Trennung ohne KonfliktMediation bei Paaren

Eltern, die sich trennen wollen, möchten natürlich nicht, dass alle Familienmitglieder darunter leiden müssen. Immer mehr entscheiden sich darum für eine Trennungsmediation. Hier übernimmt ein Mediator sozusagen das Konfliktmanagement. Ein Interview mit der Familienmediatorin Doris Morawe.

Trennung ohne Konflikt: Mediation bei Paaren
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Seit einigen Jahren hört man immer häufiger, dass Paare ihre Trennungsangelegenheiten in einem Mediationsverfahren regeln. Was ist Mediation?
Mediation ist ein Verfahren, in dem zwei (oder mehr) Partner versuchen, ihren Konflikt autonom zu lösen. Mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, zu der beide "Ja" sagen können. Dazu kommt, dass es einen Dritten gibt, der das ganze leitet, einen Mediator, und dass Mediation ein streng durchstrukturiertes Verfahren ist.

Warum hat sich Mediation besonders im Familienrecht etabliert?
Ich denke der Grund liegt darin, dass (Ehe)Partner als Paar auseinandergehen können, aber Eltern bleiben. Nachbarn können sich trennen, Vertragspartner können sich trennen, aber Eltern nicht. Deshalb müssen sie eine Lösung ihres Konflikts finden, mit der beide leben können.

Ist Mediation für alle Familien geeignet oder müssen Paare besondere Voraussetzungen mitbringen?
Man kann nicht sagen, dass das Verfahren für alle Fälle geeignet ist, aber für sehr viele. Und zwar für alle Menschen, die in der Lage sind, autonome Entscheidungen zu treffen. Wenn jemand nicht selbstbestimmt handeln kann, weil er krank ist, oder weil Gewalt im Spiel ist, dann ist Mediation nicht das Richtige. In allen anderen Fällen würde ich sagen ja.

Was unterscheidet Mediation von einem normalen Gerichtsverfahren?
In einem normalen Gerichtsverfahren gehen die Parteien zu einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin und sagen: "Vertreten sie mich, ich übertrage Ihnen meine Angelegenheit." Damit geben sie die Verantwortung ab. Zwischen den Konfliktpartnern findet kein Gespräch mehr statt, nur die Anwälte agieren. Wenn die Anwälte keine Lösung finden - was sehr häufig vorkommt - entscheidet der Richter. Das bedeutet, dass andere über das bestimmen, was die Mandanten ganz persönlich angeht.

Ein Mediationsverfahren ist etwas komplett anderes. Da spielt sich die Musik zwischen den Parteien ab. Der Mediator hat keine Entscheidungskompetenz, sondern nur eine moderierende Funktion. Auch die Rechtsanwälte haben nur eine beratende Funktion außerhalb des Verfahrens. Deshalb ist das Mediationsverfahren ein autonomes Verfahren. Diejenigen treffen Entscheidungen, um die es geht. Sie werden begleitet von einem Dritten, der das Gespräch führt und lenkt, aber sie werden nicht fremdbestimmt.

Wie läuft ein Mediationsverfahren konkret ab?
Das Verfahren Mediation steht und fällt mit der Einhaltung der Struktur und der grundlegenden Prinzipien. Am Anfang der Mediation steht eine Vereinbarung, und zwar darüber, wie innerhalb des Verfahrens miteinander umgegangen wird. Dann werden die Themen festgesetzt, die in der Mediation verhandelt werden sollen. In einem weiteren Schritt werden Sachverhalte festgestellt, das sind z.B. Zahlen über Vermögen und Einkommen. Dann formulieren die Konfliktpartner ihre unterschiedlichen Positionen und die dahinter liegenden Interessen. In einem Brainstorming werden mögliche Lösungsideen formuliert, und zwar erst mal rein theoretisch, ohne Bewertung. Diese verschiedenen Lösungen werden dann durchgespielt, bis sich eine für beide Partner zufriedenstellende Lösung herauskristallisiert.

Worin besteht die besondere Aufgabe des Mediators?
Der Mediator trägt die Verantwortung für die Einhaltung der Struktur. Nicht für die Lösung, das ist ganz wichtig, denn die wird von den Parteien autonom entwickelt.

Über welche besonderen Qualifikationen muss man als Mediator verfügen? Was lernt man in der Ausbildung?
Mir kommt es in der Mediation vor allem auf die Haltung an, die ist für mich entscheidend. Das Schlüsselwort für diese Haltung ist für mich das "und". Nicht "entweder - oder" sondern "und". In meinem Beruf gehe ich immer davon aus, dass es nicht nur eine Sicht der Dinge gibt. Auf diese Haltung kommt es uns auch in der Mediationsausbildung an. Wenn jemand die Ausbildung machen möchte, ist nicht von Bedeutung, ob er studiert hat oder nicht. Wir haben schon eine Oberpostsekretärin ausgebildet, die macht jetzt Anti-Mobbing-Arbeit, es gibt da die unterschiedlichsten Zugänge. Wichtig ist uns, ob jemand dieses "und" in sich trägt oder bereit ist, sich darauf einzulassen. Deswegen verlangen wir von den Leuten in der Bewerbung einen Lebenslauf.

Kann man sagen, dass Mediation dem Wohl der Kinder dient?
Neulich war ein Paar hier, da sagte die Frau zu ihrem Mann: "Es muss sich wirklich was verändert haben bei uns. Vor kurzem haben wir doch miteinander telephoniert. Hinterher hat mich das Kind gefragt: Mama, mit wem hast du telephoniert? Mit Papa, habe ich gesagt. Nee, hat das Kind geantwortet, mit dem telephonierst du ganz anders, da bist du immer ganz böse." In einer Sitzung vorher war viel geklärt worden.

Hat ein Mediationsverfahren positive Auswirkungen auf die zukünftige Zusammenarbeit der Eltern?
Ja. Zum einen vereinbaren die Partner hier, dass sie bei zukünftigen Konflikten wieder Mediation in Anspruch nehmen, wenn es ihnen nicht gelingt, sie alleine zu lösen. Zum anderen verändert das Verfahren selbst auch vieles, da Dinge zur Sprache kommen, die vorher nicht offen formuliert wurden. Beruhigend ist für die Partner auch zu wissen, dass sie hier so lange miteinander verhandeln, bis wir eine für beide zufriedenstellende Lösung finden. Das versprechen sie sich zu Beginn des Mediationsverfahrens in der Vereinbarung. Sie wissen noch nicht, wie die Lösung aussieht, aber sie wissen, dass es eine geben wird und muss. So wird wieder Vertrauen aufgebaut.

Die Fragen stellte Julia Ubbelohde.

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