Trauma MissbrauchHilfe für sexuell missbrauchte Kinder

Die Folgen von sexuellem Missbrauch an Kindern sind verheerend. Oftmals können diese nur in einer langen Therapie behandelt werden. Das Verhalten von Kindern nach sexuellem Missbrauch ist so gestört, dass sie erst wieder Vertrauen aufbauen müssen.

Frau M. sieht ihrer Tochter nach. Die Erstklässlerin verschwindet fast hinter ihrem großen Schulranzen. Seit Schulbeginn geht sie jeden Morgen mit ein paar Mitschülerinnen die 15 Minuten Fußweg zur Schule. Nach all den Meldungen über Missbrauchs- und Gewaltfälle fällt es der Mutter schwer, ihr kleines Mädchen losziehen zu lassen. Aber Lehrerin und Polizei haben die Eltern ausdrücklich gebeten, ihr Kind nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. Und Frau M. findet diese Lernerfahrung ja auch sinnvoll.

Wie sind Kinder gefährdet?

Sexueller Missbrauch ist nach wie vor ein Thema, das viele Eltern verunsichert. Da fragen sich Väter, ob sie noch mit ihrer vierjährigen Tochter in die Badewanne steigen dürfen. Mütter zweifeln, ob es in Ordnung ist, wenn der Opa beim Familienfest im Garten filmt, wo ein paar Kinder nackt herumspringen. Dabei ist die Abgrenzung zu liebevollem Körperkontakt sehr klar: Um sexuelle Gewalt und Missbrauch handelt es sich, wenn ein Erwachsener (oder Jugendlicher) den Kontakt zu einem Kind und seine Machtposition dazu ausnutzt, um seine eigenen sexuellen Bedürfnisse auszuleben. Die Grenzen des Kindes, seine abwehrenden Signale werden dabei missachtet. Sexuelle Übergriffe können überall stattfinden, wo sich Kinder aufhalten - in der Familie, im Schwimmbad oder Hinterhof. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Am weitaus häufigsten wird Kindern von Bekannten, meist Männern, aus ihrem täglichen Umfeld sexuelle Gewalt angetan, sehr selten von gänzlich Fremden.
Was Kinder wirklich in Gefahr bringt ist die Tabuisierung des Themas. Wo "so etwas" nicht für möglich gehalten wird und Kinder bei Erwachsenen auf taube Ohren stoßen, haben es Täter leichter. Glücklicherweise hat sich hier in den letzten Jahren viel getan. Präventionsprogramme werden in Kindergarten und Schule umgesetzt, ein bundesweiter Aktionsplan wurde zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt initiiert, spezielle Beratungsstellen informieren und unterstützen pädagogische Fachkräfte und Eltern.
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es dennoch nicht. Den kindlichen Bewegungsspielraum deshalb einzuschränken, ist mit Sicherheit der falsche Weg. Ähnlich wie sich Kinder durch Verkehrserziehung, Schülerlotsen und verkehrsberuhigte Zonen gefahrloser auf der Straße bewegen - ohne einen Unfall jemals ganz ausschließen zu können - bietet eine mehrgleisige Vorbeugung einen wirksamen Schutz.

Klären Sie Ihr Kind altersgerecht auf

Es ist keine leichte Aufgabe, von Anfang an mit Kindern über Sexualität zu sprechen. Doch Sexualerziehung findet immer statt. Auch unbewusst und ohne Worte werden Kindern Ideen und 
Haltungen zur Sexualität vermittelt. Kinder haben feine Antennen dafür, welche Fragen sie stellen können und was sie lieber verschweigen und hinter dem Rücken ihrer Eltern tun. Deshalb ist es wichtig, ein sexualfreundliches Klima in der Familie zu schaffen, das die "Schattenseiten" von Sexualität nicht ausschließt. Ein Kind, das Worte für alle Körperstellen und sexuelle Inhalte hat, traut sich im Fall der Fälle eher, auch mit beschämenden und belastenden "Geheimnissen" zu seinen Eltern zu kommen.

Infos zum Thema:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Mutig fragen - besonnen handeln. Informationen für Mütter und Väter zum sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Kostenlos zu bestellen unter:
Tel.: 0180/532 93 29
E-Mail: broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de
Gisela Braun: Gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Ein Ratgeber für Mütter und Väter. Aktion Jugendschutz/Landesarbeitsstelle Bayern.

Stärken Sie Ihr Kind

Nehmen Sie Ihr Kind ernst, wenn es Angst hat, nicht mehr schmusen will oder etwas nicht essen mag. Nur so kann ein Kind lernen, seiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Sätze wie "Das kann doch gar nicht sein" oder "Hab dich nicht so" vermittelt Kindern, dass ihre Gefühle nicht zählen und andere besser über ihre Bedürfnisse Bescheid wissen als sie selbst. Das ist kein Freibrief für Kinder, ihren Eltern auf der Nase herumzutanzen. Eltern müssen natürlich auch "Stop!" sagen und Kindern Grenzen setzen. Dabei sollten sie jedoch vermeiden, über die Grenzen des Kindes hinwegzugehen.Kinder stark machen heißt auch, Geschlechterrollen kritisch zu überprüfen. Gesellschaftliche Vorstellungen, dass ein Mädchen eher lieb und nicht aufmüpfig, ein Junge eher stark und nicht weinerlich ist, halten sich hartnäckig in vielen Köpfen. Diese Erwartungen an Mädchen schwächen ihre Position gegenüber Erwachsenen. Jungen hingegen sind eher gefährdet, eine Missbrauchssituation nicht als solche zu erkennen. Ihnen fällt es schwerer, zuzugeben, dass sie sich nicht wehren können. Mutter und Vater, ihre Art des Umgangs miteinander, sind hier wichtige Vorbilder.

Setzen Sie sich mit sexueller Gewalt auseinander

Prävention ist jedoch nicht nur eine Frage der Erziehung. Kein Kind kann sich alleine schützen! Erwachsene stehen hier klar in der Verantwortung. Je jünger das Kind ist, um so mehr ist es auf aufmerksame Bezugspersonen angewiesen. Ergreifen Sie die Initiative, indem Sie einen Elternabend anregen, vom Kindergarten ein konkretes Konzept einfordern, sich über Strategien von Tätern, wie und wo sie die Nähe zu Kindern suchen, informieren oder den Tageseltern mitteilen, dass Ihnen das Thema wichtig ist. Wenn viele Erwachsenen für das Thema sensibilisiert sind und Kindern offen und wachsam begegnen, können sie besser vor Missbrauch geschützt werden. 

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