Bangladesch

Bei der Gründung des Staates 1971 enthielt die Verfassung das Prinzip des Säkularismus, also die Verpflichtung des Staates zur Neutralität gegenüber den Religionen und die Sicherstellung des Primats der Politik gegenüber partikulären religiösen Interessen, sowie die Garantie der Religionsfreiheit für alle Religionsgemeinschaften. Bangladesch sollte nach den Worten des Staatsgründers Mujibur Rahman eine „Heimstatt für Muslime, Hindus, Buddhisten und Christen“ sein. 1977 wurde das Prinzip des Säkularismus aufgegeben und Bangladesch zum islamischen Staat erklärt. Die stärkste Religion ist mit 88,3 Prozent oder 128 Millionen Angehörigen der Islam. Damit gehört Bangladesch nach Indonesien und ungefähr in gleicher Größe mit Pakistan und Indien zu den größten muslimischen Ländern der Welt. Der Anteil der Hindus liegt bei 13 Prozent, womit sie die größte Minderheit im Lande stellen. Buddhisten haben einen Anteil von 0,5 Prozent, während auf die christlichen Kirchen 0,3 Prozent entfallen. Sie stellen damit ebenfalls nur eine kleine Minderheit dar, die allerdings durch ihre Schulen, Krankenhäuser und anderen sozialen Einrichtungen über einen weit über ihre numerische Größe hinausgehenden Einfluss verfügt. 

Die Zahl der katholischen Christen liegt gegenwärtig bei 270 000. Ungefähr gleich groß ist auch die Zahl der Protestanten, die sich auf 32 Kirchen oder kirchliche Gemeinschaften verteilen. Das ökumenische Klima zwischen den christlichen Kirchen ist gut.

1988 wurde der Islam offiziell zur Staatsreligion erklärt, was für die religiösen Minderheiten der Hindus, Buddhisten und Christen Schwierigkeiten in der Behauptung ihrer eigenen Identität mit sich brachte. In den letzten Jahren wurde durch das Anwachsen islamischer radikaler Tendenzen das bis dahin weitgehend harmonische Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen empfindlich gestört.

(Stand März 2007)