Anthropologie

Anthropologie (griech. = die Lehre vom Menschen) heißt der reflexe Versuch des Menschen, sich selber zum Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung zu machen und zu Darstellungen seines Selbstverständnisses zu gelangen.

»Vorwissenschaftlich« gab es immer schon Äußerungen des Interesses des Menschen an sich selber. Aber erst in der Neuzeit kommen Ansätze zu einer im modernen Sinn wissenschaftlichen Anthropologie auf; der Begriff Anthropologie begegnet erstmals Ende des 16. Jh. Das Selbstverständnis des Menschen kann von unterschiedlichen methodischen Zugängen aus reflektiert werden: Ein Zugang kann philosophisch-»apriorisch« angebahnt werden, so wie das I. Kant († 1804) in der Transzendentalphilosophie von der Frage »Was ist der Mensch?« aus unternahm. Die Suche nach einem »Wesen« des Menschen ist nicht einfach abgetan; es ist nicht einsichtig, wie die Ethik (Menschenwürde, Menschenrechte) auf sie verzichten könnte. Die religiös-theologische Frage nach dem Menschen kann ihren Ausgang bei einer Offenbarung Gottes nehmen. Der Mensch kann aber auch Gegenstand »aposteriorischer« einzelwissenschaftlicher Untersuchungen sein, die durchaus legitim auf die Wesensfrage verzichten und statt dessen von der Vielheit der menschlichen Erscheinungsweisen ausgehen; so entstanden vielfältige Anthropologien (medizinische, biologische, psychologische, soziologische usw.).