Wort-Gottes-Feier am 14. Sonntag im Jahreskreis

1 Alle Eingangslied: GL 148

2 Gl Liturgischer Gruß

Wir sind zusammengekommen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.– Alle: Amen.

Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.– Alle: Der Himmel und Erde erschaffen hat.

3 Gl Einführung

Jesus schickt seine Jünger aus wie »Schafe unter die Wölfe«. Er verkehrt damit das den Israeliten vertraute Bild, dass sich wenige Wölfe normalerweise einer zahlreichen Schafherde nähern, um sich dort ihre Beute zu holen. Dabei arbeitet ein kleines Wolfsrudel zusammen, reißt ein ausgewähltes Schaf und frisst es.

Die Jünger hingegen, die Jesus mit Schafen vergleicht, sollen– völlig wehrlos und nur zu zweit– mitten unter die Wölfe gehen. Dabei wünschen sie ihren Feinden zuallererst den Frieden, heilen außerdem die Kranken und treiben Dämonen aus.

Die Verwirklichung des Reiches Gottes fordert von uns ein neues Denken, ein Denken von Gott her. Es fordert von uns, Gott zu vertrauen, wenn wir sein Reich durch Wort und Tat verkünden. Wer so lebt, vollbringt Großes im Namen Jesu!

4 Gl Kyrie

Herr Jesus Christus, du bist der Gute Hirte.
Herr, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du sorgst für deine Herde.
Christus, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du gibst dein Leben für uns hin.
Herr, erbarme dich.

5 Gl Eröffnungsgebet

Barmherziger Gott, durch die Erniedrigung deines Sohnes hast du die gefallene Menschheit wieder aufgerichtet und aus der Knechtschaft der Sünde befreit. Erfülle uns mit Freude über die Erlösung und führe uns zur ewigen Seligkeit. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

6 Lek Erste Lesung: Jes 66,10–14c

7 Kan Psalm: GL Kv: 340 / Ps 66,1–3.4–5.6–7.16 u. 20 (R:1)

8 Lek Zweite Lesung: Gal 6,14–18

9 Kan Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi.

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.

Halleluja.

10 Gl Evangelium: Lk 10,1–12.17–20

11 Gl Auslegung

Liebe Gemeinde, das heutige Evangelium hält eine wichtige Lektion in Sachen Gelassenheit für uns bereit. Gleich zweimal geht Jesus auf das Thema ein. Ich möchte Ihnen die beiden Stellen noch einmal vorlesen: »Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.« Und später hören wir: »Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!

Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.«

In beiden Fällen geht es um die Frage: Was tun wir, wenn andere unser Hilfsangebot ablehnen? Wenn sie kein Interesse am Heil haben oder Ihnen schlicht unterstellen, dass gerade Sie ihnen gewiss nicht zum Heil verhelfen können. Ich denke, jede und jeder hier kennt dieses Gefühl der Zurückweisung. Wer Kinder großgezogen hat, muss es eine Zeitlang während der Pubertät Tag für Tag ertragen und kann sich nur damit trösten, dass es in diesem Fall immerhin einem größeren Plan entspricht. Dennoch könnte man wahnsinnig werden, wenn man ganz genau weiß, dass man recht hat– und dann doch zusehen muss, wie das geliebte Kind, das kein Kind mehr ist, aus lauter Trotz auf die Nase fällt. Oder noch schlimmer: wie es sich trotzig seinen eigenen Weg erkämpft und am Ende sogar noch erfolgreich damit ist … »Siehste, du hast nämlich gar keine Ahnung!!!« Dann steht man da als liebende Mutter, als liebender Vater und muss lernen, loszulassen.

Genau darum geht es auch Jesus. Denn er weiß, dass nicht überall und immer eine Offenheit da ist für das heilende Wort Gottes. Warum auch immer, das kann viele Gründe haben. Aber Jesus bereitet seine Jüngerinnen und Jünger darauf vor und gibt ihnen mit auf den Weg: Bleibt von Anfang an gelassen. Vertraut hier ganz auf das Wirken des Geistes. Dort, wo eine Offenheit da ist, wird er wirken. Wo sich jemand verschließt, wird sich der Geist zurückziehen. Ein schönes Bild eigentlich: Wünscht als Erstes Friede diesem Haus– und wenn dort Menschen des Friedens wohnen, wird er bei ihnen bleiben. Wenn nicht, kehrt er zu euch zurück. Da versteckt sich noch eine ganz wichtige Botschaft: Der Friede, der nicht angenommen wird, der kehrt zu uns zurück– das heißt: Wenn wir mit dieser Gelassenheit unsere Hilfe anbieten oder das Wort Gottes verkünden, dann bleibt es in unserem Herzen in jedem Fall friedlich, egal, ob wir weggejagt werden oder mit offenen Armen empfangen.

Dieser Friede im Herzen ist wesentlich! Der macht uns am Ende erst wirklich glaubwürdig. Und an der Stelle möchte ich Sie zu einer kleinen Gewissenserforschung einladen. Gehen Sie in Gedanken die letzte Zeit durch, die letzten Tage oder Wochen, vielleicht fällt Ihnen auch etwas ein, das noch länger her ist. Wann sind Sie in eine solche Situation geraten? Sie haben es gut gemeint, Sie haben jemandem Hilfe angeboten, Sie wollten jemanden von etwas überzeugen, um ihn oder sie auf einen besseren Weg zu bringen … Vielleicht eine Diskussion mit der besten Freundin, dem besten Freund, der gerade in einer Krise steckt und einfach nicht auf meine guten Ratschläge hört, sondern sich immer mehr reinsteigert. Vielleicht auch tatsächlich das pubertierende Kind. Oder eine Diskussion um impfen oder nicht impfen … Es gibt tausende solcher Situationen, wo wir in ein Dorf kommen, in dem man uns nicht aufnehmen will. Schauen Sie auf Ihr eigenes Leben. Welche Situationen fallen Ihnen ein? Und dann schauen Sie ganz ehrlich darauf, wie es in Ihnen aussah, als Sie die Zurückweisung erfahren haben. Welche Gefühle waren da? Waren Sie wütend, enttäuscht, verzweifelt, verärgert … oder konnten Sie den Frieden wieder in Ihr Herz lassen, der keinen Anklang beim anderen fand?

(Kurze Zeit der Stille)

Ich denke, nicht von ungefähr nimmt Jesus das Thema zweimal auf. Beim ersten Mal zeigt er uns auf, wie es idealerweise läuft. Wir bleiben gelassen, wir nehmen den Frieden wieder mit. Im zweiten Beispiel fällt uns das nicht mehr ganz so leicht. Man will uns nicht haben, wir werden zurückgewiesen, vielleicht sogar verjagt. Das kränkt, da können wir uns noch so sehr um Gelassenheit bemühen. Und hier bringt Jesus dieses wunderbare Bild, das mir persönlich schon oft geholfen hat: Wir schütteln den Staub von unseren Füßen und lassen ihn dort zurück. Wer je einen Hund hatte, kennt das: Hunde schütteln sich nicht nur, wenn sie nass sind oder lange gelegen haben und sich erstmal wieder etwas zurechtruckeln müssen. Sie schütteln sich auch, wenn sie eine stressige Situation überstanden haben. So, als würden sie diesen Stress, der ja immer auch körperlich ist, einfach abschütteln. Danach geht es fröhlich weiter. Dieses Abschütteln ist ein hilfreiches Bild, das ich Ihnen gerne mit in diese Woche geben möchte. Wo immer Sie merken, dass Sie gekränkt sind, dass Sie zurückgewiesen werden, wo immer Sie enttäuscht sind oder auch verärgert, weil Sie sich nicht ernst genommen oder nicht gesehen fühlen: Erinnern Sie sich an die Worte Jesu, schütteln Sie den Staub der Kränkung, den Staub der Verärgerung, den Staub der Enttäuschung ab und lassen Sie ihn dort, wo er verursacht wurde. Lassen Sie diesen Staub zurück und nehmen Sie den Frieden in Ihrem Herzen mit, wenn Sie sich abwenden und weitergehen. Und das sollten Sie tun. Nicht festbeißen. Loslassen. Manchmal kann es dann sogar passieren, dass der andere genau durch dieses friedvolle Weiterziehen doch noch berührt wird. Wenn nicht– auch gut.

Lernen Sie das Abschütteln. Und wenn keiner hinguckt und Sie der Typ dafür sind: Schütteln Sie sich ruhig auch mal in echt. Machen Sie es wie die Hunde und schütteln Sie die dummen Gefühle ab. Manchmal hilft das. Amen.

12 Alle Predigtlied: GL 424,1.2.5 »Wer nur den lieben Gott lässt walten«

13 Alle Glaubensbekenntnis: GL 3,4

Gl Wir sprechen gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis.

14 Gl Friedenszeichen

Herr, erfülle unsere Herzen mit deinem Frieden, unsere Gedanken mit deiner Gerechtigkeit und unsere Seelen mit Liebe zu dir und zueinander. Schenke unserer Gemeinde Freundschaft und Einigkeit, Eintracht und Achtung voreinander. So werden wir einander aufrichtig den Frieden schenken und voneinander empfangen.

Geben wir einander ein Zeichen dieses Friedens.

15 Gl Kollekte

Frieden ermöglichen heißt auch: Miteinander teilen … (Ansage des Kollektenzwecks).

16 Alle Lobpreis: GL 670H

17 Fürbitten

Gl Bringen wir unsere Bitten gemeinsam vor Gott:

Lek für die Bischöfe und Priester, die dein Reich verkünden. Hilf ihnen, auf dein Wort zu vertrauen.

für die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik, ermutige sie, sich konsequent für das Wohl aller einzusetzen.

für alle, die sich nach einem Wort der Heilung und Befreiung sehnen und die sich Frieden wünschen.

für unsere Gemeinde, erfülle sie immer wieder neu mit deinem Heiligen Geist, damit sie ein Abbild deines Reiches wird.

Gl Gott, wir stimmen ein in den Lobpreis aller Völker und rufen zu dir:

18 Gl Vaterunser

19 Alle Danklied: GL 382 »Ein Danklied sei dem Herrn«

20 Lek Schlussmeditation

Der kleine Wolf sollte heute das erste Mal mit auf die Jagd gehen. Voll Bewunderung hatte er auf die erfahrenen Wölfe geschaut, die gemeinsam jagten. Er wusste sehr wohl, dass sie das Schaf nur reißen würden, wenn sie zusammenarbeiten und jeder einzelne Wolf seine Aufgabe erfüllt. Nur so würde der hungrige Bauch gefüllt werden.

Doch bevor die Wölfe auf ihren Jagdzug aufbrachen, kamen zwei Schafe. Sie gingen mitten in das Rudel hinein. Das ältere Schaf sagte zu den erstaunten Wölfen: »Wir wünschen euch Frieden.« Der außerordentliche Mut der Schafe verblüffte die hungrigen Wölfe dermaßen, dass sie vergaßen, dass die Beute von ganz allein und wehrlos zu ihnen gekommen war.

Der kleine Wolf sah das erste Mal lebende Schafe. Sie waren weich und warm und ganz offensichtlich friedliebend. Die Schafe gefielen dem kleinen Wolf.

»Wir können euer Friedensangebot nicht akzeptieren«, sage der älteste Wolf, »wir würden verhungern!« »Nein, wir werden dafür sorgen, dass ihr keinen Hunger leidet«, erwiderte das jüngere Schaf und ging.

Das ältere Schaf blieb und gab sein Leben hin, damit Wölfe und Schafe in Frieden leben konnten. Der kleine Wolf musste nie auf die Jagd gehen. Er freundete sich vielmehr mit den Schafen an und lernte von ihnen viel über Mut und Gemeinschaft.

Helga Jütten

21 Gl Segensbitte

So wollen wir den Herrn um seinen Segen bitten:

Der Gott des Friedens führe uns zur Vollendung, Er bewahre unseren Geist, unsere Seele und unseren Leib unversehrt bis zur Wiederkunft Christi.

Alle: Amen.

Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit.

Alle: Amen.

22 Entlassung

Gl Singet Lob und Preis.

Alle Dank sei Gott, dem Herrn.

Helga Jütten / Martina Jung (Predigt)

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