Familienfreundlich wohnenVom Babyzimmer zur sturmfreien Bude

Das erste Kinderzimmer wird immer von den Eltern eingerichtet und entspricht ihren Vorstellungen. Aber im Laufe der Zeit hat auch das Kind Bedürfnisse, die das Kinderzimmer erfüllen sollte.

Familienfreundlich wohnen: Vom Babyzimmer zur sturmfreien Bude
© mihalis_a - iStock

Kinderzimmer sind Räume zum Schlafen, Spielen, Toben, und Arbeiten. Sie sind der Ort, an dem Kinder sich mit ihren Freunden treffen und ihre eigenen Sachen aufbewahren. Über einen langen Zeitraum dienen sie als sichere Basisstation, von der aus Kinder die Welt erkunden und entdecken können.

Ein eigenes Reich, in dem die Kleinen ungehindert ihre Fantasie und Kreativität entfalten können, finden Experten und auch Eltern wichtig: Bei einer in der Zeitschrift "Das Haus" veröffentlichten Umfrage waren 95 Prozent der Befragten der Meinung, dass ein Kind ein eigenes Zimmer oder zumindest einen eigenen Bereich braucht. Aber keinesfalls sollte die ganze Wohnung von den Kindern in Beschlag genommen werden, meinten 85 Prozent.

Kinderspiel und Elternträume

"Gespielt wird bei uns im Wohnzimmer, denn da haben die Kinder eine riesige Fläche zum Aufbauen der Eisenbahn und für alles, was viel Platz braucht. Die Kinderzimmer sind dafür zu klein", sagt Gudrun E., Mutter von drei Kindern. Sie erlaubt, dass die Holzeisenbahn auch mal drei Tage im Wohnzimmer fährt, weil sie weiß, wie glücklich das ihre beiden Jungs macht. Aber in regelmäßigen Abständen muss das Wohnzimmer wieder spielzeugfrei geräumt werden, denn "permanent hält das kein Erwachsener aus", so die Mutter.

Kinderspiel und Wohnvorstellungen der Eltern scheinen auf Dauer nicht zusammen zu passen. Eltern wollen Ruhe und Ordnung, Kleinkinder suchen mitsamt den Spielsachen die Nähe der Großen, Jugendliche drehen die Musikanlage auf, wenn sie allein sein wollen. "Die meisten Ermahnungen von Eltern an ihre kleinen Kinder werden durch die Wohnung verursacht", meint die Architektin Gunhild Reuter vom Verein "Wohnen mit Kindern" in Berlin.

Die üblichen Familienwohnungen mit einem großen repräsentativen Wohnzimmer, aber kleinen Kinderzimmern und winzigen Küchen findet sie gar nicht familienfreundlich. Viel zu schnell schwappt die "natürliche" kindliche Unordnung aus den kleinen Kinderzimmern in den gepflegten Wohnbereich, wo eigentlich die Eltern am Abend in angenehmer Atmosphäre gemütlich sitzen wollen, und löst Ärger aus.

Solche Wohnkonflikte kann ein familienfreundlicher Wohnungszuschnitt vermeiden. Für den Verein "Wohnen mit Kindern" gehören dazu Kinderzimmer, die nicht nur zum Schlafen da sind und auch nicht in der hintersten Ecke der Wohnung liegen. Stattdessen sollten sie sich in der Nähe der Wohnküche oder eines strapazierfähigen Familienraums befinden, dort wo sich für Familien mit kleinen Kindern ohnehin das halbe Leben abspielt. Gibt es eine Wohnküche, braucht das Wohnzimmer nicht riesig zu sein. Die Verkleinerung von Wohn- und Elternschlafzimmer macht es möglich, dass die Fläche der Kinderzimmer größer ausfallen kann.

Praktisch ist es, wenn alle Räume ähnlich groß sind, denn dann erlauben sie unterschiedliche Nutzungen. "Kinderzimmer" oder "Elternschlafzimmer" sind nicht mehr vorgegeben, es darf getauscht werden. Das ist von großem Vorteil, wenn sich die Wohnbedürfnisse oder Familienkonstellation verändern (z.B. erwachsene Kinder ausziehen, Oma einzieht).

Kinderzimmer und Lebensphasen

In jedem Lebensalter und jeder Entwicklungsphase haben Kinder andere Bedürfnisse in Bezug auf ihr Kinderzimmer: Der Säugling braucht zunächst nur ein Kinderbett, eine Wickelkommode sowie Stauraum für Wäsche und Kleider. Dafür ist im ersten Lebensjahr nicht unbedingt ein eigenes Zimmer nötig, das Bettchen kann im Elternschlafzimmer stehen.

Das Krabbelkind spielt am liebsten in der Nähe und in Sichtkontakt zu den Eltern. Ein Zimmer gleich neben der Wohnküche (oder dem Familienraum) ermöglicht ihm, stets am Familienleben teilzuhaben. Kleine Kinder teilen ihr Zimmer noch gerne mit Geschwistern, denn ihr Wunsch nach Alleinsein ist nicht sehr ausgeprägt, vorausgesetzt der Altersunterschied ist nicht allzu groß.

Im Kindergartenalter wird dann der erste Arbeitstisch aktuell, um zu zeichnen, zu basteln und für erste Schreibübungen. Für bleibende Aufbauten wie Kaufmannsladen oder Puppenhaus wird eine große Spielfläche gebraucht.

Spätestens ab dem Schulalter ist ein eigenes Zimmer mit Arbeitsplatz wichtig, an dem die Hausaufgaben ohne Störungen durch die Geschwister erledigt werden können, und es auch Platz gibt für den Besuch von Schulfreundinnen und -freunden.

Für ältere Kinder und Jugendliche ist schließlich der eigene Rückzugsbereich das Wichtigste. Sie wünschen sich eine "sturmfreie Bude", einen elternfernen Bereich, am liebsten mit eigenem Eingang und nehmen dafür sogar einen Umzug innerhalb der Wohnung in Kauf.

Gestaltung des Kinderzimmers

Das Kinderzimmer sollte hell und freundlich sein. Bei der Einrichtung sind umweltgerechte, nicht gesundheitsschädigende, natürliche Materialien besonders wichtig. Die Möbel sollten robust und gut verarbeitet sein. Als Bodenbelag eignen sich vor allem Holz, Linoleum und Kork, weil sie fußwarm und leicht zu reinigen sind.

Gibt es zwei Kinderzimmer, kann ein Spiel- und Tobezimmer im Zentrum der Wohnung und ein abgelegeneres "Kinderschlafzimmer" eingerichtet werden. So kann ein Kind noch spielen, wenn das andere schon schläft und Spielaufbauten müssen nicht zum Schlafengehen weggeräumt werden.

Ein sparsam eingerichtetes Zimmer schont den Geldbeutel und lässt mehr Freifläche zum Spielen. Wenn nicht für jedes Kind ein eigenes Zimmer vorhanden ist, kann eventuell ein großer Raum in zwei kleine unterteilt werden, zum Beispiel durch ein Regal, einen Schrank oder durch größere Pflanzen.

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