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kindergarten heute Bonustrack: Unsere Perspektive zählt
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Intro: Der Kindergarten heute Bonustrack – Fachmagazin.
Der Kinderperspektivenatz - Pädagogik und Qualitätsentwicklung vom Kind aus. Ein Beitrag von Iris Nentwig-Gesemann.
Es gehört zu den Grundrechten von Kindern, in allen sie betreffenden Angelegenheiten und in einer für sie verständlichen Art und Weise informiert zu werden, nicht nur gefragt, sondern auch gehört zu werden und sich an der Gestaltung und Weiterentwicklung ihrer Lebens- und Lernorte beteiligen zu können. Die Frage, ob dies auch für Kita-Kinder gilt, stellt sich nicht, denn in Artikel 12 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen1 wird mit dem „Respekt für die Sicht des Kindes“2 ein allgemeines Kinderrecht formuliert. Somit geht es ausschließlich darum, zu klären, wie die Erfahrungen, Perspektiven und Anliegen von Kindern im Rahmen von Qualitätsentwicklungsprozessen berücksichtigt werden können.
Wenn Kindern das Recht auf Gehör und Beteiligung zusteht, dann gehört es zu den Aufgaben einer „Pädagogik vom Kind aus“3 , mit Kindern über ihre Erfahrungen und Sichtweisen ins Gespräch zu kommen: Was ist Kindern wichtig, was mögen sie und was mögen sie nicht, was wünschen sie sich anders? Was trägt zu ihrem Wohlbefinden bei, was bereitet ihnen Kummer, was macht sie glücklich? Was stärkt sie als Individuen und als Teil einer Gemeinschaft? Was eröffnet ihnen Raum für Prozesse der Selbst- und Welterkundung? Was und wen loben die Kinder und über was und wen beschweren sie sich? Welche Veränderungsvorschläge haben sie?
Das Recht von Kindern auf Gehör impliziert somit zum einen die Pflicht der Erwachsenen, ihnen aufmerksam zuzuhören, sich Mühe zu geben, ihre Themen, Interessen und Anliegen zu verstehen, sie nicht abzutun, wenn sie zunächst „sinnlos“, unverständlich oder störend erscheinen. Zum anderen können die Rechte der Kinder nur gewährleistet werden, wenn Erwachsene sich Zeit nehmen, ihnen aufmerksam zuhören, mit ihnen diskutieren, Begründungen abwägen und Kompromisse aushandeln. Wenn es um Kinderrechte geht, geht es auch um eine dialogisch-partizipative, respektvolle Kultur des Miteinanders von Kindern und Erwachsenen.
Die Kinderperspektivenstudien zeigen, dass Kinder ausgesprochen kompetente und auskunftsfreudige, engagierte Akteur:innen sind, wenn sie in die Erforschung und Entwicklung von Kita-Qualität einbezogen werden.4 Kinder nehmen das Angebot, ihre Erfahrungen und Qualitätsvorstellungen sprachlich zum Ausdruck zu bringen, handlungspraktisch zu zeigen, zu malen und zu fotografieren, was zu ihrem Wohlbefinden beiträgt, gern in Anspruch.5 Je vielfältiger das ihnen zur Verfügung gestellte methodische Repertoire, desto inklusiver kann mit Kindern geforscht und Qualität entwickelt werden.6 Die Ergebnisse der Kinderperspektivenstudien lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1. Kinder wünschen sich gute Freund:innen und in ihrem Sinne kindgerechte Orte zum Aktivsein, Explorieren und Spielen: zum Beispiel Orte für originelle, herausfordernde, auch ein wenig „riskante“ Bewegungsaktivitäten; sich mit den Jahreszeiten wandelnde, weitläufige und zur Erkundung anregende naturnahe Räume; Räume, die sie gestalten, umräumen und „umleben“ können, „geheime“ Orte, die ihnen auch im Kontext der Institution Kindergarten Rückzug und unbeobachtetes Unter-sich-Sein ermöglichen.
Beispiel 1 aus der Forschungspraxis: Die teilnehmend beobachtete Lieblingsbeschäftigung der Kinder einer Waldgruppe ist „Stöcker aufräumen“: Sie transportieren im Wald verhältnismäßig große und sperrige Äste einen steilen Hang hinauf. Oben angekommen, stemmen sie die Äste hoch und werfen sie mit großem Kraftaufwand nacheinander auf der anderen Seite des Hanges hinab.
2. Kinder schätzen freundliche, humorvolle, ihnen emotional positiv zugewandte und verlässliche Bezugspersonen, die ihnen interessante Weltzugänge, unterschiedlichste Lerngelegenheiten, sinnesanregende Umgebungen und viel Zeit zum Spielen zur Verfügung stellen und sie in ihren Bildungsprozessen wertschätzend begleiten.
Beispiel 2 aus der Forschungspraxis: Zwei Kinder beschweren sich während einer Gruppendiskussion über Fachkräfte einer früher von ihnen besuchten Kita, die immer „streng“ gewesen seien und bei jeder Kleinigkeit mit ihnen „geschimpft“ hätten.
3. Kinder wollen sich in der Kita als individuelle und besondere Persönlichkeiten wertgeschätzt fühlen und sichtbar sein. Zugleich schätzen sie es, an gemeinschaftlichen Ritualen teilzuhaben und sich in die soziale Gemeinschaft sicher eingebunden zu fühlen. Verantwortung für die Gestaltung des Lebensortes Kindergarten zu übernehmen, den Ort zu ihrem Ort machen zu können, an dem sie sich gut auskennen und den sie nach ihren Vorstellungen mitgestalten können, erfüllt sie mit Stolz und Vertrauen in ihre Wirksamkeit. Kinder verlangen nach Aufgaben und Herausforderungen, für die sie sich anstrengen, aber die sie auch erfolgreich bewältigen können, sodass sie sich als kompetent und selbstwirksam erleben können.
Beispiel 3 aus der Forschungspraxis: Ein Kind zeigt den Forscher:innen eine vor der Küche angebrachte Tafel, auf der das Gericht des Tages, bezeichnet als „Kinderwunschgericht“, angekündigt wird. Das Kinderwunschgericht wird der Köchin vorgeschlagen, mit ihr zusammen geplant und wenn möglich auch vorbereitet. Die Kinder sind stolz auf diese Möglichkeit der Mitbestimmung und Verantwortungsübernahme.
4. Wenn Kinder erfahren, dass ihr Recht auf Selbst- und Mitbestimmung nicht anerkannt wird, wenn sie nicht mitüberlegen und mitentscheiden können, wie die Kita ein guter Ort für sie ist, fühlen sie sich mit ihren Ideen, Vorschlägen und Ressourcen nicht be- und geachtet. Die Erfahrung, als Kind gehört zu werden, nicht „machtlos“ zu sein, sondern gestalten zu können und sich dabei am Wohl der Gemeinschaft zu orientieren, ist eine grundlegende Demokratieerfahrung.
Beispiel 4 aus der Forschungspraxis: Während der Erhebung zum „Ganz verrückten schönen Tag“ schlagen zwei Mädchen vor, an diesem Tag keinen Mittagsschlaf machen zu müssen. Zudem möchten sie nicht auf den Nachtisch warten müssen.
Outro: Einschalten, neugierig werden, verstehen. Unser Hörerlebnis Bonustrack von kindergarten heute schenkt Ihnen unerwartete Einblicke. Exklusiv und kostenlos.