Haus aus lebendigen Steinen – Geistlicher Rundgang durch die Kirche – Für alle

Hinführung 

Bei diesem Rundgang durch die Kirche geht es nicht um eine Kirchenführung, sondern um Anregungen für die Gottesdienstbesuchenden, mithilfe des Kirchengebäudes ihren Glauben und ihren Bezug zur Gemeinde zu reflektieren. Das Kirchweihfest ist dazu ein möglicher Anlass, andere Gelegenheiten sind vielleicht ein Pfarrfest, ein Einkehrtag, ein Gemeindetag, eine Pfarrgemeinderats-Klausur. Nach dem Impuls zu den einzelnen Stationen, die der konkreten Situation angepasst werden müssen, kann zu Austausch und zu einem Gebet angeregt werden.

Eingang 

Mose sagte: »Ich will mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt der Dornbusch nicht?« Als der HERR sah, dass Mose näherkam, rief er ihm mitten aus dem Dornbusch zu: »Mose, Mose! Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du bist, ist heiliger Boden.« (vgl. Ex 3,2–6)

Boden 

Mit heutigen Worten würden wir die Stelle, an der Gott sich dem Mose zu erkennen gibt, als mystischen Ort oder als Kraftort bezeichnen. Eine Kirche ist ein solcher Ort. Wir betreten sie, weil sie eine besondere Atmosphäre hat, weil wir dort Kraft schöpfen können, weil wir einen Ausruhplatz suchen, einen Raum, in dem wir Alltagsgedanken – so können wir das Ablegen der Schuhe verstehen – einmal zur Seite legen und uns neu ausrichten können.

Wir beten für alle Menschen, die hier auftanken möchten.

Kirchenraum 

Der Tempel Gottes ist heilig, das seid ihr! (1Kor 3,17)

Die ersten Christen versammelten sich in ihren Wohnungen zum Gottesdienst. Als die Gemeinden größer wurden, brauchten sie größere Räume. Im Unterschied zu den Tempeln anderer Religionen wurden sie von Anfang an als Versammlungsraum der Gemeinde verstanden und weniger als Wohnung Gottes. Dieser Gedanke war zwar da, doch war damit weniger das Gebäude, sondern mehr der Einzelne gemeint, der als Christ ein Leben der Nachfolge Jesu begonnen hat. In ihm wohnt Jesus; er setzt durch sein Leben die Worte Jesu in die Tat um und führt somit Jesu Wirken weiter.

Wir beten für unsere Gemeinde.

Taufbecken/Weihwasserbecken 

Ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich, denn ihr alle seid einer in Christus. (Gal 3,27–28)

Was ist für Sie die Taufe? Familienfest? Akt der Sündenvergebung? Aufnahmefeier in die Gemeinschaft der Kirche? Sagen wir es einmal so: der Beginn unseres Lebens in der Gemeinschaft mit Gott! Jeder, der in der frühen Kirche um die Taufe gebeten hat, wollte sein Leben bewusst als Nachfolger Christi führen. Später ist der Gedanke der Vergebung der Erbschuld und der Sündenvergebung in den Vordergrund getreten. Heute wird die Taufe als Aufnahme in die Kirche herausgestellt und damit wieder die ursprüngliche Position aufgegriffen. Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die das Reich Gottes verwirklichen. Dies ist das gemeinsame Ziel, das jeder auf seine Weise verwirklicht. Geschlecht, Standesunterschiede, Nationalitäten und andere Verschiedenheiten sind nebensächlich.

Wir beten für alle Getauften.

Bankreihen-Sitzplätze 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. (Lk 10,39b)

Die Bankreihen unterstreichen die Gemeinsamkeit derer, die sich in der Kirche versammeln: Sie sind die Gemeinde des Herrn und alle gekommen, um sein Wort zu hören und Gott als ihren Herrn zu feiern. Daher sind die Bänke auch auf Altar und Ambo ausgerichtet. Wenn ich in der Reihe mit anderen sitze oder stehe, zeigt das, dass ich nicht alleine bin, sondern einer von vielen, die alle dasselbe Anliegen haben und verfolgen: sich von Jesu Wort ansprechen und leiten zu lassen.

Wir beten für unsere Banknachbarn.

Altar 

Deinen Altar, HERR, will ich umschreiten, um laut das Lob zu verkünden und all deine Wunder zu erzählen. (Ps 26)

Der Altar ist das Zentrum der Kirche. Waren in den anderen Kulten und auch im Alten Bund die Altäre der Platz, um Opfer darzubringen, wurde der Altar im Neuen Bund verstanden als Tisch, um den sich die Gemeinde Jesu versammelt. Das Wunder, das sie erzählen kann und soll, ist das der Menschwerdung Gottes in Jesus. Ist es nicht ein wunderbarer Gott, der unermüdlich für die Menschen da ist, der Mensch wird, um sie zu verstehen, der sich für sie hingibt, weil sie aus eigenem Vermögen ihre verfahrene Situation nicht ändern können? Der ihnen durch sein Brot Kraft zu einem erneuerten Leben gibt?

Wir beten für alle Gottesdienstbesuchenden.

Sitz für den Priester (Vorsteher) 

Ich erhebe meine Augen zu dir, der du thronst im Himmel. (Ps 123)

Der Priester (Vorsteher) leitet einen Gottesdienst und spricht dabei Gebete im Namen aller; das Erheben der Augen und auch der Hände ist dabei eine Gebetshaltung. Das Erheben der Augen bedeutet aufblicken, sich orientieren, Ausschau halten. Das Erheben der Hände steht sowohl für ein Bittgebet als auch für die Offenheit für Gott: »Mein Bittgebet sei ein Räucheropfer vor deinem Angesicht, ein Abendopfer das Erheben meiner Hände.« (Ps 141) Das Gebet ist Beziehungspflege, Gespräch mit Gott, in dem alles Platz hat, was uns bewegt – als Einzelperson und als Gemeinde.

Wir beten für die Priester und alle, die Gottesdienste vorbereiten und leiten.

Kreuz 

Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

Das Symbol für den christlichen Glauben ist das Kreuz. Es ist einerseits der Ort des Todes Jesu, andererseits auch der, an dem seine Königsmacht beginnt. Insofern ist es ein Zeichen dafür, dass Gott auf krummen Linien gerade schreibt, denn ausgerechnet ein gefürchtetes Hinrichtungsinstrument wird zum Zeichen von Heil und Leben. Verstehen wir es doch als Zeichen der Solidarität Gottes mit allen, die festgenagelt sind durch Leid, Vorurteile, Ängste und allem, was Menschen aushalten müssen! Gott lässt durch das Kreuz ausrichten: Du bist mit deinen bohrenden Fragen, mit deinen unlösbaren Problemen, mit deinem Verzweifeln nicht allein. In Jesus bin ich da, leide mit dir und suche mit dir nach Antwort. Das Kreuz wird so zum Zeichen von Miteinander und Füreinander.

Wir beten für alle, die sich allein gelassen fühlen.

Ambo 

Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Weisheit. (1Kor 1,23)

Der Ambo ist der Ort der Verkündigung. Von ihm aus wird die Botschaft der Bibel und mit ihr das Evangelium vorgetragen und ausgelegt. Die Bibel ist Gottes Wort in Menschenwort, das es gilt ins gegenwärtige Leben zu übertragen. Dies ist keine leichte Aufgabe – sowohl für den, der Gottes Wort ins Heute spricht, als auch für den, der hört und aus dem, was er hört, ableiten soll, was auf ihn zutrifft. Da stellt sich die Fragen: Welche Lehren haben meinen Glauben geprägt? Von wem lasse ich mir etwas sagen? Auf wen höre ich?

Wir beten für alle, die predigen.

Tabernakel 

Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (1Kor 11,26)

Das Wort Tabernakel stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Haus, Zelt. Zelt erinnert an das Bundeszelt der Wüstenwanderung Israels, dem Zeichen der Anwesenheit Gottes unter seinem Volk. Er hat in seiner Mitte sein Zelt aufgeschlagen. – In der Nähe des Tabernakels brennt das Ewige Licht. Es zeigt an, dass Jesus im eucharistischen Brot da ist, und lädt ein, bei ihm zu verweilen. Das Licht zeigt uns den Weg zu Jesus, der das Licht in unserem Leben ist, und erinnert uns an das Ziel unseres Lebens.

Wir beten für alle, die Halt und Orientierung suchen.

Kreuzwegstationen 

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Jesus nachfolgen bedeutet, das ganze Leben im Blick auf ihn zu gestalten. Zu den schwierigsten Dingen des Lebens gehört zweifellos, Leiden und Leid anzunehmen und auszuhalten – gleich, um welche Art von Leiden es sich handelt. Jesus ist dieser Herausforderung nicht ausgewichen, sondern hat sich ihr gestellt. An ihn können wir uns halten. Sein Leidensweg hat gezeigt, dass jede Finsternis einmal ein Ende hat, denn er endet nicht mit dem Grab, sondern mit dem Osterlicht. Dort, wo Jesus ist, werden auch wir sein.

Wir beten für alle, die schwer an Leid tragen.

Muttergottes-Darstellung 

Was er euch sagt, das tut (Joh 2,5)

Darstellungen der Gottesmutter Maria gibt es viele. Sie zeigen unterschiedliche Begebenheiten ihres Lebens, aber auch unterschiedliche Funktionen, die ihr im Laufe von Jahrhunderten zugewachsen sind: die Himmelskönigin, die Mutter, die Schützerin, die Fürsprecherin usw. Welche auch immer wir am meisten schätzen: Maria ist zu der geworden, die sie ist, weil sie Gott ihr ganzes Vertrauen geschenkt hat. Aus diesem Vertrauen sagt sie auch uns: Was er euch sagt, das tut. Es ist gut für euch.

Wir beten für alle, denen viel Vertrauen geschenkt wird.

Darstellungen der Heiligen 

Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein, denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil ich heilig bin. (1Petr 1,15)

In einer Kirche sehen wir neben Darstellungen der Gottesmutter auch die von weiteren Heiligen. Heilige sind Menschen, die konsequent den Weg der Nachfolge Christi gegangen sind und die deshalb verehrt und von der Kirche als Vorbilder betrachtet werden. Dazu müssen wir bedenken, dass die Wege der Nachfolge für den oder die Einzelne unterschiedlich sind und dass alle, die wir als Heilige verehren, auch Kinder ihrer Zeit waren, in der manches gegolten hat, das wir heute anders sehen und vielleicht auch nicht verstehen. Die Heiligen sind für uns aber eine ständige Erinnerung und Aufforderung, unseren Weg der Nachfolge zu suchen und zu gehen, und zeigen, dass dies auch möglich ist.

Wir beten um die Gabe, unseren Weg der Nachfolge Jesu zu erkennen und zu gehen.

Kerzen/Opferlichter 

Das Licht leuchtet in der Finsternis. (Joh 1,5)

Kerzen sind vielseitig. Sie gehören zu einem schön gedeckten Tisch, ihr Licht verbreitet eine festliche Stimmung – wir denken an die Kerzen, die am Altar stehen. Kerzen sind aber auch Zeichen für Gebet und Gedenken, wir zünden sie an als Ausdruck von Bitte, Dank oder Freude – wie die Kerzen oder die Opferlichter, die vor einem Kreuz oder den Bildern von Heiligen stehen und Licht in die Herzen der Menschen bringen möchten.

Wir beten in unseren persönlichen Anliegen.

Orgel-Platz für die Musik 

Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder erklingen, singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn! (Eph 5,19)

Das Lob Gottes durch Gesang und Musik ist der Bibel ein großes Anliegen. Auf der Grundlage der Psalmen und anderer biblischer Hymnen beruhen unser Gemeindegesang und die ganze Kirchenmusik. Jede Epoche hat ihre eigene musikalische Sprache entwickelt, jede Gemeinde ihr eigenes Repertoire, das zu ihr passt. Eine engagierte Kirchenmusik (Chor, Musikgruppe, Kantor*innen, Organist*innen und ein würdiger Gemeindegesang) sagt viel über das Gemeindeleben aus.

Wir beten für die Musiker*innen unserer Pfarrei.

Opferstock 

Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. (2Kor 9,7)

Mit den weniger Begüterten solidarisch zu sein, gehört zu den Grundpfeilern des Christentums. Dies ist letztlich begründet in der unberechnenden Liebe Gottes zu den Menschen, der die Welt so sehr liebt, dass er seinen eigenen Sohn hingibt, um ihnen zu helfen. (Joh 3,16) Jesus ruft daher auf zu bedingungslosem und uneigennützigem Geben. Spenden und Kollekten zugunsten von weniger Begüterten und Solidaritätsprojekte gehören daher von Anfang an zum Leben der Kirche. Sie sind letztlich Zeichen der Sorge Gottes um die Menschen.

Wir beten für alle, die helfen und die Hilfe brauchen.

Ort für Aussprache und Beichte 

Prüfen wir unsere Wege, erforschen wir sie und kehren wir um zum HERRN! (Klgl 3,40)

Umkehr zu Gott ist ein durchgängiges Thema der Bibel. Dahinter steht die Erfahrung, dass Gott, der für die Menschen das Gute möchte, ihnen auch eingibt, welchen Weg sie dazu einschlagen müssen. Doch zeigt sich auch, dass sich diese immer wieder darüber hinwegsetzen – zu ihrem eigenen Schaden. Ob man aber auf dem richtigen Weg ist oder nicht, wird oft erst im Gespräch mit einem anderen klar. Er ist zwar auf demselben Weg, kann aber andere Erfahrungen und Sichtweisen einbringen, die weiterhelfen und – als Priester – auch im Namen Gottes Vergebung und Nachlass von Schuld und Sünde aussprechen.

Wir beten für alle geistlichen Begleiter*innen und alle, die Beichte hören.

Hanns Sauter

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