Im Untergang von Gosslar

Unterirdisch geht es heute für CIG-Autor Christian Heidrich von Köln nach Königsberg. Zunächst steigt er in den Untergrund unter dem Goslarer "Rammelsberg" und dann in die Tiefe der Installation „Johannis-Nacht“ von Anselm Kiefer im Goslarer „Mönchehaus“.

Im Untergang von Goslar
© Christian Heidrich

Ein wenig müde von all den Kaisern und ihren Pfalzen, von der Schönheit der Marktplätze und der Fachwerkhäuser, begebe ich mich in Goslar in den Untergrund. Nur wenige Kilometer vom Stadtkern entfernt liegt der Rammelsberg, an dem mehr als tausend Jahre lang, 968 bis 1988, ununterbrochen Bergbau betrieben wurde. Einst ruhten hier 27 Millionen Tonnen Kupfer-, Blei- und Zinkerze, nun ist die Stätte „ausgeerzt“ und seit 1992 Weltkulturebe. Christo und Jeanne-Claude haben den „letzten“ Förderwagen mit Stoff umhüllt, verschnürt und so in ein Denkmal transformiert.

Wenn vom Harz die Rede ist, ist Goethe niemals weit, und so entdecke ich gleich am Eingang des weitläufigen Geländes einen an den Dichter gerichteten brieflichen Rat. „Um den Rammelsberg zu befahren“, so der Vizeberghauptmann von Trebra, „darfst du nur den Bergschreiber Volckmar zu dir rufen lassen oder den Bergvoigt Röder. Letzterer besitzt alles, was dazu gehört, einem Fremden die Fahrt in den Rammelsberg sicher, angenehm und nützlich zu machen.“ Nach Bergmeister Johann Christoph Röder (1729-1813) ist auch das ausgeklügelte Stollensystem benannt, das der heutige Besucher in der Tat angenehm und sicher beschreiten darf. Die Bergleute, die dort zu Goethes Zeiten gearbeitet haben, lebten gefährlich und schufteten im Schweiße ihres Angesichts - zwölf Stunden am Tag, und sie verließen den Stollen von Montag bis Freitag nicht. Dunkel war es und feucht. Ein unvorstellbar hartes Leben.

Der Besucher von heute kann nur betroffen schweigen. Auf dem Fleiß und dem Ingenium dieser Menschen ist unser Wohlleben erbaut.

Am selben Tag steige ich noch einmal kurz hinunter. Die Installation „Johannis-Nacht“ von Anselm Kiefer im Goslaer „Mönchehaus“ verbindet antike und jüdische Mythologien, nimmt auch Bezug auf Materialien aus dem Harz und aus dem Bergbau. Auch hier muss man in die Tiefe, in die Dunkelheit der Gewölbe. Im vierten und letzten Raum dann eine Auflösung, eine heruntergelaufene Bleispur, die dem Gewölbe ein glänzendes Schimmern verleiht.

Am Abend hilft ein großes, dunkles „Gose“-Bier die Eindrücke zu verarbeiten. Der Geschmack freilich lässt sich nur „weit weg von Daheim“ ertragen.

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