Digitale Medien

Die Frage, ob digitale Medien in der Kita eine Rolle spielen müssen oder nicht, wird intensiv und oftmals auch emotional diskutiert. Befürwortern geht es nicht darum, dass Kinder in der Kita möglichst viel und möglichst oft in Kontakt mit digitalen Medien kommen. Digitale Medien sollen nicht die bestehenden Angebote der Einrichtungen ersetzen. Kinder sollen, dürfen und müssen weiter die unterschiedlichsten Erfahrungen machen, vom Klettern und Toben im Garten über das Malen, Kleben und Basteln hin zu Rollenspielen und Brettspielen. Doch auch die digitalen Medien sollen als ein Element berücksichtigt werden.

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Kinder sollen doch matschen und klettern

Selbstverständlich steht für Kinder das Grundbedürfnis nach unmittelbarem Naturkontakt, uneingeschränkter Bewegung und freiem Gestalten im Vordergrund. Der Einsatz digitaler Medien erfüllt in der Kita eher dort seinen Zweck, wo dieses Grundbedürfnis des Kindes weder eingeschränkt noch ersetzt wird. Keine App kann die eigene Bewegung ersetzen und kein Spiel am Tablet kann die Kommunikationserfahrungen mit einem realen Spielpartner in gleicher Art und Weise ermöglichen. Und doch können die Medien den Erfahrungs- und Lernraum der Kinder erweitern, wo sie für kreative Projekte und über entwicklungsanregende Anwendungen zum Einsatz kommen. Pädagogische Fachkräfte sollten die digitalen Medien in der Gestaltung von Bildungsprozessen nicht ausklammern. Denn sie können nicht verhindern, dass Kinder außerhalb der Institution oft in ungeahnt hohem Maße mit digitalen Medien in Berührung kommen.

Was ist zu tun, um eine Einbettung in bestehende Konzepte erfolgreich zu gestalten?

  • Alle Fachkräfte müssen von der Notwendigkeit der medialen Entwicklungsbegleitung überzeugt sein und aktiv mitgestalten wollen.
  • Widerstände im Team und bei den Eltern sollten über ausreichende Informationen und überlegte Entscheidungsprozesse für die Umsetzung abgebaut werden.
  • Im Team muss eine Einigung erfolgen, in welchem Umfang und in welcher Art die kommunikations- und informationstechnische Grundbildung erfolgen kann.
    Folgendes sollte dabei berücksichtigt werden: Pädagogische Grundsätze, Methoden und Qualitätskriterien.
  • Außerdem sollte auf die Prinzipien der Individualisierung und der Differenzierung (vor allem bei großen Altersunterschieden der Kinder) geachtet werden.
  • Ferner muss das Team überlegen, welche Geräte und welches sonstige technische Equipment notwendig werden.
  • Es ist sinnvoll sämtliche anderen Bereiche daraufhin zu durchleuchten, wo Medienbildung kreativ gestalterisch genutzt werden kann. Es soll kein „Programm“ werden, sondern organische Einflechtung in den Alltag. Digitale Medien werden Teil des Alltags und finden ihren Nutzen dort, wo sie unterstützen, beispielsweise in der (pädagogisch notwendigen) Portfolioarbeit.

Wo werden Digitale Medien in der Kita sinnvoll eingesetzt?

Digitale Medien in den Händen der Pädagogen

  • Teamplanung und –organisation:
    Elterngespräche, Ausflüge, Schließzeiten, Urlaubstage etc.
  • Pädagogische Dokumentation:
    z.B. mittels DOKULINO und FOTOLINO
  • Kommunikation mit den Eltern:
    Organisatorisches über Nachrichten austauschen, Einsicht in die Bildungsdokumentation des Kindes geben

Digitale Medien gemeinsam mit den Kindern nutzen

  • Portfolio-Arbeit:
    Einstieg in die gemeinsame Mediennutzung mit den Kindern
  • Medienprojekte/Medienarbeit:
    z.B. digitales Mikroskop zu einem Ausflug in die Natur mitnehmen
  • Unterstützende Hilfen bei Beeinträchtigungen:
    Neue Möglichkeiten für Kinder mit Behinderungen wie z.B. Sprachbeeinträchtigungen

Digitale Medien in der Kita: Umgang mit den Kindern

Man hat inzwischen durch Forschungsprojekte herausgefunden, dass es verschiedene Faktoren für eine erfolgreiche Medienbegleitung von Kindern gibt:

Alter des Kindes

Eine aktive Mediennutzung ist Kindern ab ca. 2 Jahren möglich. Vorher ist es aufgrund der sprachlichen, motorischen und intellektuellen Entwicklung meist noch wenig sinnvoll. Dabei spielt in diesem jungen Alter eine spielerische Umsetzung eine große Rolle.

Begleitung durch einen Erwachsenen

Aus der Forschung zum Medienumgang von Kindern weiß man, dass Kinder unter 6 Jahren unbedingt eine Begleitung beim Medieneinsatz benötigen. Kinder sind nicht von Geburt an medienkompetent, nur weil sie in eine Welt hineingeboren werden, in der digitale Medien ein fester Bestandteil sind. Kompetenz im Umgang erwerben Kinder nur dann, wenn ihre Erfahrungen und Erlebnisse ausreichend reflektiert und begleitet werden. Dabei gilt es immer, sich an der individuellen Entwicklung des einzelnen Kindes zu orientieren.

Zeitfaktor

Klare Vorgaben für die Nutzungszeit in der Einrichtung sollten formuliert werden. So haben sich ab dem Alter von 2 Jahren wöchentliche Nutzungszeiten von 2-3 Stunden in der Gruppe bewährt. Durch die festen Nutzungsabsprachen wird die Selbstregulation der Kinder gestärkt. Die digitalen Medien sollen eine Möglichkeit unter vielen im Angebot der Einrichtung sein. Klare Zeitabsprachen nehmen auch Eltern, die einer Mediennutzung in der Einrichtung kritisch gegenüberstehen, die häufig vorherrschende Furcht, dass die Kinder dann nur noch vor den Medien sitzen und nichts anderes mehr machen.

Technische Ausstattung

Für eine aktive und kreative Medienbildung brauchen Kitas auch eine entsprechende mediale Ausstattung. Bisher sind in den Kitas vor allem Computer und Digitalkameras im Einsatz. Mancherorts nur für die Anwendung durch die Fachkräfte, anderenorts auch schon für die Hände der Kinder. Die ersten Einrichtungen haben ihre Ausstattung um die neueren digitalen Medien erweitert. Besonders Tablets haben sich im Kita-Alltag aufgrund ihrer Bedienerfreundlichkeit und ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten bewährt.

Digitale Medien in der Kita: Umgang mit den Eltern

Eltern brauchen Information

Wenn eine Einrichtung beginnt, die digitalen Medien in den Kita-Alltag zu integrieren, kann ein Elternabend zu diesem Thema sinnvoll sein. Ein solcher Elternabend kann Antworten auf folgende mögliche Fragen liefern:

  • Was haben wir vor mit den digitalen Medien?
  • Wie lange werden die Kinder damit beschäftigt sein? Was ist mit Toben und Matschen?
  • Warum finden digitale Medien nun auch in der Kita ihren Platz?

Einen eigenen Eindruck gewinnen

Eltern bekommen den besten Eindruck, was eine Kita unter kreativer Medienarbeit versteht, wenn sie es selbst sehen und erleben können. Dazu kann eine Hospitation in der Kita angeboten werden, bei dem die Eltern einen ganz normalen Tag in der Einrichtung erleben, in dem die digitalen Medien integriert sind. Es bietet sich auch an, bei einem Kita-Fest oder einem Elternabend die Ergebnisse der kreativen Medienarbeit zu zeigen. Das macht Eltern deutlich, auf welch vielfältige Weise digitale Medien genutzt werden können und wie sich die analoge und digitale Welt ganz einfach miteinander verbinden lassen.

Digitale Medien in der Kita: Umgang im Team

Keine Medienbildung in der Kita ohne die Fachkräfte!<
Nur gemeinsam mit den Pädagogen, die den Sinn und Zweck einer aktiven, kreativen Medienbildung sehen, kann wertvolle Medienarbeit in einer Einrichtung geschehen. Dazu sind Gespräche im Team darüber notwendig, wie die digitalen Medien an das bestehende Konzept andocken können und welchen Raum die digitalen Medien in der Kita einnehmen sollen. Außerdem sollte ein Plan entwickelt werden, wie schrittweise vorgegangen wird:

  • Welche Fortbildungen brauchen wir als Team noch?
  • Welche Ausstattung haben wir schon und was möchten wir noch anschaffen?
  • Wie holen wir die Eltern ins Boot?
  • Wie führen wir die Kinder an das Thema heran?

Erst wenn diese Fragen beantwortet und umgesetzt sind, kann die Medienarbeit mit den Kindern beginnen.

Dieser Text ist eine Zusammenfassung aus:
Digitale Medien richtig einsetzen und verstehen
Ein Leitfaden für Pädagogen, Erzieher, Kita-Leitungen und Eltern

Autoren:
Monika Ullmann, geschäftsführender Vorstand Montessori Landesverband Bayern e.V.
Marion Lepold, Coach und Trainer für Kitas

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