Der Tag, den Gott gemacht

„Das ist der Tag, den Gott gemacht.“ So singen wir in der Osternachtfeier. Es gibt Tage, die haben wir gemacht: den ersten Mai, den Muttertag oder den Vatertag. Und, Sie kennen das ja, so dann und wann machen wir uns einen guten Tag ... „Das ist der Tag, den Gott gemacht ...“ Wer sich darauf festgelegt hat, dass nichts anderes geschehen kann, als der Mensch aus sich heraus kann, der geht Ostern leer aus. Wirklich Ostern feiern kann nur der, der mit Gott und seiner Tat rechnet.
So leicht ist es nicht, Ostern zu feiern. Der Unterschied zur Situation, die uns das Evangelium schildert, ist offenkundig. Wir sind hier nicht zu einem Grab gekommen, sondern zum Gottesdienst. „Das Grab ist leer ...“, das ist für uns keine Überraschung, wir haben das einschlägige Lied im Ohr und singen es aus voller Kehle. Und wir wissen längst, was die Engel verkündigen: „Er ist auferstanden.“ Das alles ist einfach dran, wie selbstverständlich. Aber es ist nicht selbstverständlich. Es versteht sich gerade nicht von selbst, auch nicht von uns her, sondern allein von Gott her.
Von selbst und von uns her versteht sich nur der Tod. Damit müssen wir rechnen. Aber die Auferstehung spottet jeder Erfahrung. Es geht nicht um Reanimierung und nicht um Reinkarnation. Jesus ist in den Todesgraben hinuntergestiegen und zur anderen Seite hochgestiegen, wo es keinen Tod mehr gibt. Der Tod ist nicht aufgeschoben, sondern aufgehoben, er ist nicht überspielt, sondern überwunden. Das ist nicht zu fassen.
Und darum kommen die Fragen, die Einsprüche: Wie soll ich mir das vorstellen? Ich sehe nichts davon, dass die Macht des Todes gebrochen ist. Die Gräber, vor denen ich stehe, sind nicht leer. Das grausame Spiel von Gewalt und Leid und Tod geht weiter – auch nach Ostern. Das sind die handfesten Realitäten. Die sind nicht aus der Welt zu schaffen. Oder doch? Sicher nicht von uns.
Ostern geht es zuerst und zuletzt nicht um das, was wir Menschen aus Jesus machen, sondern um das, was Gott gemacht hat. „Das ist der Tag, den Gott gemacht ...“ Darum ist es auch nicht damit getan, dass wir Fragen an ihn haben. Er hat Fragen an uns. Die stehen da, mitten im Evangelium. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“
Diese Frage Gottes an uns darf in der Kirche nicht zum Schweigen kommen.
Meinen wir vielleicht, wir müssten Jesus zum Leben erwecken oder lebendig halten? Wer sind wir denn! Wir müssen weder Jesus retten noch auch die Kirche, sie sind gerettet.
Das ist nicht unser Werk, das ist Gottes Vorgabe. Er hat gehandelt: Jesus Christus lebt. Uns ist aufgetragen, den Lebendigen am richtigen Platz zu suchen, nicht bei den Toten. Er, der Herr des Lebens, ist uns allemal voraus. In dieser Gewissheit dürfen wir Ostern feiern: „Das ist der Tag, den Gott gemacht.“ Das kann entlasten. Da fällt einem ein Stein vom Herzen – weil der Stein vor dem Grab ins Rollen kam. Gott hat uns einen guten Tag gemacht. Wir dürfen aufatmen.
Wer ist der Herr im Haus der Kirche? Es scheint, dass es darüber Unklarheiten gibt: der Papst und die Bischöfe? Oder die Theologen? Oder die Basis? „Eine andere Basis kann niemand legen als die, die gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,11)
Er ist der Herr. Die Kirche lebt nicht von der sogenannten Basis und von den Theologen, nicht vom Papst und von den Bischöfen, sondern von Jesus Christus, dem Herrn des Lebens. Es ist höchste Zeit, dass wir uns durch Gottes Wort zur Mitte unseres Glaubens zurückrufen lassen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“? Merkt man uns das an, wo das Leben zu suchen und zu finden ist? Sind wir Zeugen des lebendigen Herrn? Dann sind wir am richtigen Platz – in unserer Kirche und in der Gesellschaft.

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