Womit beginnen?

1. Eintrag: 31. Juli, Köln - Odenthal, Altenberger Dom

Womit beginnen?
© Christian Heidrich

Mit der Zugfahrt über Heidelberg und Frankfurt nach Köln? Sehr früh ging es los, es war noch dunkel, frühe FAZ-Lektüre in einem angenehmen, leisen Zug. "Warum hortet Google Daten?" Dann der Dom mit seinen Frühmessen am Marienaltar. Ein tiefes Durchatmen, eine Anbindung. Gedenktag des Hl. Ignatius von Loyola, des Mannes, der das Soldatische auch später, nach der Bekehrung, nicht verleugnen wollte.

Mein Lieblingsplätzchen in dem so gewaltigen Gotteshaus: das südliche Querhaus, dort wo sich der mächtige Christophorus und die verschmitzt lächelnde, winzige Maria begegnen, nun ja, sich gegenüberstehen. Jeder wirkt auf seine Weise.
Nicht weit weg, die Kirche der Dominikaner, das Grabmal von Albertus Magnus. Was bleibt übrig, dachte ich am Grab dieses wahrhaft großen Denkers und Friedensstifters, wenn die menschlichen Eitelkeiten, die Gier und der Wahnsinn einmal ein Ende haben sollten? In der Welt bleiben wir in Bedrängnis.

Über die Hohenzollernbrücke dann. Eine Verdichtung der Kölner Wirklichkeit im Schatten des Domes: die unzähligen Liebesschlösser, ein Ausdruck der Hoffnung zumindest; die vier Reiter, preußische Könige und Kaiser, die schon die letzten ihrer Art waren, was sie natürlich nicht wissen konnten. Heute erscheinen sie vor allem einsam, Fremdlinge zwischen Touristen, Fahrradfahrern, den langsam vorbeifahrenden S-Bahnen und den noblen ICE-Zügen. Die preußische Spur wird mich dennoch begleiten.

Was sonst noch geschah:
Der beleibte Mann am Rheinufer, angelehnt an sein Fahrrad, im tiefen Genuss einer Zigarette versunken. Ihm gegenüber die Frau, die im Schutz eines riesigen Baumes Tai Chi Übungen ausführt. Auch hier: Jeder auf seine Weise?
Der junge Mann in Köln-Mülheim, der in einem Billigkaufhaus an einem Probierfläschchen eine gründliche Aftershave-Prozedur vornimmt.
Die beiden Damen, die ihre letzten Arztbesuche erörtern und dabei rasend schnell deutsche und polnische Wörter vermengen.
Der pensionierte Soldat und passionierte Wanderer, der mir in Odenthal klar macht, dass ein Offizier seine Heimat lieben muss, seine Dichter kennen und die Philosophie des Krieges auch - denn ansonsten wird es barbarisch.
Ich bin Menschen begegnet. Es war ein reicher Tag.

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