Wunder Gottes – Liedpredigt zu EG 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben

Raten Sie mal, wie oft wir jeden Tag ein- und ausatmen? In jeder Minute atmen wir etwa zwölfmal. Das sind 720 Atemzüge in einer Stunde und 17.280 an einem Tag. Pro Tag atmen wir etwa 12.000 Liter Luft ein und aus, auch, wenn wir schlafen und nichts davon merken. Die Bibel erzählt, Gott selber hat uns seinen Odem eingehaucht. Das Atmen begleitet uns das ganze Leben. Ohne das Atmen wäre unser Leben nicht möglich.

Auch unsere Augen sind ein Wunderwerk Gottes. Wussten Sie eigentlich, wir unterscheiden mit unseren Augen etwa 150 Farbtöne. Sie liefern uns rund 80 Prozent aller Hinweise aus der Umwelt. Sie sind unser Tor zur Welt. Unsere Ohren haben gleich zwei Aufgaben: Sie können nicht nur Töne und Geräusche aufnehmen, sondern sie sorgen auch für unser Gleichgewicht. Der Philosoph Kant sagt: „Nicht sehen können, trennt von den Dingen. Nicht hören können, trennt von den Menschen.“ Für Kant war das Gehör wichtiger als das Sehen, denn das Gehör ist unser sozialer Sinn. Dank unseres Gehörs lernen wir sprechen, uns mit Worten zu verständigen, und hören dabei mehr als nur Worte, sondern entschlüsseln auch Stimmungen und Gefühle. Unsere Hände sind ebenfalls ein Wunder. Raten Sie mal, wie viele Knochen eine Hand hat? Sie hat 27 Knochen und 36 Gelenke. Hände sind bemerkenswerte Universalinstrumente. Wir können Musikstücke spielen, beten, streicheln, Brotteig kneten, eine Reckstange umklammern, mit den Händen sprechen.
Auch unsere Füße sind ein Phänomen. Täglich sind sie großen Belastungen ausgesetzt. Das beweist uns allein schon morgens die Waage. Sie stützen unseren aufrechten Gang und ermöglichen unser Stehen und Laufen. Etwa 8.000 pro Tag, knapp 3 Millionen pro Jahr, fast 240 Millionen in einem Leben, so viele Schritte tragen uns unsere Füße.

Ja, ohne Weiteres könnten wir bei unserem kleinen Lied noch weitere Strophen dazudichten, die uns das Staunen beibringen. Da ist z. B. unser Herz. Es ist Tag und Nacht aktiv. Jede Minute pumpt es sauerstoffreiches Blut bis in die kleinste Zelle. Da ist unser Gehirn, nur so groß wie zwei geballte Fäuste, aber das kompliziertesten Organ, das die Natur je hervorgebracht hat, das uns in raffiniertester Weise steuert. Es übernimmt lebenswichtige Aufgaben. Es denkt, fühlt, verarbeitet die Sinneseindrücke und Informationen und schickt Botschaften in alle Bereiche des Körpers zurück. Wir sind uns unser selbst bewusst, fühlen, denken und planen und sind in soziale Beziehungen eingebettet.
Wir können immer wieder nur staunen: Unser Körper ist insgesamt ein großes Wunder, und allein schon die alltäglichsten Dinge, die wir tun, ein Glas hochheben, die Schuhe binden, ein Lied pfeifen, sind kleine Wunder. Unser Körper ist ein hervorragend organisiertes System aus einzelnen Teilen, die zusammenarbeiten, um zahlreiche Aufgaben zu erfüllen, die zum Erhalt des Lebens notwendig sind.

Das kleine Lied besingt unseren Körper mit seinen Fähigkeiten aber nicht zweckfrei. Der Kerngedanke ist: Gott gibt uns die verschiedenen Gaben, damit wir leben, uns gegenseitig sehen und wahrnehmen und die Zeit bestehen. „Die Zeit bestehen“, das klingt etwas merkwürdig. Eine Prüfung besteht man. Aber wie besteht man die Zeit? Es geht um unser Leben. Wir haben nur einen Versuch. Und Leben ist mehr als nur da sein. „Savoir vivre“, sagt der Franzose. Und der alte weise Seneca glaubte: „Um richtig leben zu können, braucht es das ganze Leben.“
Die Frage ist, was du mit deinem Leben tun willst, was unser Leben erst zu etwas Wertvollem macht, was unserem Leben Sinn gibt. Was ist das wirklich Wichtige? Die Liebe? Der Glaube? Die Familie? Der Beruf? Was ist dir wirklich wichtig? Was macht das Leben lebenswert? Was ist ein gelingendes Leben?

Gott stellt unser Leben in einen großen Zusammenhang. Da ist unsere Beziehung zu Gott, der Umgang mit uns selbst, der Umgang mit den Mitmenschen und der Umgang mit unserer Mitwelt. „Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.“ Nie erkannte Segenskräfte tragen uns. Schon die Erhaltung der Welt, schon die Gewährung unseres Lebens ist bereits eine Gnade. Schon die Abschirmung des Lebensraumes – nach alten Vorstellungen die Eindämmung der Urflut, aufgrund heutiger Erkenntnisse vielleicht die Abschirmung kosmischer Strahlen – ist bereits eine Gnade. Unser Leben spielt sich in großen Ordnungszusammenhängen ab. Und fasziniert sind die Naturwissenschaftler auf ihren geheimnisvollen Spuren. Nie erkannte Segenskräfte tragen uns. Gott hat seine Hand unter unser Leben geschoben, ohne dass wir es gemerkt haben.

Das kleine Lied sagt, Gott schuf die Erde gut, und singt von ihrer Schönheit. Schönheit ist ja normalerweise nicht gerade ein Hauptwort der Theologie. Das kleine Lied ermutigt uns, die Erde in ihrer Schönheit zu sehen und das Wunder der Erde zu bestaunen. Unser Planet ist voller einzigartiger Schönheit. Nur beachten wir sie zu wenig. Da sind überwältigende Sonnenuntergänge, eine großartige Milchstraße über uns, märchenhafte Sonnenspiele mit Licht und Schatten im Wald, das Zirpen der Grillen, der Gesang der kleinen Amsel auf dem Dach, das Wiegen der Grashalme im Wind. Die Natur redet mit uns in tausend Tönen, Farben und Formen. Sie hat zu jeder Jahreszeit Schönheiten für uns parat, egal, ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint. Und alle Dinge sind miteinander verbunden. Alles hängt mit allem zusammen. Und der Mensch mit seinem raffinierten Körper ist eingewoben in dieses Kunstwerk Erde. Das bewegt uns zur Ehrfurcht und ist auch eine Bitte an uns Menschen, sorgsamer mit der Erde umzugehen.

Aber doch sind wir langsam, aber sicher dabei, unsere Erde immer mehr zu ruinieren. Viele Tierarten sind schon ausgerottet. Ganze Wälder wurden abgeholzt. Doch Gott will das nicht. Gott will nicht diese Erde zerstören. Deshalb braucht uns Gott. Gott ruft den Menschen als sein Ebenbild immer wieder auf zur Nachahmung: So wie Gott weise herrscht, sollen auch wir mit Weisheit mit unserer Erde umgehen. Wir verwalten nur, was Gott gehört. Unsere Aufgabe ist es, die Erde zu erhalten und zu verwalten, um sie als göttliches Darlehen unseren Kindern unversehrt weiterzugeben. Gott hilft uns deshalb immer wieder, neu ins Leben zu gehen, uns den zerstörerischen Kräften zu stellen und die Dinge zum Guten zu verwandeln.

Ein kleines Ohrwurmlied steht heute im Zentrum unseres Gottesdienstes. Seine Melodie ist einfach und einprägsam. Auf Stunden summt sie dir noch im Kopf herum und du wirst sie nicht mehr los. Aber vielleicht ist das ganz gut so. Gut, dass das Lied ein Ohrwurm ist, der in uns weitersingt. Gott helfe uns, uns dem Leben zur Verfügung zu stellen mit all den Möglichkeiten, die uns Gott geschenkt hat. Über all unserem Leben sieht die Bibel die Schutzhülle von Gottes Gnade und Liebe. Damit ist alles eingehüllt. Mögen wir unser Leben in dieser Schutzhülle geborgen sehen. Und mögen wir lernen, mit mehr Weisheit innerhalb der Schöpfung zu leben. „Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.“

Gebet:
Schenke uns offene Ohren für das, was du uns sagen willst.
Schenke uns offene Augen für die vielen Schönheiten unserer Erde.
Schenke uns Ehrfurcht davor, wie alles mit allem zusammenhängt,
vor den ungeahnten Segenskräften, die alles Leben tragen.
Schenke uns den Mut, mitzuwirken und uns als deine Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen zur Verfügung zu stellen.
Schenke uns Weisheit, sorgsamer mit der Erde umzugehen
und das Nötige zu tun.

Fürbitten mit 5 Sprechern und 5 Gegenständen (eine Handvoll Erde – ein Krug mit Wasser – eine Blume – ein Apfel – ein Brot)
Für fünf Dinge wollen wir heute Gott ganz besonders danke sagen. Und jedes Mal wollen wir einstimmen in den Gebetsruf: Kyrie eleison. Heute wollen wir danke sagen für die Erde.
Diese Handvoll Erde steckt voller Leben. Die Erde ist ein großes Geheimnis und steckt voller kleiner Wunder. Sie ist kräftig und stark. Die Erde kann Samen aufnehmen und etwas wachsen lassen. Deshalb bitten wir Gott darum, dass wir sorgsamer mit der Erde umgehen.
Kyrie eleison.
Heute wollen wir danke sagen für das Wasser. Wasser ist der Urstoff des Lebens. Ohne Wasser gibt es überhaupt kein Leben auf der Erde. Der Regen fällt herab vom Himmel. Er sammelt sich in kleinen Rinnsalen, in Bächen, Seen und Flüssen. Wasser füllt die großen Weltmeere. Das Grundwasser aus der Tiefe der Erde brauchen wir als Trinkwasser. Deshalb bitten wir Gott darum, dass Menschen das Wasser nicht so verunreinigen und verschwenden.
Kyrie eleison.
Heute wollen wir danke sagen für die Blumen. Sie entstehen aus kleinen Samen und sind lauter kleine Wunder. Sie verschönern unser Leben. Die Blumen schenken uns ihre Farben und den Duft. Wir freuen uns über die prächtigen Rosen und die gelben Sonnenblumen. Deshalb bitten wir Gott darum, dass er weiter für all das Schöne sorgt, was uns Freude macht.
Kyrie eleison.
Heute wollen wir danke sagen für die Früchte. Der Apfel macht uns kräftig und lässt uns gesund leben. Er ist eines der zahlreichen Geschenke Gottes. In seiner Mitte sind Kerne, aus denen neue Apfelbäume wachsen. Deshalb bitten wir Gott, dass er auch in Zukunft die Menschen auf der Erde ernährt und nicht mehr hungern lässt.
Kyrie eleison.
Heute wollen wir danke sagen für das Brot. Der Bauer bringt die Körner auf dem Feld aus. Sie ruhen im Dunkel der Erde. Ein kleiner Halm wächst heran und ganz langsam entsteht die Ähre. Aus den vielen neuen Körnern mahlt man das Mehl für das Brot. Gute Erde ist nötig, dazu Sonne und Regen. Viele fleißige Hände brauchen wir, bis das Brot in unseren Händen liegt. Deshalb bitten wir Gott darum, dass wir Menschen mehr zusammenhalten und miteinander das Brot teilen.
Kyrie eleison.

Psalmvorschlag: Psalm 98
Lesungen: Psalm 104 i. A. und Römer 11,33–36
Liedvorschläge: 503,1–8 (Geh aus, mein Herz, und suche Freud)

423 (Gott gab uns Atem)

504 (Himmel, Erde, Luft und Meer)

506,1–6 (Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht)

317,1–5 (Lobet den Herren)

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