Der Monatsspruch im Dezember 2013

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Johannes 1,4

Es bleibt ein Geheimnis, was in jener Nacht geschah. Trotz der vertrauten Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium bleibt es ein Geheimnis. So wie es ein Geheimnis bleibt, warum Gott Mensch werden soll, gerade Mensch.
Hätten wir das Geheimnis entschlüsselt, dann wäre es uns auch nicht wohler. Dann wären wir - am Ende.
Keine Weltreligion kommt ohne „Geheimnis“ aus.
Alle reden sie vom Licht. Alle meinen unser Leben.

Kein Leben kommt ohne Geheimnisse aus.
Alles, was uns Freude macht und ein Stück weiter trägt von Erfahrung zu Erfahrung, von Jahr zu Jahr, all das Wichtige unseres Lebens kommt von außerhalb.
Wie wir es nun nennen: Gnade, Gott, Licht, Liebe, Leben, Segen.
Es ist jedenfalls so, dass der Grund unseres Lebens nicht in uns selbst liegt.

Im Anfang war das Wort - in ihm wohnte das Leben - das Wort ward Fleisch - wohnte unter uns - wir sahen seine Herrlichkeit. Er war in der Welt - er wurde nicht erkannt - er wurde nicht aufgenommen.
Menschliche Worte versuchen, ein Geheimnis zu erspüren, nicht zu lüften. Der Evangelist Johannes geht sorgsam um mit der Blöße, die sich Gott gibt in diesem Kind, in diesem verletzlichen Licht, in diesem bescheidenen Leben.

Das Gute bleibt - ein Geheimnis.
Licht kann man heute ein- und ausschalten.
Das Leben kann man heute verlängern oder abbrechen.
Aber das Geheimnis des Lebens bleibt - bei Lichte betrachtet - ein Rätsel.
Ich will nicht Recht haben. Ich will nicht die Religion retten. Da waren zu viele Fehler, als dass dies einen Sinn des Lebens ergeben würde.
Doch meine Ehrfurcht vor dem Leben und mein bis heute bewahrtes Staunen - und Erschrecken - angesichts des Lichts machen mich bescheidener, als ich es zuweilen war.

Wir behaupten, dem Geheimnis nahe zu sein und damit Licht zu empfinden und Leben zu erleben.
Ich glaube, es sind die wunden Seelen - oder die kindlich-„jungfräulichen“ Seelen -, die am ehesten in der Lage sind, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zu erleben. Weil sie warten, weil sie arm, verwaist und elend sind. Weil sie nach einem Strohhalm greifen. Für wunde Seelen ist es schwierig, zu vertrauen. Aber wenn sie vertrauen, dann ist es tief. Das führt zur Heilung.
Jungfräuliche Seelen legen sich ohne Bedenken in die Arme von Mutter oder Vater; schlafen ein beim Gute-Nacht-Gebet und wachen auf, wenn der Tag und mit ihm das Licht sich regt.

Im gläubigen Annehmen der Hilfe Gottes wird Gott heute immer noch Mensch. Und doch bleibt auch dies ein Geheimnis. Wer dieses Geheimnis lüften will, kann ihm nicht begegnen.
Ich möchte nicht verrechnet, entblößt, begriffen und benutzt werden.
Ich möchte nicht als Frage für die anderen erledigt sein, abgehakt.
Wenn mich einer begriffen hat, hat er mich in der Hand.
Wenn also ein Geheimnis zum Menschsein dazugehört, wie erst recht zu Gott, zu dem Kind in der Krippe, zu den Engeln, zum Leben und zu diesem Licht!

Auch wenn wir nicht alles wissen. Wir spüren, was es bedeutet:
Jedem Licht und jedem Leben wohnt ein Geheimnis inne.
Ich will es nicht lösen von seinem Grund.
Albert Einstein sagte: „Der Mensch, der seine Augen vor dem Geheimnis verschließt, geht durchs Leben, ohne überhaupt etwas zu sehen.“ Ich will nicht wissen.
Ich will vertrauen.
Mehr an Geschenk ist uns in diesem Leben nicht möglich.
Es müssen Unkundige, Lebensmüde oder Verbohrte sein, die keine Sehnsucht (mehr) haben nach Licht und Leben.
Ob es uns gegeben ist, ein wesentliches Geheimnis - nicht zu lösen, sondern - zu bewahren?

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