Leitfaden für die StellensucheWelche Kita passt zu mir?

Die Auswahl an offenen Stellen im frühpädagogischen Bereich ist groß. Doch wie finden Fachkräfte die für sie persönlich passende Einrichtung? Folgende Anregungen können dabei helfen.

Welche Kita passt zu mir
© Harald Neumann

Es ist noch nicht so lange her, da musste schon einiges passieren, bevor pädagogische Fachkräfte sich eine neue Stelle suchten. Die meisten haben lange Zeit so manche Widrigkeit in ihren Kitas erduldet und mitgetragen. Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert: Fachkräfte sind deutlich selbstbewusster als früher und mehr darauf bedacht, in Einrichtungen zu arbeiten, die ihren persönlichen Ansprüchen entsprechen. In Zeiten massiven Personalmangels haben sie dabei rein quantitativ eine große Auswahl. Die Kita-Landschaft ist zudem vielfältig, sodass jede Fachkraft theoretisch auch die Möglichkeit hat, eine Einrichtung zu finden, deren pädagogische Qualität sie überzeugt. Doch welcher Weg führt auf der Suche nach einer passgenauen Anstellung zum Ziel? Was ist dabei zu beachten und in welcher Reihenfolge sollten die einzelnen Schritte der Arbeitssuche erfolgen?

Eine Fachkraft, die sich neu orientieren möchte, sollte sich zunächst ein paar zentrale Fragen stellen und die Antworten schriftlich festhalten:

  • Warum suche ich eine neue Stelle?
  • Was verspreche ich mir von der neuen Stelle?
  • Wie realistisch sind meine Wünsche? Gibt es evtl. Punkte, bei denen ich bereit wäre, Abstriche zu machen?

Die Beantwortung dieser Fragen hilft, individuelle Kriterien und Schwerpunkte zu klären und somit die Stellensuche von Anfang an gezielt und strukturiert zu gestalten.

Erste Online-Recherche

Unabhängig davon, ob sich eine Fachkraft initiativ bewirbt oder auf Stellenanzeigen antwortet: Zunächst geht es darum, möglichst aussagekräftige Informationen über potenzielle Arbeitgeber einzuholen.
Die erste Recherche erfolgt dabei meist auf den Websites von Trägern und Einrichtungen. Fachkräfte sollten dabei u.a. vergleichen, wie viel sie bereits auf diesem Weg über einzelne Kitas erfahren können, denn auch das sagt u.U. schon viel über die Einrichtungen aus:

  • Wie ist die Website strukturiert und gestaltet? Spricht sie mich insgesamt an?
  • Erhalte ich schon online präzise Informationen zu den Profilschwerpunkten?
  • Kann ich mir ein Bild von der konzeptionellen Arbeit machen?
  • Was erfahre ich über Räumlichkeiten, Gruppengrößen und das Team?
  • Welche Informationen werden als erste angezeigt, wenn ich den Namen der Einrichtung in eine der gängigen Suchmaschinen eingebe?

Für den Entscheidungsprozess, in dem die Fachkraft für sich klärt, wo sie sich bewerben möchte, aber auch für Anschreiben und Vorstellungsgespräche ist es ratsam, sich schon während der Online-Recherche Notizen über die einzelnen Einrichtungen zu machen.

Eigener Eindruck vor Ort

Auch wenn die Online-Recherche schon etwas Klarheit gebracht haben mag: Ein verlässliches Bild von Einrichtungen können sich Fachkräfte nur vor Ort machen, am besten im Rahmen einer Hospitation. Durch das kurze Eintauchen in den Kita-Alltag erfahren sie etwa, welches Klima im Team herrscht. Vor allem aber erleben sie den Umgang mit den Kindern und bekommen so einen Eindruck von der pädagogischen Haltung der Einrichtung:

  • Sind die Fachkräfte viel mit sich selbst beschäftigt oder überwiegend den Kindern zugewandt?
  • Sprechen die Fachkräfte eher über die Kinder oder mit ihnen? Begleiten sie ihr Tun sprachlich? Nutzen sie eine kindgerechte und gewaltfreie Sprache?
  • Nehmen die Fachkräfte die Bedürfnisse der Kinder wahr und gehen sie auf diese ein?
  • In welchen Bereichen des Alltags können die Kinder mitbestimmen?
  • Wie gestaltet die Einrichtung kleine Übergänge, z.B. vom Freispiel in den Morgenkreis?
  • Wie werden Essens- und Schlafsituationen gestaltet?
Hospitierende Fachkräfte sollten die Gelegenheit nutzen, um mit ihren potenziellen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Dabei werden sie schnell feststellen, ob diese sich über Zuwachs im Team freuen würden oder diesem eher kritisch gegenüberstehen. Es lohnt sich außerdem nachzufragen, wenn eine konkrete Alttagsituation als schwierig bzw. widersprüchlich empfunden wird – evtl. gibt es dafür eine plausible Erklärung.

Rahmenbedingungen klären

Neben den pädagogischen Aspekten sollten sich Fachkräfte über konkrete Rahmenbedingungen informieren. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten, die sich gut ergänzen: Zum einen das Gespräch mit den Fachkräften, zum anderen das Bewerbungsgespräch mit Kita-Leitung und Träger. Folgende Fragen können geklärt werden:

  • Wie viel Vor- und Nachbereitungszeit ist veranschlagt?
  • Finden regelmäßige Teambesprechungen statt?
  • Wie viele pädagogische Tage sind vorgesehen?
  • Wie viele Fort- und Weiterbildungstage stehen jeder Fachkraft jährlich zu?
  • Ist ausreichend Haushaltsbudget vorhanden, um qualitativ arbeiten zu können?
  • Wie hoch ist der wöchentliche Arbeitsumfang?
  • Wie ist der Ausgleich eventueller Mehrarbeit geregelt?
  • Wie viel Urlaub steht den Fachkräften zu?
  • Gibt es Maßnahmen zur Mitarbeiterfürsorge und Personalbindung?
  • Wie hoch ist das Gehalt?

Wenn Träger Stellenanzeigen aufgeben, werden in diesen oft verlockende Versprechen gegeben, z.B. zu Fortbildungsmöglichkeiten. Hier kann es sich auf jeden Fall lohnen, nochmal diplomatisch nachzuhaken und deren tatsächliche Umsetzung zu überprüfen.
Aber auch die andere Seite wird Kompetenzen, Interessen und Erwartungen der Bewerberin bzw. des Bewerbers abfragen. Es ist deshalb sinnvoll, sich auch auf diesen Teil der Gespräche gründlich vorzubereiten. Denn selbst wenn viele Einrichtungen aktuell unter massivem Personaldruck stehen: Pädagogische Fachkräfte sollten nicht vergessen, dass sie bei einer Hospitation und im Gespräch mit der Kita-Leitung immer Werbung in eigener Sache machen. Auch hier zählt der erste Eindruck.
Je überzeugender eine Kita bzgl. der oben genannten Punkte abschneidet, desto weniger Probleme wird sie vermutlich haben, gutes Personal zu finden. Umso wichtiger also, sich im Vorfeld über eigene Qualifikationen und pädagogische Grundhaltungen Gedanken zu machen – und sich dadurch überzeugend präsentieren zu können.

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