150 Jahre PASTORALBLÄTTER

War es ein gutes Jahr? War es ein schlechtes Jahr?
Kommt ein gutes Jahr? Kommt ein schlechtes Jahr?

Es gab einige ernst und ehrlich gemeinte Aufrufe, rätselhafte Wahlen, viele Sorgen, Konkurse und das übliche Hin- und Herschieben der Aktienmehrheiten. Jetzt nicht den Kopf hängen lassen.
Es gibt einige ernst und ehrlich gemeinte Prognosen, viel Stochern im Nebel, viele Sprüche - und um die Jahreswende wieder jede Menge Krach. Damit auch bei der Feuerwerksindustrie keiner arbeitslos wird … Eine Viertelstunde Hunde, Hamster, Meerschweinchen und Katzen einsperren, Ohren schließen oder Glocken läuten gegen den Lärm. Dann ist auch das vorbei.

Wir haben es glücklich oder weniger glücklich hinter uns gebracht. Und denken mit Wolf Biermann, dem preußischen Ikarus: „Das kann doch nicht alles gewesen sein, ... das bisschen Sonntag und Kinderschrein, das muss doch noch irgendwo hingehn. … Das kann doch nicht alles gewesen sein, da muss doch noch irgendwas kommen! Nein, da muss doch noch Leebn ins Leebn, eebn."
Und wenn Jesus uns dann auch noch ans Herz legt, eben unser Herz möge nicht erschrecken, sondern auf Glauben, auf Hoffnung setzen (Joh 14,1, die Jahreslosung), dann gehen wir getrost in den 150. Jahrgang der PASTORALBLÄTTER.

Der Kreuz Verlag ist nun ganz im Herder Verlag gelandet - ein ur-evangelischer Verlag unter dem Dach eines ur-katholischen. So ändern sich die Zeiten. Die Zelte in Stuttgart sind abgeschlagen.

Für die PASTORALBLÄTTER hat sich wenig geändert. Dafür bin ich den Verantwortlichen sehr dankbar. Das hätte auch anders ausgehen können. 2009 war kein „gutes Jahr", eher ein „Durcheinander-Jahr". Vielleicht haben Sie es bemerkt. Vielleicht - und das wäre noch schöner - ist Ihnen das gar nicht aufgefallen.
Auch im Redaktionsbeirat gab es einen Wechsel. Anne Henning ist ausgeschieden, bleibt aber - gelegentlich - als Autorin erhalten. Ich danke ihr für frische, kantige und einladende Beiträge.
Für sie habe ich Kathrin Oxen in den Redaktionsbeirat gebeten, eben wieder frisch gekürte Predigtpreisträgerin. In der Presse war zu lesen: „Der zum 10. Mal vergebene ökumenische Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG (Bonn) geht 2009 in der Kategorie ,Beste Predigt' an Kathrin Oxen. Die Pastorin der evangelisch-reformierten Gemeinde Bützow in Mecklenburg wird für eine Predigt über das älteste Lied der Bibel, das so genannte Mirjam-Lied (2. Mose 15,20f.), ausgezeichnet." Schön, dass sie zu uns gehört - seit Jahren übrigens, und nun mehr denn je.

Finanzminister schreiben das Jahr 2010 ab, lese ich in der Süddeutschen Zeitung schon im Herbst 2009.
Wo sollen wir hingehen? Das ist die Petrusfrage aus dem 13. Kapitel bei Johannes. Und Petrus geht die falschen Wege. Wie die Kirche auch immer wieder - Kind ihrer Zeit - falsche Wege gegangen ist. Beim Lesen in 150 Jahren PASTORALBLÄTTER-Bänden fällt eben auch dies auf. Aus der Distanz.

In seinen „Abschiedsreden" gibt Jesus eine Weisung, einen Weg, beschreibt eine Zukunft:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Johannes 14,1-6)

Das also legen wir als Pfund in die Waage. Nicht ein Tierzeichen, nicht einen Stern, nicht einen Kometen. Jesus Christus ist unser „Pfund", unser Bürge. Hatten wir auch nicht anders erwartet, wird der eine oder die andere denken. Das sagt die Kirche immer.
Aber da steht so vieles dafür, ganze Biografien - ich will nicht einmal die großen bemühen, eher die unbekannten. Ein Hinterbliebener schreibt mir: „Bemühen um diesen Glauben ... Mehr können wir Menschen nicht verlangen. Wir können nur fragen, und dann auf Antwort hoffen. Nach meiner Erfahrung, verbunden mit einer ewigen Fragerei nach dem Sinn des Lebens, stimmt das Bibelwort: Bittet, so wird euch gegeben. Mir wurde viel gegeben, und ich durfte in jenen schweren Tagen dieses Geschenk an meinen Bruder weitergeben. Dafür danke ich Gott."

So wird es uns wohl immer gehen. Mit kleiner Münze zahlen wir an, was wir nicht wirklich zu geben in der Lage sind. Wir zahlen an in der Hoffnung, dass ein anderer gibt, dem wir trauen. Uns muss das klar sein, dass nicht wir die Lösung sind. Dass wir nur anzahlen, auf eigenen Kredit.
Andere lehnen sich an unseren oft brüchigen Glauben an. Das macht uns gelegentlich stolz. Meist aber eher demütig. Manchmal wird es zur Last. Sie sollen ja nicht uns glauben, sondern dem, der da eine Wohnung hat jenseits aller irdischen Häuser und Hütten. Und sie sollen sich nicht an unserer Brust ausruhen, ihr erschrockenes Herz nicht unserem Herzschlag anpassen.

Nun gehen die PASTORALBLÄTTER ins 150. Jahr und sind damit die älteste deutschsprachige praktisch-theologische bzw. homiletische Zeitschrift. Alter hat heute keinen wirklichen Wert mehr, aber „Nachhaltigkeit". Sprechen wir also von der Nachhaltigkeit der PASTORALBLÄTTER bzw. der Zeitschrift „Gesetz und Zeugniß" - denn so fing 1858/1859 einmal alles in Leipzig, später in Dresden an. Dabei wollen wir nicht die Vergangenheit feiern, sie ist so brüchig wie alles veröffentlichte kirchliche Leben. Wir wollen mit den Leserinnen und Lesern, mit unseren Autorinnen und Autoren mitwirken an der Gestaltung der homiletischen, liturgischen, poimenischen - insgesamt der praktisch-theologischen Gegenwart unserer Kirche. Denn schon von „Zukunft" zu sprechen scheint mir angesichts der rasanten Umbrüche eine Hybris.

150 Jahre PASTORALBLÄTTER - das fordert heraus. Erst recht, weil wir derzeit (wieder) in „Umbrüchen" leben. Der ehrliche Umgang damit ist mir wichtig. Wer will schon feiern, ohne nachzudenken? Doch es gilt ebenso, vorzudenken.

Deshalb lobt der Verlag einen Nachwuchs-Predigtpreis der PASTORALBLÄTTER aus. Diesen „Wettbewerb"-Hinweis sollten Sie als Leserinnen und Leser der PASTORALBLÄTTER insbesondere an junge Kolleginnen und Kollegen weitergeben.

Die PASTORALBLÄTTER im KREUZ Verlag erscheinen im Jahr 2010 im 150. Jahrgang. Sie sind damit die älteste deutschsprachige homiletische Fachzeitschrift. Die PASTORALBLÄTTER laden Studierende der Theologie, Vikarinnen und Vikare sowie Pfarrerinnen und Pfarrer in den ersten drei Dienstjahren ein, sich an einem „Nachwuchs-Predigtwettbewerb 2010" zu beteiligen. Eine Jury um Schriftleiter Pfarrer Gerhard Engelsberger, Wiesloch, Professor Dr. Albrecht Grözinger, Basel, u. a. wird die eingesandten Predigten bewerten. Der Predigtpreis der PASTORALBLÄTTER wird 2011 in Wittenberg vergeben. Die Gewinnerin/der Gewinner erhält 500,- Euro, ein kostenloses Jahres-Abonnement der PASTORALBLÄTTER und einen Buchgutschein des Verlags. Die Predigt wird in den PASTORALBLÄTTERN veröffentlicht.

Folgende Voraussetzungen sind zu erfüllen:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer senden bis zum 1. April 2010

  • eine Predigt zu Römer 3,21-28.(29-31) (Perikopentext zum Reformationstag) mit maximal 12.000 Zeichen inkl. Leerzeichen etc.,
  • zwei (ein Eingangs-, Buß- oder Tagesgebet, oder Bausteine für ein Fürbittengebet) Gebete aus eigener Formulierung
  • fünf Liedvorschläge aus dem Stammteil des EG
  • sowie eine Überschrift für das Ganze als Word-Datei an den Schriftleiter: gerhard.engelsberger@online.de.

Damit beginnt ein Jubiläumsjahr 2010 der PASTORALBLÄTTER, an dem möglichst viele Freude haben oder finden an einer der wichtigsten Aufgaben und Charismen, dem Predigen.

Ich möchte - soweit dies möglich ist - in jeder Ausgabe des Jubiläumsjahres einige Seiten veröffentlichen, die mir aus 150 Jahren PASTORALBLÄTTER bemerkenswert erschienen. Das ist bei ca. 130.000 Seiten kein wirklich „objektives" Geschäft. Die Auswahl bleibt subjektiv. Sie erscheint jeweils unter der 2010 zusätzlichen Rubrik 150 Jahre PASTORALBLÄTTER. (In dieser Ausgabe - die letzten Seiten des Januarheftes - ist diese Rubrik sehr viel ausführlicher gestaltet als in den kommenden Heften.)

Die Bausteine werden im Jahr 2010 auf Wunsch vieler Leserinnen und Lesern etwas mehr Gebete zum Inhalt haben. Die Themengottesdienste über „apokryphe Texte" werden ein zweites Jahr fortgesetzt.
Der Redaktionsbeirat hat mit dem Schriftleiter beschlossen, gelegentlich Beiträge in einer Rubrik „Pastorale Identität" zu veröffentlichen. Uns zeigt sich an diesem Punkt eine deutliche Krise, der wir zukunftsweisend und konstruktiv begegnen wollen.

Da noch eine ganze Reihe von Antworten auf unsere Leserinnen- und Leserbefragung nach der Redaktionsbeiratssitzung im September eingegangen sind, werde ich die detailliertere Auswertung auf auf eine der nächsten Nummern verschieben. Und: Noch einmal bitte ich um Ihre Mail-Adresse. Sie dient der schnelleren Kommunikation (ausschließlich) zwischen mir und Ihnen.

Mit den besten Segenswünschen für das Jahr 2010 grüße ich alle Abonnentinnen und Abonnenten ganz herzlich mit der Gebetsbitte um viele unerschrockene Herzen.

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