Warum Kinder nicht hören wollen"Hallo! Ich brauche Aufmerksamkeit!"

Dass Kinder hin und wieder mal streiten oder bockig sind, ist ganz normal. Aber wenn das morgendliche Aufstehen und zum Kindergarten bringen zur Tortur wird, dann sollten Eltern was ändern. Oft versuchen Kinder durch streiten Aufmerksamkeit zu bekommen.

Warum Kinder nicht hören wollen: Hallo! Ich brauche Aufmerksamkeit!
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Lukas hat mit der Zeit gemerkt, dass er sich durch widerspenstiges Verhalten die Aufmerksamkeit seiner Mutter sichern kann. Seit diese eine neue Arbeitsstelle hat, ist das für den Fünfjährigen gar nicht mehr so einfach. Wenn er sie morgens einfach überhört oder beim Anziehen trödelt, beginnt sie zu schimpfen - das ist zwar nicht schön, aber immer noch besser als gar nicht beachtet zu werden. Hinter jedem Konflikt steckt eine Botschaft, die entschlüsselt werden muss, bevor eine Lösung entwickelt werden kann. Auch Lukas Mutter muss zunächst erkennen, dass das Verhalten ihres Sohnes nicht direkt gegen sie gerichtet ist, sondern er den alten Zeiten nachtrauert. In einer ruhigen Minute vertraut Lukas ihr nämlich an, dass er es viel schöner fand, als morgens noch mehr Zeit war. „Was machen wir denn jetzt?“, fragt sie ihn. Lukas hat eine Idee:

„Legst du mir eine Anziehstraße wie früher? Dann steh ich auch auf.“ „Abgemacht“, willigt seine Mama ein und fügt hinzu: „Den Nachmittag halte ich mir heute für dich frei. Du darfst dir wünschen, was wir machen!“

Loben wirkt Wunder

Viele Familien sind in einem Teufelskreis gefangen, der auch deshalb so zuverlässig funktioniert, weil die Eltern das unangebrachte Benehmen der Kinder immer wieder mit Aufmerksamkeit belohnen. Versuchen Sie, dem positiven Verhalten Ihres Kindes mindestens genauso viel Beachtung zu schenken. Sie werden Ihr Kind viele Male am Tag dabei ertappen können, etwas richtig gut zu machen. Loben Sie es dafür! Ihre Ermutigungen helfen Ihrem Kind, sich etwas zuzutrauen und sich immer besser einschätzen zu lernen. Ungeteilte, positive Aufmerksamkeit ist das größte Geschenk, das Eltern Ihren Kindern machen können. Ihre Anerkennung kann außerdem wie eine sanfte Verhaltenskorrektur wirken, denn gelobtes Verhalten wird in der Regel wiederholt.

Machtspielchen vermeiden

Tischmanieren, Fernsehzeiten und Geschwisterstreit: Der Familienalltag steckt voller spannungsgeladener Situationen. Ist das Familienklima ohnehin gereizt, suchen Kinder den Konflikt meist genau dort, wo sie die Verletzlichkeit ihrer Eltern spüren. Mit ihren feinen Antennen erkennen sie, wann Eltern empfindlich, unsicher oder hilflos reagieren und wann ihnen etwas ernst ist oder nicht. Einige Kinder widersetzen sich offen, andere ziehen passiven Widerstand vor und stellen ihre Ohren auf Durchzug. Bitten, überreden, drohen - ehe sich Eltern versehen, sind sie in einen Machtkampf verwickelt, der sich langsam hochschaukelt und nicht selten damit endet, dass das Kind doch seinen Willen bekommt. Oder am Ende ertönt ein heftiges Machtwort, das keine Widerrede zulässt. Es ist ein Dilemma: Eltern, die das Kind zu etwas zwingen, missachten es. Wenn sie um des lieben Friedens willen alles durchgehen lassen, verletzen sie die Achtung vor sich selbst. In dem Moment, wo sich ein Kind als der stärkere Part empfindet, verliert es die Sicherheit. Um dies auszugleichen, bleibt ihm nur, die als manipulierbar erlebten Eltern selbst zu überragen. Auf der anderen Seite erreichen Eltern, die stets auf ihre Macht pochen, vielleicht Gehorsam. Aber jedes Mal, wenn sie ihr Kind unter Druck setzen, versagen sie ihm auch eine Gelegenheit, Selbstverantwortung zu üben und Ärger zu äußern, ohne den anderen zu verletzen.

Aus Konflikten lernen

Wenn es im Familienalltag immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt, muss dies kein Anzeichen dafür sein, dass Sie schlechte Eltern und Ihre Kinder schlecht erzogen sind. Sehen Sie es als eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Auf das „Wie“ des Streitens kommt es an: Versuchen Sie, den Auseinandersetzungen die Schärfe zu nehmen, Teufelskreise zu vermeiden und immer wieder innezuhalten. Durch eine positive Streitkultur lernen Kinder, die eigenen Interessen zu vertreten, Phantasie für Kompromisse zu entwickeln und auch einmal eine Niederlage einzustecken. Sie sind die Wegbegleiter Ihres Kindes und müssen an vielen Kreuzungen mal die Ampel auf Rot, mal auf Grün stellen oder auch die Orangephasen nutzen - es gilt, gesunde Regeln zu vereinbaren und auch das Recht der Kinder auf Selbstbestimmung zu achten. Der Respekt und die Achtung, die wir unseren Kindern entgegenbringen, sind die einzige Garantie dafür, dass sie dies auch uns gegenüber zeigen.

Eltern müssen nicht perfekt sein: Für unsere Kinder sind nicht die Fehler entscheidend, die wir machen, sondern wie wir damit umgehen. Sich entschuldigen können, versöhnlich und veränderungsbereit sein, das gibt Kindern Kraft und Mut.

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