Der Monatsspruch im Februar 2012

Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
1. Korinther 10,23.24

Alles ist erlaubt?
Das hat schon zu Zeiten des Paulus nicht wirklich gegolten. Bestraft wurde auch damals schon, was anderen an Leib, Leben oder Eigentum schadete - wenn auch weniger stringent als in unserem Rechtsstaat heute. Dass beispielsweise Frauen damals offenbar nicht die gleichen Rechte hatten wie die Männer, lässt sich nur wenige Verse später nicht überlesen, wenn man es auch aus heutiger Sicht lieber täte. Denn dass Paulus hier für eine Diskussion über die Kopfbedeckung der Frau in der Gemeinde die Rangfolge Gott in Christus - Mann - Frau bemüht, bereitet heute vielen starke Kopfschmerzen. Noch stärker werden diese Schmerzen Kapitel 14,34f, wo den Frauen das Wort in der Gemeindeversammlung gänzlich verboten wird. Man kann sich die Frage nicht ersparen: Ist das, was Paulus hier nach diesem Monatsspruch im 1. Korintherbrief beispielsweise in Bezug auf die Position der Frau schreibt, seine persönliche theologische Meinung oder Gottes Wort? Die Antwort auf diese Frage hat weitreichende Konsequenzen: Erkennt man in der Position des Paulus Gottes Wort, lebt man in unserer evangelischen Kirche falsch, wäre beispielsweise die Frauenordination ein Verstoß gegen Gottes Wort. Ist sie aber die persönliche Position des Paulus in der Ordnung seiner damaligen Gesellschaft, kann man heute seine Argumente getrost zur Seite legen: Wir leben zweitausend Jahre später; Frauen oder Homosexuelle erkämpften und erkämpfen ihre Gleichberechtigung; Sklaven gibt es längst nicht mehr.

Gotteswort oder Menschenwort? Diese Entscheidung muss man keineswegs aus dem Bauch heraus fällen, es gibt ein wichtiges Kriterium: Ist Gott die Liebe selbst (1. Joh 4,8 oder 16), ist diese Liebe so, wie Paulus sie in 1. Kor 13 beschreibt, ist in Christus diese Liebe für uns auf diese Welt gekommen (1. Joh 4,9), dann ist sie auch Maßstab. Und an diesem Maßstab scheitern Diskriminierung, Benachteiligung oder Standesunterschiede. Menschen verschiedenster Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, religiöser Überzeugung oder auch sexueller Ausrichtung sind Gottes Kinder - gewollt, begleitet, geliebt. Das gilt auch für Tiere, auch für die ganze Schöpfung; alles ist (gelungenes!) Werk Gottes und durch uns auch so zu behandeln.

Genau darum hat Paulus hier aber Recht: Alles ist erlaubt! Denn alles auf dieser Welt ist grundsätzlich zunächst gut, weil es Gottes Schöpfung ist. Das auf dem Markt angebotene Opferfleisch, der konkrete Anlass der Überlegungen des Paulus, ist eben nicht dadurch schlecht, dass es für irgendwelche Opferaltäre rituell geschlachtet wurde, sondern zunächst einmal gut und erlaubt.

Aber dient alles zum Guten? Baut alles auf?
Das sind wichtige Fragen des Lebens! Sie beschäftigen uns auch heute nicht nur gelegentlich, sondern tagtäglich. Bei nahezu allen Entscheidungen, die wir treffen müssen. In Gemeinde, Politik, Familie, überall lehrt die Erfahrung: Vieles diente nicht zum Guten, weniges nur baute auf. Auch bei dem, was wir selbst tun oder zu verantworten haben, blieb diese Erfahrung nicht erspart. Wer kennt sie nicht, die Last, mit einer gut begründeten Entscheidung vielleicht richtig gehandelt, dennoch aber anderen weh-getan oder gar geschadet zu haben. Nicht wenigen wird diese Last so schwer, dass sie sie kaum noch zu tragen vermögen.

Natürlich kann niemand das grundsätzlich hindern, etwas nicht zum Guten, nicht zum Aufbau zu tun. Aber der Weg des besseren Miteinanders liegt sichtbar vor uns, Paulus beschreibt ihn so: Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient. Es ist der Weg einer Gemeinschaft, in der nicht zuerst Haushalte verwaltet oder Risikoversicherungen abgeschlossen werden, sondern für andere gelebt, wo aus Vorsorge Fürsorge wird. In der der Dienst am Nächsten, die Diakonie, Tagesziel ist. In der die Liebe nicht nur Lippenbekenntnis, sondern Lebensinhalt wird. Die dient zum Guten, die baut auf. In ihr begegnet uns Gott, der unserem Leben so nicht mehr Tage, sondern unseren Tagen mehr Leben schenkt. Und darauf kommt es an.

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