Begabungen entdecken und fördernUnser Kind kann alles

Jedes Elternpaar sieht in seinem Kind viele Talente und Begabungen. Und es ist auch wichtig, begabte Kinder zu fordern und fördern, jedoch ohne Druck. Natürlich ist auch nicht jeder Entwicklungsschritt gleich eine ungewöhnliche Begabung. Aber wie können Eltern denn wirklich begabte Kinder erkennen?

Begabungen entdecken und fördern: Unser Kind kann alles
© kallejipp - Photocase

Klavierunterricht mit vier Jahren, der erste Computer noch vor der Einschulung, jede Woche zum Tennislehrer. Ist das der Weg, unsere Kinder optimal zu fördern? Ebnet das ihren Weg in eine erfolgreiche Zukunft? Sollen wir uns sorgen, wenn Tochter oder Sohn sich für kein Instrument interessieren und Tennisschläger blöd finden?

Begabungsförderung ohne Leistungsdruck

Wir Eltern wollen das Beste für die Zukunft unseres Kindes - und das heißt auch, dass wir seine jeweiligen Begabungen unterstützen. Das Kindergarten- und Vorschulalter ist der geeignete Zeitpunkt dafür. Doch wie finden wir heraus, wo die kindlichen Stärken und Schwächen liegen? Wie "fördern" wir unsere Kinder, dass sie sich unterstützt und nicht etwa unter Stress und Leistungsdruck gesetzt fühlen?

Wir möchten Ihnen zeigen, wie Sie mit einfachen Mitteln die individuelle Begabung ihres Kindes erkennen und unterstützen können - und wie der Spaß dabei nicht zu kurz kommt.

Jedes Kind hat Talent

Die gute Nachricht lautet, dass es keine unbegabten Kinder gibt. Denn Begabung ist etwas sehr Vielfältiges und bezieht sich nicht nur auf rein intellektuelle Leistungen. Man unterscheidet z.B. sprachliche Begabung, mathematisches Talent, räumliche Intelligenz, musikalische Begabung, sportliche und motorische Fähigkeiten, kreativ-bildnerische Begabung sowie sozial-emotionale Intelligenz. Gerade Letztere ist die Grundlage für Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit und damit auch für ein erfolgreich gestaltetes Leben.

Ihr Kind braucht Zeit und Raum, um seine Interessen und Talente zu entwickeln. Und es braucht Sie als zuverlässige, unterstützende und anregende Begleiter bei der Entdeckung der Welt und dem Sammeln von Erfahrungen.

Vorlesen - bewährtes Mittel der Entwicklungsförderung

Wie kann das konkret aussehen, angesichts von Berufstätigkeit und Mehrfachbelastung? Hier ist nicht Perfektion und ein Dasein rund um die Uhr gefragt, sondern Prioritätensetzung und bewusste liebevolle Aufmerksamkeit. Beispielsweise indem Sie regelmäßig gemeinsam Bilderbücher ansehen und Geschichten vorlesen, etwa jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen. Das fördert nicht nur nachweislich die visuellen und sprachlichen Fähigkeiten. Ihr Kind erfährt auch Nähe und Geborgenheit, was sich positiv auf Wohlbefinden und Selbstwertgefühl auswirkt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Bilder und die Geschichten, erklären Sie und ermuntern Sie, Fragen zu stellen und Ideen zu formulieren, auch wenn das Zeit kostet. Wenn Sie Ihrem Kind Zuwendung schenken und es ausreden lassen, gewinnt es Freude am Reden und Erzählen - und beschert Ihnen allen ein anregendes Erlebnis.

Ihre Aufmerksamkeit ist gefragt

Um die besonderen Eigenschaften und individuellen Stärken unserer Kinder herauszufinden, gibt es einen einfachen Weg: Beobachten Sie aufmerksam die Verhaltensweisen im Spiel - allein oder gemeinsam mit anderen. Wirft mein Kind selbst den Ball herum oder sieht es eher dem Spiel zu? Fühlt es sich allein, zu zweit oder in einer Gruppe wohler? Hört es lieber eine Geschichte oder erfreut es sich stattdessen an den Bildern? Braucht es Anweisungen oder erfindet es gerne eigene Regeln? Wenn Sie herausgefunden haben, wann Ihr Kind sich am besten fühlt und was ihm am meisten Spaß macht, können Sie diese Talente gezielt unterstützen - zum Wohle der Entwicklung Ihres Kindes. Verschaffen Sie also Ihrem aktiven und geselligen Kind täglich die Möglichkeit zum Klettern, Laufen, Ballspielen mit den Spielkameraden. Passive Kinder brauchen natürlich auch Bewegung, aber vorzugsweise außerhalb von Wettbewerbssituationen. Sie können mit ihnen wandern oder schwimmen gehen. Visuell veranlagte Kinder lieben Puzzles, Fotos, Comics und besuchen gerne Museen. Kreative Kinder sind auf einen Freiraum und ein breites Spektrum an Materialien angewiesen. Nur so finden sie eigene Ausdrucksmöglichkeiten und Lösungswege.

Gemeinsam macht's mehr Spaß

Sie können die Aktivitäten und Ideen Ihrer Kinder verstärken, indem sie diese dafür loben und sich darauf einlassen, möglichst viel mitzumachen. Wenn der Sohn oder die Tochter Freude an Musik haben, kann man zum Beispiel gemeinsam Musikinstrumente basteln. Sie müssen sich nur in Ihrem Haushalt umsehen: Geeignet sind Putzeimer, Schneebesen, mit Reis gefüllte Vorratsdosen, Topf-
deckel und vieles andere mehr. Finden Sie dann heraus, welche Laute sich produzieren lassen, spielen Sie einen Rhythmus und hüpfen und tanzen Sie gemeinsam zu den Tönen. Mit diesen Bewegungen zur Musik fördern Sie ganz nebenbei den kindlichen Spracherwerb. Oder Sie breiten ein großes Papier auf dem Boden aus und malen zusammen - möglicherweise auch zu den Klängen von Musik. Betrachten Sie gemeinsam das Bild. Welche Formen und Farben sind zu sehen? Findet sich ein Platz in der Wohnung, um das Bild aufzuhängen?

Wo erfahren Sie mehr zum Thema Begabung?

Viele der Anregungen zur vergnüglichen Entdeckung der kindlichen Begabung stammen aus dem Ratgeber von Christoph Perleth, Tanja Schatz und Martina Gast-Gampe "Die persönliche Begabung entdecken und stärken" (Urania-Ravensburger 2001). Das Buch behandelt auch den Unterschied zwischen angeborenen und förderbaren Anlagen und widmet sich sowohl den intellektuellen, wie den sozialen, emotionalen, kreativen und körperlichen Formen der Begabung.

Zahlreiche Tipps und konkrete Hilfestellungen, zum Beispiel zum Thema Computer im Kinderzimmer, enthält auch das Buch von Sandra Burt und Linda Perlis "Mein Kind hat Talent. Begabungen entdecken und fördern" (Herder 1999). Den Autorinnen geht es nicht um Förderung um jeden Preis, sondern um die optimale Entfaltung des individuellen kindlichen Potenzials, unterstützt durch das bedingungslose Vertrauen und die Liebe der Eltern. Von den Potenzialen der Kinder, aber auch von denen der Eltern und von deren emotionaler Kompetenz handelt das Werk der britischen Kinderpsychologin Sylvia Clare "Das kann ich schon allein! Wie Sie die Potenziale Ihres Kindes fördern" (Ariston 2001). Clare stellt eine Erziehungsmethode für Eltern und Kinder vor, die Kinder ermutigt, selbst gesetzte Ziele zu erreichen.

Die Bildungsexpertin Donata Elschenbroich hat im Gespräch mit Eltern, Pädagogen, Hirnforschern, Entwicklungspsychologen und anderen einen neuen, offenen Bildungskanon aufgestellt. Er soll die lebenspraktischen, sozialen, motorischen und ästhetischen Fähigkeiten und Erfahrungen der Kinder im Vorschulalter fördern. Nachzulesen ist er in dem Buch "Weltwissen der Siebenjährigen. Wie Kinder die Welt entdecken können" (Kunstmann 2001).

Zum Schluss noch ein Tipp zum viel diskutierten Thema Hochbegabung:
Außer in diversen Ratgebern können Sie sich darüber zunächst in Broschüren des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) informieren. (BMBF, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 53170 Bonn)

Und natürlich ist es sinnvoll, sich zum Thema Begabung in all ihren Spielarten auch mit anderen Eltern auszutauschen - vielleicht kann Ihr Kindergarten als Vermittlungsstelle dienen. Dort kann man Ihnen sicher auch mit Adressen von Beratungsstellen weiterhelfen, wenn Sie professionelle Hilfe bei Entwicklungsproblemen oder Begabungsschwerpunkten brauchen.

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