Burnout erkennen und vermeidenHilfe, ich kann nicht mehr!

Lange Zeit galt das Burnout-Syndrom als ein typisches Problem von Männern in Chefetagen und Menschen in helfenden Berufen. Inzwischen haben Mediziner und Psychologen festgestellt, dass auch viele Mütter unter chronischen Erschöpfungs-zuständen leiden.

Burnout erkennen und vermeiden: Hilfe, ich kann nicht mehr!
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Ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter war Irmgard Czech mit ihren Kräften am Ende. Franziska hatte häufig Bauchkrämpfe und schlief nur wenig. „Ich fühlte mich wie in Trance vor Müdigkeit und bekam Spannungskopfschmerzen, als ob mir der Kopf platzt". Erst nach acht Monaten entspannte sich die Situation, die Bauchkrämpfe ließen nach und ihr Kind schlief besser.

Viele Mütter erleben solche Phasen der Erschöpfung. Doch nicht jede, die nach einer Zeit großer Anstrengung eine zeitlang müde und lustlos ist, leidet unter Burnout. Als chronisch gilt die Erschöpfung erst dann, wenn sie auch nach einem dreiwöchigen Urlaub anhält. Der Organismus ist dann derart überlastet, dass er sich auch durch eine Auszeit nicht von alleine regeneriert.

Vom Manager- zum Müttersyndrom

Lange Zeit galt das Chronische Erschöpfungssyndrom, auch Burnout genannt, als ein typisches Problem von Männern in Chefetagen und Menschen in helfenden Berufen wie Ärzten, Pflegepersonal oder Lehrern. Erst langsam lernen Mediziner und Psychologen, dass Mütter, egal ob Hausfrauen oder Mütter mit "Doppelbelastung", verheiratet oder allein Erziehende, wahrscheinlich sogar doppelt so häufig von Burnout betroffen sind wie Männer. Denn ihre Belastungen in Familie und oftmals auch noch Beruf sind mit denen von Managern durchaus vergleichbar. Eine Mutter ist rund um die Uhr und jeden Tag für ihre Kinder verantwortlich. Sie kann sich nicht einfach frei nehmen, wenn ihr mal danach ist.

Nach einer Studie von Professor Jürgen Collatz von der Universität Hannover im Auftrag des Müttergenesungswerks leiden zwischen 10 und 15 Prozent aller Mütter unter schwerer Erschöpfung. Die Erschöpfung äußert sich je nach Typ in Kreislaufschwäche, häufigen Infekten, Nervosität, Migräne aber auch in depressiven Stimmungen, übertriebenen Ängsten und Schlafstörungen. Nicht die viele Arbeit setzt den Müttern so zu, sondern die mangelnde Anerkennung ist neben schwierigen sozialen Bedingungen wie z.B. Finanzproblemen für Collatz einer der größten Stressfaktoren in der Familienarbeit.

Bornout erkennen und handeln

Das Burnout-Syndrom existiert in viele Stadien: von leichtem Ausgebranntsein und der Vernachlässigung eigener Bedürfnisse bis zur völligen Selbstaufgabe mit innerer Leere und Hang zur Depression. Irmgard Czech hat eine Mütterberatungsstelle aus der Krise geholfen. Die Beraterin nahm ihr vor allem das Gefühl, sie sei eine schlechte Mutter, weil ihr Kind ständig schreit. Eine Mutter-Kind-Kur kann helfen, eine zeitlang aus einem belastenden Alltag heraus zu kommen und eigene krank machende Verhaltensweisen besser zu erkennen. Doch damit ist es nicht getan. Zurück im Alltag kommt es vor allem darauf an, wie Mütter mit den täglichen Anforderungen umgehen. Burnout-Spezialist Vinzenz Mansmann, Leiter der NaturaMed Klinik in Bad Waldsee, hat als Allgemeinmediziner schon viele erschöpfte Mütter behandelt. "Um den Alltagsstress in den Griff zu bekommen", so Mansmann „ist es für Mütter notwendig, Techniken zu erlernen, die helfen, sich aktiv zu entspannen und mit Belastungen besser fertig zu werden." Sehr gut helfen zum Beispiel regelmäßiges Meditieren oder Yoga, weil sie nicht nur entspannen, sondern auch die Wahrnehmung für den eigenen Körper stärken. Regelmäßige Bewegung kann Spannungen abbauen.

Inseln schaffen zur Vermeidung des Burnouts

Um ein Burnout zu vermeiden, „brauchen Frauen Inseln," betont Sozialpädagogin Helen Heinemann. Die vierfache Mutter arbeitet in der Erwachsenenbildung mit Müttern. "In vielen Familien haben die Kinder ein eigenes Zimmer, aber nicht die Mütter. Dabei brauchen gerade Mütter dringend Zeit und Raum nur für sich selber." Immer noch seien die Erwartungen an Frauen erschreckend hoch. Blitzblanke Häuser, wohlgeratene Kinder und dann noch die Super-Karriere - "hoher Anpassungsdruck und wenig Selbstbestimmung", so charakterisiert Helen Heinemann die Situation von Müttern heute. Die Medien tragen dazu bei ein unrealistisches Bild von der „Powerfrau" zu verbreiten, die alles mit links schafft und dann noch top aussieht. Eigene Träume bleiben angesichts dieser Normen schnell auf der Strecke. Berufstätige Frauen sind nicht generell anfälliger für Burnout. Denn Burnout entsteht nicht durch zu viel Arbeit sondern "durch Arbeit, die nichts mit mir zu tun hat", ist Heinemann überzeugt. "Arbeite ich, damit die Kinder Musikunterricht nehmen können oder bin ich berufstätig, weil ich etwas für mich tue?"

Und noch einen Tipp hat Helen Heinemann für gestresste Mütter parat: „Das beste Mittel gegen den Burnout lautet: Einfach mal genießen".

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