Zur DBK-Vollversammlung in DresdenGeschlechtliche Vielfalt differenziert wahrnehmen

Stefan Orth, Chefredakteur der Herder Korrespondenz
Stefan Orth, Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Seit gestern tagen die deutschen Bischöfe in Dresden. Nächste Woche wird der Synodale Weg mit seiner fünften Vollversammlung in Frankfurt seinen Abschluss finden. Nur wie? Zu den heiklen Themen, die für die öffentliche Wahrnehmung einen Unterschied machen werden, gehört das Thema geschlechtliche Identität, das derzeit auch gesellschaftlich rege diskutiert wird. Nicht umsonst kam es im September 2022 zum Eklat, weil an dieser Sollbruchstelle der Grundtext zum Neuansatz der christlichen Sexualethik in zweiter Lesung durchfiel, da er nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe erhalten hatte. Deshalb wird das Thema morgen beim Studientag der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe mutmaßlich abermals eine besondere Rolle spielen, gibt es nächste Woche in Frankfurt doch einen eigenen Handlungstext dazu („Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“).

Die Diskussion über geschlechtliche Vielfalt ist auch in der Kirche noch vergleichsweise jung, sodass die meisten Beteiligten hier mitten in einem Lernprozess stecken. Zu den Fakten gehört, dass es kleine Gruppen von Menschen gibt, die sich selbst als nicht-binär – also entweder als Mann oder als Frau – verorten und sich, wenn es denn eine braucht, am ehesten der Kategorie divers zuordnen lassen wollen.

Man sollte dafür Verständnis haben, dass das bei Frauen wie bei Männern, und damit auch bei Bischöfen, zur Verunsicherung führen kann. Umgekehrt sollte man das Phänomen aber auch ernst nehmen. Es geht eben nicht darum, dass sich alle Menschen ihr Geschlecht aussuchen oder es wählen können sollten. Das sind Zerrbilder der Diskussion, die hier und da auch von Provokationen geschürt werden. Natürlich sind Menschen in den allermeisten Fällen entweder Männer oder Frauen – und wollen dies auch sein. Die Ausnahmen betreffen nur eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen, vielleicht ein, zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Bezieht man das aber alleine einmal auf die Summe der Katholiken in Deutschland, handelt es sich absolut gesehen durchaus um eine größere sechsstellige Zahl. Hat man sich das schon klar gemacht?

Das Selbstverständnis der betroffenen Menschen, das sie angesichts der gesellschaftlichen und kirchlichen Realitäten oft genug in Nöte und Leid mit sich bringt, sollte man auch theologisch reflektieren. Eine differenziertere Wahrnehmung ist deshalb unabdingbar, gerade um des Glaubens an die Gottesebenbildlichkeit willen, die vom Beginn der Bibel an allen Menschen gilt.

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