Die Europäische Versammlung der WeltsynodeDas Entscheidende an Prag

Stefan Orth, Chefredakteur der Herder Korrespondenz
Stefan Orth, Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Natürlich mag manch Enttäuschendes dabei gewesen sein: Viele Wortmeldungen blieben vage, manche beschworen vor allem den Heiligen Geist und das gemeinsame Unterwegssein. Eine wirkliche Diskussion war ohnehin nicht vorgesehen, was im Rahmen einer synodalen Kirche doch unbedingt dazu gehören würde. Hinzukommt, dass aus Sicht der allermeisten Delegierten beim Synodalen Weg natürlich auch gemeinsame Beschlüsse zum Wesenskern gehören. Bei der Kontinentalversammlung für Europa im Rahmen der Weltsynode in der vergangenen Woche in Prag war offenkundig, dass aus einer deutschen Perspektive Synodalität erst in Trippelschritten gelebt wurde.

Das liegt nicht zuletzt an der Vielfalt der Ortskirchen, die mit Händen zu greifen war. Das betrifft nicht nur das Verständnis von Synodalität, dem Thema der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode im Herbst dieses und des nächsten Jahres. Dazu gehört auch die Bandbreite der Meinungen und Anliegen, die deutlich geworden ist. Es zeigte sich immerhin auch, dass eine Reihe von Reformthemen keinesfalls nur Anliegen der Deutschen sind.

Das Entscheidende an Prag aber war, dass man überhaupt auf europäischer Ebene erstmals in einem solchen Format zusammengekommen ist und sich gegenseitig zugehört hat. Beispielsweise haben die Bischofsversammlungen des CELAM in Lateinamerika oder auch der FABC in Asien jeweils eine Tradition, zu der es Vergleichbares in Europa bisher nicht gibt – zum Nachteil des Kontinents. Denn eine binnenkatholische Verständigung über den gemeinsamen Auftrag von Christen in Europa täte, wie die Tage in Prag gerade gezeigt haben, durchaus not.

Hier ließe sich im Übrigen auch lernen, dass bei allen Unterschieden die Gemeinsamkeiten oft größer sind, als die über Interviews und Briefe geführten Debatten vermuten lassen. Und auf der anderen Seite wird deutlich, dass es in einer Weltkirche gar nicht anders geht, als dass angesichts der unterschiedlichen Kontexte die einzelnen Ortskirchen auch mehr Freiräume bekommen, wie sie ihr Katholischsein regeln. Insofern könnte Prag der Anfang eines Anfangs gewesen sein.

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