Esstisch statt StresstischWie Eltern ihren Kindern Tischmanieren beibringen

Wenn sich die eigenen Kindern am Esstisch nicht richtig benehmen können, dann ist das auch für Eltern oft sehr peinlich. Der Benimm bei Tisch sollte Kindern also frühzeitig vermittelt werden.

Esstisch statt Stresstisch: Wie Eltern ihren Kindern Tischmanieren beibringen
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Kleinkinder, die nicht am Tisch sitzen bleiben. Kindergartenkinder, die am liebsten mit den Händen essen. Schulkinder, die nur nach Pizza oder Nudeln verlangen. Viele Eltern wünschen sich ein besseres Benehmen ihrer Kinder am Familientisch, wissen aber nicht so recht, wann und wie sie das dem Nachwuchs beibringen können. Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin des Buches "Kinder-Knigge für Eltern" plädiert für einen möglichst frühen Beginn mit wenigen, aber verbindlichen Regeln. Dazu gehören neben Geduld und Konsequenz der Eltern auch die richtige "Ausrüstung" der Kinder mit verstellbarem Hochstuhl, speziellem Kinderbesteck sowie Kunststoff-Essgeschirr für die ganz Kleinen. Zum Ausgleich fürs ständige Üben dürfen Sohn oder Tochter ein bis zwei Fingerfood-Tage pro Woche einlegen, an denen auch einmal Pommes oder Würstchen mit der Hand gefuttert werden.

Endlich alleine essen und trinken

Schon anderthalb- bis zweijährige Kinder können Löffel und Gabel einigermaßen gezielt einsetzen und lieben es, endlich alleine essen und trinken zu können. Anfangs erreichen die Häppchen nicht immer den kleinen Mund, und der Becher fliegt mehr als einmal vom Tisch. Deshalb gilt es für Eltern, behutsam und stetig an den neu erworbenen Fähigkeiten zu arbeiten: den Löffel nicht durch die Gegend werfen; keine Breipfützen auf den Tisch schmieren; erst dann mit dem Essen anfangen, wenn alle etwas auf dem Teller haben.

Dreijährige wissen dagegen schon recht gut, wie sie die Nahrung am besten auf den Löffel bekommen und sie ohne größere Zwischenfälle in den Mund bugsieren. Außerdem können sie sich merken, die Hände vor dem Essen zu waschen, das Besteck beim Tischdecken richtig zu verteilen und das Essen nicht wie Spielzeug zu behandeln.

Ganz entspannt am Familientisch

Es gibt Eltern, die dulden keine Ellenbogen auf dem Tisch. Andere bleiben selbst bei am Tischtuch abgestreiften Schmierhändchen cool. Doch egal, welche Regeln Eltern für das Verhalten an ihrem Familientisch aufstellen, sie müssen das Einhalten des Regelwerks den Kindern auch vorleben. Denn als erste und wichtigste Vorbilder prägen Mütter und Väter die Essgewohnheiten der Kinder für die nächsten Jahre. Es gibt bestimmte Standards, die sollten in jeder Familie gelten: Mindestens einmal am Tag kommt die ganze Familie zu einer festen Essenszeit zusammen und sitzt gemeinsam am Familientisch. Dabei helfen die Kinder beim Tischdecken und -abräumen. Damit der Esstisch nicht zum Stresstisch wird, sorgen Eltern für eine möglichst entspannte Stimmung bei den Familienmahlzeiten und nutzen die gemeinsame Zeit zum Gedanken- und Erlebnisaustausch mit dem Nachwuchs. Auch ein gemeinsames Lied zu Beginn des Essens kann für gute Stimmung sorgen.

Ein paar typische Situationen - und wie Eltern gelassen damit umgehen:

  • Mit dem Essen matschen oder spielen
    Die Großen zeigen den Kleinen immer wieder sanft, aber mit Nachdruck den richtigen Umgang mit dem Essen. So lernen diese bald, dass Essen kein Spielzeug ist.
  • Keine Extrawürste braten
    Eltern entscheiden, was auf den Tisch kommt. Kinder entscheiden, was sie davon essen wollen. Bei jeder Mahlzeit gibt es etwas, das die Kinder mögen und das sie mit anderen Zutaten kombinieren können. Es gibt zum Beispiel Nudeln mit Gemüse und Soße: Mögen die Kinder kein Gemüse, essen sie eben die Nudeln nur mit Soße.
  • Aufstehen und Rumlaufen
    Ihr Kind steht beim Essen auf und rennt herum? Ermahnen Sie es immer wieder, dass am Tisch gegessen wird. Will es unbedingt aufstehen, ist das ein Zeichen dafür, dass es satt ist, die Mahlzeit ist damit für Ihr Kind beendet. Dann sollte es auch fünf Minuten später keinen Apfel bekommen, weil dann doch der Magen knurrt.
    Es ist allerdings nicht notwendig, dass Kinder am Tisch sitzen bleiben, bis alle aufstehen. Wenn jeder aufgegessen hat, aber die Erwachsenen oder auch größere Kinder noch etwas plaudern möchten, sollten Kinder den Tisch trotzdem schon verlassen dürfen.
  • Trödeln und bummeln
    Bei Trödlern hilft drängeln meist gar nichts. Der Rest der Familie bleibt einfach noch ein bisschen mit dem Kind sitzen, räumt dann aber den Tisch ab. Natürlich darf es noch alleine zu Ende essen. Ist das Kind alt genug, kann es dann seinen Teller selbst in die Küche tragen und in die Spülmaschine räumen.
  • Essen verweigern
    Isst ein Kind einmal nur wenig oder gar nichts, weil es tatsächlich gerade keinen Hunger hat, kann es bis zur nächsten Mahlzeit zwischendurch ein Stück Brot, Obst, Gemüse oder ein Glas Milch bekommen. Das sollte aber die Ausnahme bleiben. Snacks dürfen nicht so attraktiv werden, dass Kinder dafür ständig bei der Hauptmahlzeit streiken.

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