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kindergarten heute Bonustrack: Leichtigkeit ist wichtig, Stolpern erlaubt
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Intro: Der Kindergarten heute Bonustrack - Fachmagazin.
Karen Sachse (kindergarten heute): Hallo Frau Böhm, ich freue mich, dass wir Zeit gefunden haben, um über die Erstellung von Kinderschutzkonzepten im Team, im Kita-Team zu sprechen. Als erstes wäre mal so die allgemeine Frage, warum brauchen Kitas denn überhaupt Schutzkonzepte und wofür müssen Kinder in Kitas geschützt werden?
Katrin Böhm: Also mit der Novellierung vom SGBVIII im 2021 wurde ja die gesetzliche Grundlage geschaffen dafür, dass Kitas ein Gewaltschutzkonzept vorhalten müssen und darum geht's letztendlich, um diesen institutionellen Kinderschutz, also dass Kinder in Kitas vor Gewalt und Übergriffen durch pädagogisches Fachpersonal geschützt werden sollten. Eine Anmerkung ist, dass es für die Kindertagespflege noch nicht gesetzlich ist, es gibt aber viele Kindertagespflegepersonen, die sich da schon sehr gerne auch mit auf den Weg machen wollen.
Karen Sachse: Da können ja wahrscheinlich dann sogar auch ähnliche Konzepte oder da kann man sich bestimmt auch bisschen dran orientieren, was für Kitas teilweise gilt.
Katrin Böhm: Absolut. Es ist natürlich immer wieder die Situation als Kindertagespflegeperson oft alleine mit Kindern zu arbeiten. Das wird ja in der Kita gerade eigentlich versucht zu vermeiden. Das ist noch mal eine ganz besondere Situation, aber das ist glaube ich auch mit ein Grund, warum Kindertagespflegepersonen zum Teil eben sagen, ja und wir wollen das unbedingt auch uns mit diesen ganzen Fragestellungen auseinandersetzen.
Karen Sachse: Und wenn es denn ein solches Konzept gibt in der Kita, wie kann das denn von Außenstehenden gesehen werden oder vor allem von Eltern? Also, wie kann man merken, dass das jetzt ein Schutzkonzept gibt?
Katrin Böhm: Also Kitas sollen ja durch diese Schutzkonzepte zu sicheren Orten für Kinder werden, dass Kinder sich sicher, wohl und geborgen fühlen und dann auch Zeit und Kraft haben für ihre Entwicklung. Das kann schon damit beginnen, dass bestenfalls dieses Gewaltschutzkonzept auf der Homepage der Einrichtung veröffentlicht ist, dass praktisch alle Menschen, die sich über diese Einrichtung erkundigen wollen, das sind ja auch potenziell neue Kolleginnen, das kann ja auch motivierend sein, sich dort zu bewerben. Ich empfehle auch immer, es einmal ausgedruckt in einer Leseecke für die Eltern oder in Papierform vorliegen zu haben. Außenstehende erkennen daran, dass die Kollegen sich in der Kita intensiv mit diesem institutionellen Kinderschutz befassen, dadurch, dass zum Beispiel so ein Gewaltschutzkonzept auch bei der Vorstellung der Kita benannt wird oder dass es auch an Elternabenden schon zum Thema gemacht wird. Es geht darum, wie wir hier mit Kindern umgehen, was unsere Haltung ist. Das zieht Kreise über Partizipation, Kinderrechte, Beschwerdeverfahren für Kinder und für Eltern. Daran erleben Eltern, dass diese ganzen Aspekte eines Gewaltschutzkonzeptes beachtet werden. Das beginnt dann auch zum Beispiel mit der Beteiligung und damit, dass wir Kinder bei allen für sie wichtigen Entscheidungen beteiligen wollen, beginnt ja auch die Art und Weise der Eingewöhnung. Wird die Eingewöhnung partizipativ gestaltet oder nicht?
Karen Sachse: Und Sie haben jetzt gerade schon die Eltern angesprochen. Genau, Zusammenarbeit mit Eltern, können die bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes mit einbezogen werden, wenn ja, wie?
Katrin Böhm: Wie gesagt, ich glaube, es ist ganz wichtig, mit Eltern dazu immer wieder ins Gespräch zu kommen, auch Fragen zu behandeln, wie gehen wir mit Kindern um, wie setzen wir Grenzen, wie handeln wir Grenzen aus mit Kindern? Partizipation heißt ja nicht, Kinder dürfen alles entscheiden und alles so machen, wie es jetzt für jedes Kind eigentlich funktioniert. Allein am Beispiel Beteiligung, wie sehen wir, dass sich ein Krippenkind beteiligen möchte beim Essen, beim Schlafen, beim Spielen? Wie lesen wir die Kinder, woran machen wir das fest? Und das kann ja für Eltern übersetzt werden und eben dann auch mit Eltern gemeinsam gerade rund um die Eingewöhnung, dass wir auch sagen, wir machen keine Trennung, wir geben die Trennung nicht vor in dem Sinne, so nach dem Motto heute ist die Trennung, sondern wir besprechen das mit den Eltern gemeinsam. Dadurch werden Eltern praktisch indirekt beteiligt, weil sie erleben, das Gewaltschutzkonzept ist lebendig und wird hier gelebt, und das hat Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und den Kindern. Von daher glaube ich, ist es immer wieder wichtig, mit Eltern von Beginn an gut dazu ins Gespräch zu gehen, gut zu erklären, warum machen wir das, welche Haltung steckt dahinter, dass diese Gewaltschutzkonzepte auch ganz, ganz viel mit Demokratiebildung zu tun haben. Wenn Kinder von Anfang an in der Krippe merken, ich werde gehört und gesehen mit meinen Äußerungen, und wenn es nur das ist, dass ich beim Essen den Kopf wegdrehe, wenn ich satt bin und jemand darauf reagiert, dann beginnt das ja, dass ich gehört werde und dass ich aber auch andere höre. Also das ist ja ein Wechselspiel, dass auch Kinder dann, je älter sie werden, auch sich entweder dann auch sprachlich äußern können.
Karen Sachse: Da kommen wir jetzt eigentlich schon fast zur Erstellung von Konzepten. Ich habe […] also natürlich immer in im Austausch mit Eltern sein, aber gleichzeitig müssen natürlich auch die Fachkräfte immer wieder im Austausch darüber sein. Wie kann das passieren? Wie können die Fachkräfte sich austauschen? Wie kann ein Konzept erstellt werden?
Katrin Böhm: Ja, genau. Also, ich glaube, es ist total wichtig, dass man so ein Konzept genauso partizipativ erstellt, wie wir das auch uns die Zusammenarbeit mit den Eltern vorstellen. Dass wir immer wieder Möglichkeiten, Zeitfenster schaffen, dass die Fachkräfte in Austausch kommen. So ein Schutzkonzept zu erarbeiten ist ein Prozess, und eigentlich ein immer fortwerdender Prozess, weil sich ja auch immer wieder neue Zusammensetzungen ergeben. Es geht darum, dass dieser Austausch zu den verschiedenen Bausteinen, die ein Schutzkonzept beinhaltet, immer wieder stattfindet. Man muss sagen, das ist der Punkt, wir wollen dazu immer miteinander in Austausch kommen und auch unsere, gerade wenn man jetzt die Kinderrechte sieht, wir wollen noch mal gucken, die Kinderrechte sind unsere gemeinsame Basis, so wollen wir arbeiten, aber wie setzen wir das um und wo ist da ein Konsens? Weil das ja manchmal auch unterschiedliche Haltungen, unterschiedliche Vorerfahrungen oder Befürchtungen im Raum stehen. Sicherlich kann es an der einen oder anderen Stelle auch zu einer Diskussion kommen, dass man dann im Team sich erstmal miteinander auf einen gemeinsamen Nenner einstellen, ja, ich nenn es mal „eingrooven“ muss. Dass man wirklich gemeinsam durch dieses gemeinsame Gespräch, wenn man jetzt an der Verhaltensampel zum Beispiel mal dran bleibt, zu gucken, was ist für mich okay, was ist für dich okay, wo ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden kann, was ist der graue Bereich und wo fängt Fehlverhalten an und wie ist das für alle Fachkräfte greifbar? Sicherlich gibt es auch Bereiche, wo man dann als Träger oder Leitung auch ganz klar sein muss und sagen, das ist definitiv der rote Bereich. Aber in diesem grauen Bereich gibt's ja ganz viel Diskussionsbedarf und Austauschbedarf. Und wenn Fachkräfte eben an diesen Diskussionen und an dem Austausch nicht beteiligt werden, dann werden diese Schutzkonzepte einfach für die Schublade geschrieben, weil sie dann nicht gelebt werden. Dann kann so ein Schutzkonzept auch scheitern. Das erlebe ich eben auch in meiner Arbeit als Fachberatung immer wieder, wie wichtig es ist, dass Menschen miteinander dazu ins Gespräch kommen, dass man mal über die verschiedenen Wertvorstellungen spricht. Was ist für mich ein wichtiger Wert, was ist für Kollegen ein wichtiger Wert, und dann kann ich eventuell in Situationen mit Kindern auch nachvollziehen, warum dieser mein Kollege jetzt vielleicht gerade irgendwie etwas in dem Sinne vielleicht durchdrücken möchte, sage ich jetzt mal, was, wo ich sagen würde, das ist die Art und Weise ist nicht richtig. Aber wenn ich Verständnis habe über seinen Wert, den er gerade sieht, wenn man jetzt zum Beispiel das Thema hat mit Kinder sollen nicht zum Essen gezwungen werden, definitiv nicht. Gleichwohl kann man den Wert haben, ich möchte nicht, dass Lebensmittel verschwendet werden und weggeworfen werden. Also und dann gibt's da eine ganz große Bandbreite zwischen ich sag zu dem Kind, du musst deinen Teller leer essen, was aus meiner Sicht nicht geht, und eben tu dir auf so viel wie du willst und wenn du satt bist, darfst du aufstehen. Das ist ja dann unsere pädagogische Arbeit, diese Prozesse zu begleiten, also dahin auf dem Weg zu begleiten, auch einschätzen zu können, wie viel, wie kann ich mir denn nehmen? Oder auch dem Kind die Sicherheit zu geben, du darfst dir auch fünfmal nehmen, wenn du fünfmal noch Hunger hast. Gerade rund um diese Werte, welche Werte wurden mir vermittelt als Kind? Welche finde ich heute noch wichtig? Welche finde ich vielleicht nicht mehr wichtig? Da miteinander in Austausch zu gehen, ist ein ganz wichtiger Aspekt.
Karen Sachse: Sie haben ja gerade auch gesagt, dass es ein Prozess ist und für mich klingt es auch so, dass dieser Prozess quasi jetzt nicht immer abseits des Kita-Alltags stattfinden muss. Also beispielsweise in Teambesprechungen, in denen das Konzept erstellt wird, sondern tatsächlich auch im Alltag stattfindet, wenn man es jetzt an diesen Beispielen festmacht, wie lange kann denn dann so ein Prozess dauern? Also gefühlt kann der ja dann unendlich sein, wenn es immer wieder Konflikte aufkommen oder neue Diskussionspunkte?
Katrin Böhm: Ich glaube auch, dass das wahrscheinlich nie abgeschlossen ist, weil ja immer wieder auch neue Kollegen mit neuen Haltungen hinzukommen und neue Kinder, die uns vielleicht neue Herausforderungen mit sich bringen. Ob man das jetzt einmal jährlich zum Thema macht, das Schutzkonzept anzuschauen oder ob man sagt, wir wollen jeden zweiten Monat eine Dienstbesprechung dafür nutzen und uns noch mal einen Baustein vielleicht auch tatsächlich mit irgendeiner Methode noch mal gemeinsam ins Gespräch zu gehen, Menschen dadurch in Austausch zu bringen, dass auch gerade wenn man methodisch arbeitet, werden eben auch alle angeregt was zu sagen und es sind nicht nur drei von 25, die sich beteiligen. Also so dass man da, glaube ich, ganz viel Klarheit und Dranbleiben der Leitung braucht, immer wieder das Thema zu versammeln. Das ist da wichtig, sich wirklich klar zu machen, wollen wir alle 8 Wochen dran, wollen wir einmal uns einen Tag nehmen, wie wollen wir das strukturieren, das tatsächlich festzulegen? Das kann man ja auch wieder mit dem Team gemeinsam besprechen, aber man hat praktisch einen Stand, den man immer wieder weiter überarbeiten muss.
Karen Sachse: Gibt's dann noch irgendwelche Vorkommnisse, wann ein Konzept auf jeden Fall überarbeitet werden muss?
Katrin Böhm: Ich denke, ja, das kann durchaus passieren, dass wenn man sieht, an der und der Stelle müssen wir noch mal nachbessern.
Karen Sachse: Ich würde gerne auch bisschen so noch mal in diese Erarbeitung noch weiter reingehen. Klar, Sie haben gesagt, es braucht irgendeine Grundlage, mit der das Team arbeiten kann. Was ist, wenn tatsächlich gar kein Konsens gefunden wird, also wenn es viele Diskussionen um eine bestimmte Grundlage Basis gibt? ja, wie kann man damit umgehen im Team? Je nachdem wahrscheinlich auch je nach Größe des Teams.
Katrin Böhm: Also, so wie ich jetzt bisher die Erfahrung auch gesammelt habe, ist, wenn wir die Kinderrechte als unsere gemeinsame unseren gemeinsamen Konsens nehmen, dann kommen wir immer wieder doch zu einem gemeinsamen Konsens, also zu einer gemeinsamen Grundlage, wo wir sagen und darauf können wir uns jetzt alle einigen, weil letztendlich die UN-Kinderrechtskonvention uns ja den Rahmen gibt. Und darum geht es ja, dann geht's eben wirklich drum, auch parallel zu diesen Gewaltschutzkonzepten auch an einer fehlerfreundlichen Feedbackkultur zu arbeiten, dass wir praktisch eine Grundlage dafür haben, wie kommunizieren wir miteinander, wie gehen wir bei Konflikten und Meinungsverschiedenheiten miteinander um. Und zu dieser Basis auch, dass wir alle beteiligt sind und gemeinsam eine Lösung finden wollen, damit unser Team auch gut funktioniert. Und eben diese professionelle Feedbackkultur ist somit dann auch gelebter Kinderschutz.
Karen Sachse: Klar, und wenn da die Bereitschaft wahrscheinlich nicht da ist von den Fachkräften, dann muss man sich wahrscheinlich um andere Dinge Gedanken machen, ob es denn...
Katrin Böhm: Genau.
Karen Sachse: ...die Person ins Team passt oder...
Katrin Böhm: Ja, oder Supervision notwendig ist, was vielleicht vorher auch mal schief gelaufen ist. Also auch, dass sich dann Träger und Leitung selbstkritisch auch noch mal hinterfragen, was könnten Ursachen sein dafür, dass es in diesem Team eben keine Möglichkeit gibt, sich zu einigen. Und ich glaube, das ist schon wichtig, dieses wertschätzende Feedback, das muss geübt werden. Also diesen Kränkungsmut aufzubringen, wirklich etwas mal zu formulieren und auch die Kränkungstoleranz zu wissen: Wenn mir jetzt hier mal ein Kollege mal was sagt, spricht ja mich nicht in meiner Person und allumfassend an, sondern nur auf dieses Handeln. Und darauf noch mal gemeinsam, also dass da so eine Wertschätzung ist und auch ein Wissen: Es wird jetzt nicht gleich, je nachdem was passiert ist, aber es ist nicht kein mit einer personalrechtlichen Folge zu erwarten, sondern wir können auch davon ausgehen, dass wir gemeinsam uns weiterentwickeln können, gemeinsam reflektieren, wie kam es denn dazu, dass ich in diese Stresssituation gekommen bin, dass ich vielleicht laut geworden bin, was ich nicht soll. Und da eben klar, diese Reflexionsbereitschaft, die ist absolute Basis dafür zu merken, okay, wenn mich jemand hier in irgendeiner Form kritisiert, geht's auch darum noch mal zu gucken, was ist mein Teil und wie können wir da unseren Alltag auch noch mal anders gestalten, wie können wir uns auch gegenseitig helfen? Wenn wir jetzt dieses Beispiel vom Essen vorhin noch mal nehmen möchten, haben wir uns auf ein Signal geeinigt, wo ich meine Kollegin aus der Situation rausziehen kann oder auch das Wissen, ich werde rausgezogen von meinen Kollegen, wenn sie merken, oh, jetzt könnte es gleich schief gehen, mach doch mal eine Pause. Oder ich glaube, du hast ein das Telefon hat plötzlich geklingelt, also dass man weiß, okay, wenn das fällt, dann soll ich nicht erstmal zurückgehen und das ist auch in Ordnung. Das ist für meinen Schutz und wir können danach in Ruhe noch mal sprechen, um das wirklich nicht als Bevormundung oder als Besserwisserei, sondern wirklich als Schutz und als wir wollen ja gemeinsam uns stärken, gut für die Kinder da sein zu können, weil es ist ja ein unheimlich herausfordernder Job. Die ganze Zeit muss man eine Entscheidung treffen und hat unheimlich viel, was man bedenken muss. Das ist nicht einfach und wir haben aber diese gemeinsame Grundlage, die wir mit Kindern arbeiten wollen. Also im besten Fall hilft dann auch so diese Perspektive: Ja, der Kinderschutz, der schützt quasi uns Fachkräfte und uns in der Zusammenarbeit auch.
Karen Sachse: Ja, schützt alle im System quasi.
Katrin Böhm: Ja, genau. Der Kinderschutz soll das System schützen, weil wir gehen mal davon aus, dass die aller-, aller-, allermeisten Fachkräfte angetreten sind für diesen Beruf, um gut für Kinder da zu sein und Kinder gut begleiten zu wollen. Und dass es manchmal Rahmenbedingungen und Situationen gibt, wo das vielleicht nicht so gelingt und dass wir da uns gegenseitig brauchen und gemeinsam wieder Ideen zu entwickeln, wie kann es denn besser gehen?
Karen Sachse: Mm. Ist eine schöne Perspektive.
Katrin Böhm: Ja, es ist auch wie so ein Seiltänzer, der praktisch auf dem Seil balanciert. Der würde das nie machen ohne Netz im Zirkus und das praktisch das Team das Netz ist und der einzelne Kollege die einzelne Kollegin als Seiltänzer oben auf dem Seil steht, weil es einfach immer wieder, ja, es ist eine wirklich herausfordernde und wichtige Tätigkeit und dann brauchen wir doch unser Team als Auffangnetz. Und das glaube ich kann funktionieren, wenn man eben gemeinsam so ein Schutzkonzept erarbeitet oder dass dann auch neue Kollegen immer wieder gut mitnimmt, wenn neue Kolleginnen im Team starten, zu sagen, Mensch, wir stellen das mal vor, das haben wir erarbeitet, wie ist deine Erfahrung dazu? Wie nimmst du das wahr? Also da auch noch da wieder eine so eine Willkommenskultur mit den neuen Kolleginnen dazu ins Gespräch zu kommen, auch und Kinderschutzkonzept sollte eigentlich immer präsent sein.
Karen Sachse: Sie als Fachberatung haben ja dann wahrscheinlich auch bei der Erstellung geholfen, teilweise. Gibt's irgendeine Methode, die Sie besonders gerne einsetzen oder mit Thema, was Sie besonders gerne bearbeiten […]
Katrin Böhm: Kann ich gar nicht so ganz genau für mich fassen, weil ich tatsächlich jeden Themenbereich wichtig finde und mir war es wichtig in diesem Buch auch die Vielfalt aufzumachen, also dass man immer wieder unterschiedliche Bereiche unterschiedlich bearbeiten kann. Eben, das ist auch nicht so nach dem Motto, okay, hier Partizipation haben wir jetzt schon einmal bearbeitet, was machen wir dann? Jetzt muss ich mir was Neues einfallen lassen, sondern wirklich auch da diesen Blumenstrauß aufzumachen. Wie viel unterschiedliche Zugangswege gibt es denn über die Biographiearbeit, über vielleicht auch mal eine Checkliste, was haben wir denn schon, was haben wir noch nicht? Gerade diese Checklisten habe ich auch erlebt als total hilfreich, wenn man dann erstmal diese Checkliste ausfüllt, um zu merken, ich muss überall hinschreiben, ist noch nicht, haben wir noch nicht, ist vielleicht in Bearbeitung, um dann aber ein Jahr später diese Checkliste mal daneben noch mal auszufüllen, vielleicht mit einer anderen Farbe und zu sehen, hey, wie viel Kreuze […] haben wir schon oder ist jetzt in Bearbeitung setzen? Also auch da diesen Prozess und den Erfolg zu sehen, Mensch, ich komme doch voran, auch wenn es ein langer Prozess ist und dass wir miteinander in den Austausch kommen und dass auch alle Bereiche besprochen werden. Also nicht nur jetzt vielleicht finden wir Partizipation spannend und dann machen wir ganz viel. Sexualpädagogik finden wir alle so ein bisschen ach, ich weiß jetzt auch nicht, was ich dazu sagen soll, so und besprechen es dann nicht. Das wäre ja auch eine große Gefahr, also dass man eher so guckt, gibt's auch Tabuthemen, wo man sich vielleicht nicht so rantraut und die dann auch gut mit im Blick nimmt, weil jede Gruppe immer wieder individuell ist, muss man immer wieder neu schauen, was passt denn jetzt und welches Thema liegt denn oben auch? Oder wie Sie vorhin gesagt haben, gibt's vielleicht auch Punkte, wo man merkt, oh, da müssen wir noch mal genauer hinschauen. Das haben wir bei der ersten gar nicht so als wichtigen Punkt ausformuliert. Jetzt merken wir, wir stolpern im Alltag darüber, und ich glaube, das ist immer, immer das Wichtigste zu merken, wo stolpern wir und wie können wir diese Stolpersteine aus dem Weg räumen?
Karen Sachse: Das ist wahrscheinlich auch eine gute Herangehensweise, wenn es auch um Tabuthemen geht, wie Sie gerade angesprochen haben, dass man einfach schaut, okay, vielleicht wollen wir eigentlich nicht drüber sprechen, aber...
Katrin Böhm: Jeder bringt doch irgendwas mit. , und vielleicht ist es an der Stelle unsere eigene Biografie, die uns hindert, weil wir gelernt haben, darüber spricht man nicht. Und dann eben und das ist glaube ich immer wieder das Wichtige, dass wir merken, wir sollten nicht, wir sollten als pädagogische Fachkräfte nicht biografisch handeln, sondern auch auf Grundlage unseres pädagogischen Fachwissens und des entwicklungspsychologischen Fachwissens. Und da eben uns gegenseitig auch liebevoll im Blick zu halten, wann werden wir doch biografisch und das ist dann das, wo dann vielleicht auch Fehler passieren.
Karen Sachse: Biographiearbeit haben Sie jetzt schon öfter. Deswegen nimmt das ja auch einen so wichtigen Teil ein eben gerade aus diesen Gründen, nehme ich an. Also, weil es wichtig ist, dass man voneinander weiß, was man eventuell für Werte oder Erfahrungen gemacht hat im privaten, aber natürlich auch im beruflichen Bereich?
Katrin Böhm: Ja, dass man auch, wenn man jetzt an die Feedbackkultur denkt, wenn man vielleicht aus einer Einrichtung kommt, wo man wo das nicht gelebt wurde, wo es nicht ein Auffangnetz, das Team als Auffangnetz, wahrgenommen wurde, ist das ja was, was man vielleicht wieder neu lernen muss, auch Vertrauen zu fassen.
Karen Sachse: Also die Erarbeitung des Schutzkonzeptes kann quasi dann, also ich höre das total raus, einfach zur Teamkultur beitragen ? […].
Katrin Böhm: Ja. Ja, ich glaube, es ist ganz wichtiges, weil man ja dann wirklich mit den Kindern und miteinander, also man kann ja auch nicht nur gewaltfrei mit den Kindern sein, aber im Kollegium die Stimmung schlecht, das funktioniert nicht, das überträgt sich ja. Also eigentlich dadurch, dass man gemeinsam so ein Schutzkonzept erarbeitet, eine gute Teamkultur, eine Feedbackkultur hat, kann man dann überhaupt nur das Schutzkonzept auch leben am Schluss.
Karen Sachse: Schön, jetzt haben wir ganz viel gesprochen. Ich habe das Gefühl, bei mir haben sich so alle Fragen beantwortet und vor allem habe ich jetzt ein sehr positiven, also nicht, dass mein Blick vorher negativ war, aber noch positiver drauf. Ich fand es sehr schön, wie Sie das alles erläutert haben. Haben Sie noch irgendwelche Anmerkungen? Haben wir irgendwas nicht lang genug, konkret genug gesprochen?
Katrin Böhm: Glaube fast nicht. Ich glaube, wir waren relativ gut. Was ich wirklich denke, was wichtig ist, dass wir in diesem schweren Thema Kinderschutz, Gewaltschutz eine Leichtigkeit gibt und miteinander, die durch diesen Austausch, durch die gemeinsame, die wie gesagt, wenn sie moderiert ist, aber immer wieder auch zu einem Ende kommt und es immer wieder ein, das ist der Stand von diesem Jahr und wir schauen uns das nächstes Jahr noch mal an oder wir schauen uns das fortwerdend immer wieder an. Und ich glaube, wenn wir da diese Leichtigkeit und die Freude in das Thema reinbekommen, dass wir dann ganz viel geschafft haben.
Karen Sachse: Ja, danke Ihnen für die Zeit […] und tschüss.
Outro: Einschalten, neugierig werden, verstehen. Unser Hörerlebnis Bonustrack von Kindergarten heute schenkt Ihnen unerwartete Einblicke. Exklusiv und kostenlos.