Das kleine Glück

Ich kam abends von einer Besprechung im Rathaus, ging ich am Spielplatz neben dem Gemeindehaus vorbei. Der Spielplatz, zuvor auf dem Hinweg richtig voll mit Kindern, Müttern, Vätern, war zwischenzeitlich leer. Bis auf ein Spielgerät. Auf der großen Schaukel saß ein Mann, vielleicht 28, 30 Jahre alt, und schaukelte. Und ich schaute auf das Schild: „Für Kinder bis zu 12 Jahren" und wollte anhalten und etwas sagen, da sah ich sein Gesicht. Der junge Mann strahlte. Pure Lebensfreude. Schaukelte immer höher, vollkommen versunken in dieses Spiel. Ich habe ihn nicht gestört. Das war schon gut so. Für einige Minuten war da ein sorgloser Mensch und hatte auf einfachste Weise Freude am Leben.
Nun im Spätsommer legte ich mich etwas „ramponiert" nach einer 90-km-Radtour in den Schatten eines Baumes am Eingang eines Schlossparks. Müde beobachtete ich zwei einfache Alte. Wahrscheinlich Mann und Frau. Vielleicht Spätaussiedler. Um die 80. Beide hatten Schuhe und Socken ausgezogen, auf eine Bank gestellt und gingen mit sachten, vorsichtigen Schritten, wohlig gespreizten Zehen und strahlenden Gesichtern durch den von der Abendsonne aufgewärmten Sand eines Kinderspielplatzes. Sie drehten still, ohne ein Wort, fast meditierend im warmen, feinen Sand ihre Runden, 20, 25 Minuten vielleicht. Dann gingen sie schließlich zurück zur Bank. Die Frau zog ihrem Mann Strümpfe und Schuhe an. Ein Bild zärtlicher Liebe im Alter. Ein Bild des reinen Glücks.
Solange - so denke ich mir - solch einfache Dinge Erwachsene und Alte noch zum Leuchten bringen, ist mir nicht bang. Klaus Hoffman singt: „Hol mir die Kraft aus Sommertagen, und lebe im November davon". Die Erinnerung an diese Szenen ist wie das tiefe Einatmen frischer, reiner morgendlicher Sommerluft.

Pastoralblätter-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen Pastoralblätter-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.