend müssen?

Kinder können sich selbst Strategien beibringen, die gefürchteten Toilettengänge möglichst lange zu umgehen. Selbst wenn der Darm dann irgendwann überläuft, arbeiten die Kinder noch gegen die Stuhlentleerung an. Spezielle medizinische Diagnostiktechniken zeigen, dass Kinder noch während der Stuhlabgabe ihren äußeren Afterschließmuskel wie auch ihren Beckenboden stark kontrahieren, was den Kotausstoß massiv erschwert.

Nicht jedem Einkoten geht die Erfahrung einer schmerzenden Stuhlabgabe voraus. Es können auch andersartige schmerzhafte Erfahrungen sein, die eine Kotabgabe zur gefürchteten Situation gemacht haben. Eine das Kind überfordernde und übermäßig strenge Sauberkeitserziehung steht im Verdacht, bei einzelnen Kindern derartige Folgen zu hinterlassen: Solange ich keinen Kot abgebe, kann ich auch nichts falsch machen, dann werde ich auch nicht geschimpft, grob behandelt oder bestraft. Diese Kinder müssen erst wieder lernen, dass es sich lohnt, rechtzeitig auf seinen Darm zu hören.

Unter den Kindern mit Enkopresis sind auch solche, die mit emotionalen Störungen oder Problemen im Sozialverhalten zu kämpfen haben.

So passiert die manipulative Enkopresis, das weit seltenere Einkoten ohne Verstopfung, in Verzweiflung oder Wut, in Situationen, gegen die das Kind aufbegehrt. Spontane Stuhlabgänge wirken provokant und gleichzeitig erschreckend hilflos. Dieses Einkoten ist ein körperlicher Kontrollverlust in einer psychischen Überforderungssituation. Es sollte als ein Signal verstanden werden, das auf unbefriedigende Zustände im Leben des Kindes aufmerksam macht.

Bei der durch Stress ausgelösten Enkopresis, der seltensten Form des Einkotens, lösen Angst und ähnlich starke psychische Belastungen den unkontrollierten Stuhlabgang aus. Der Durchfall ist dann eine Notfallreaktion ("Angstschiss"). Es sind Milieus, die viel Angst und wenig eigenes Zutrauen erzeugen, in denen diese Kinder leben und sie unbewusst auf derartige Mittel zurückgreifen lassen.

Therapeuten sind sich einig, dass die professionelle Suche nach den Ursachen für Verzweiflung, Wut oder panikartige Angst im Alltagserleben dieser Kinder an erster Stelle stehen muss. Die Erfolgsrate bei einem individuell gestalteten Behandlungsverlauf ist erfreulich hoch.

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"Das Kacka kommt - schnell die Windel!" - Keine Angst vor dieser Situation

Einige Kinder zwischen zwei und vier Jahren melden die Darmaktivität, verweigern jedoch den Toilettengang. Sie bestehen noch auf einer Windel. Ohne "Sicherheitsnetz" traut sich das Kind eine Stuhlentleerung noch nicht zu.

Es ist richtig, die geforderte Windel nicht vorzuenthalten, zumindest wenn Aufregung und ein verdrückter Stuhlgang die Folge wären. Fast immer handelt es sich um eine kurzfristige Übergangsepisode. Dauert die Situation länger, empfiehlt es sich nachzudenken, welche Faktoren das Kind davon abhalten könnten, altersgemäß zu reagieren. Wahrscheinlich gibt es noch mehr Anzeichen, dass sich das Kind in manchen Alltagssituationen weniger zutraut, als dies in seiner Altersgruppe üblich ist.

Wie wird eine Enkopresis behandelt und wie können Eltern diese Behandlung begleiten?

Für Kinder mit Einkotproblemen stehen heute Behandlungskombinationen zur Verfügung, die alle nach Ernährungsumstellung und medikamentöser Entleerung des Dickdarms die Erfahrung normaler, schmerzfreier Stuhlgänge möglich machen. Anschließend starten verhaltenstherapeutische Programme, die regelmäßige Stuhlabgaben zu festen Toilettenzeiten in aller Ruhe belohnen.

Denn: Viele Familien brauchen Hilfe, da sich falsche Reaktionen eingespielt haben. Entleert ein Kind tatsächlich mal seinen Darm auf der Toilette, ignorieren die Eltern diese perfekte Stuhlabgabe nach dem Motto: das ist ja wohl selbstverständlich. Oder: bloß nicht darüber reden, sonst werden die wenigen Erfolge noch seltener! Viele Eltern reagieren auch aggressiv, weil sie sporadisch geglückte Toilettengänge inmitten vieler Einkot-Zwischenfälle als Provokation auffassen: er kann also doch - wenn er nur will!

Zu den wenigsten Misstönen kommt es, wenn gar nichts passiert, weder Toilettengang noch Einkoten. Diese Situation erlebt das Kind am spannungsfreiesten. Doch was heißt das? Ohne dass Eltern sich dessen bewusst sind, wird ein Kind "belohnt", wenn es die Toilette meidet und den Kot möglichst lang zurückhält. Ohne es zu wollen, unterstützen Eltern mit diesem Verhalten eine unphysiologische Stuhlabgabe, die zu Verstopfung führt und ein unkontrolliertes Einkoten immer wahrscheinlicher macht.

Machen Sie sich bewusst, dass das regelmäßige Aufsuchen der Toilette das erwünschte Verhalten ist, das Kinder möglichst schnell unter entspannten Bedingungen lernen sollten. Geben sie regelmäßig auf der Toilette Stuhl ab, ist das Einkoten vorbei.

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