Apostolizität

Apostolizität der Kirche bezeichnet eine Eigenschaft, die der Kirche von ihrem innersten Wesen her zukommt und die besagt, daß die heute existierende Kirche trotz ihrer geschichtlichen Entwicklung und Veränderung in ihrem Wesen mit der Kirche der Apostel identisch ist. Zusammen mit der Einheit, Heiligkeit und Katholizität gehört die Apostolizität zu den Merkmalen (Kennzeichen), an denen nach der klassischen Theologie die »wahre Kirche « Jesu erkannt werden kann. Die Apostolizität wurde vom 4. Jh. an in die Glaubensbekenntnisse aufgenommen. Die Art und Weise, wie Paulus seine gesamtkirchliche Aufgabe als Apostel verstand und ausübte, markiert den Beginn einer theologischen Reflexion. Die Pastoralbriefe suchen die »gesunde Lehre « durch den Nachweis ihrer Herkunft von Paulus und durch seine Handauflegung zu sichern (2 Tim 1, 6 12 14). Von da aus gelten nicht nur Identität und Kontinuität der Verkündigung, sondern auch die Amtsnachfolge der Bischöfe und insbesondere des Bischofs von Rom als Kriterien der Apostolizität (Irenäus von Lyon † um 202). Im Mönchtum und in Reformbewegungen nimmt die Übereinstimmung mit den Aposteln im Glauben, im Zeugnis des Wortes und in der Praxis breiteren Raum ein als die amtlich immer eindrücklicher vertretene Theorie einer auf gültiger sakramentaler Weihe beruhenden »materialen« Nachfolgerschaft (Successio apostolica). Daß die Bischöfe auch die Apostolizität der nichtbiblischen Tradition garantieren, wird seit dem kirchlichen Altertum an gelehrt und in der ostkirchlichen Orthodoxie besonders betont. Nach evangelischer Glaubensauffassung ist die Apostolizität damit gegeben, daß in der Kirche Gottes Wort gemäß der apostolischen Botschaft in ihr lebendig ist. Das II. Vaticanum hat sich wiederholt zur Apostolizität als Eigenschaft der Gesamtkirche geäußert und. den Versuch gemacht, in der Konzeption des Bischofskollegiums als Nachfolgerschaft des Apostelkollegiums die überbetonte Rolle des Papstes, in dem man früher die Apostolizität konzentriert sah, etwas zurückzunehmen.