Haltungen im deutschen Protestantismus zur NS-Rassenlehre

Zusammenfassung / Abstract

Die Bandbreite möglicher Fragen bei der Darstellung der protestantischen Haltung gegenüber der NS-Rassenideologie Ende der 1920er und in den 1930er Jahren ist groß. Durch den Blick auf Biographien deutscher Protestanten soll versucht werden, typische Einstellungen und Entwicklungen im deutschen Protestantismus aufzuzeigen. Um eine Vielzahl unterschiedlicher Sichtweisen auf die NS-Rassenideologie Ende der 1920er und in den 1930er Jahren zu skizzieren, werden Aussagen der Kölner Vikarin und religiösen Sozialistin Ina Gschlössl, des "Deutschen Christen" Walter Grundmann und des Leiters der "Apologetischen Centrale" Walter Künneth einander gegenübergestellt. Der Standpunkt, der in der zeitgenössischen protestantischen Kirche als allgemein akzeptiert gelten kann, war dadurch gekennzeichnet, dass er der NS-Rassenideologie auf staatlicher Ebene zustimmte und zugleich jene Bereiche in Frage stellte, in denen die NS-Rassenideologie zum "Maß und Ziel des Lebens" erhoben wurde. Im Laufe der 1930er Jahre lassen sich folgende Entwicklungen und Reaktionen auf den Absolutheitsanspruch der NS-Rassenideologie feststellen: 1) Deutsche Christen werden zunehmend radikalisiert, da sie sich selber von der Rassenideologie durch die Behauptung bedroht sehen, das Christentum sei sozusagen Judentum für Nicht-Juden; 2) In der Mehrheit des deutschen Protestantismus werden NS-Rassenpolitik und Antisemitismus durch die Schöpfungstheologie legitimiert; 3) Es gibt eine Ablehnung der NS-Rassenpolitik bei einzelnen Protestanten, die sich mit jenen solidarisieren, die verfolgt und ihrer Rechte beraubt werden.

Attitudes of the German Protestantism towards the NS race ideology – The range of possible questions when portraying German Protestant attitudes towards NS race ideology at the end of the 1920s and during the 1930s is wide. By highlighting biographies of German Protestants it will be attempted to demonstrate typical attitudes and development in German Protestantism. – In order to outline a wide range of different points of view towards NS race ideology at the end of the 1920s and during the 1930s, statements by Cologne vicar and religious socialist Ina Gschlössl, by the „German Christian“ („Deutscher Christ“) Walter Grundmann and the head of the „Apologetische Centrale“ Walter Künneth will be contrasted. The latter point of view, which can be considered universally accepted in the contemporary Protestant Church, was characterised by agreeing to NS race ideology on state level while at the same time questioning those areas in which NS race ideology was declared „the scale and aim of living“. – In the course of the 1930s the following developments and reactions to the claim to absoluteness of NS race ideology can be traced: 1) German Christians are increasingly radicalized by being themselves targeted by race ideology through the claim that „Christianity is Jadishness for Non-Jews“; 2) in the majority of German Protestantism, the NS race policy and anti-Semitism are legitimized through creation theology; 3) rejecting NS race policies, individual Protestants show solidarity with those who were persecuted and have been deprived of their rights.

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