Fernsehen geht nicht ohne Regeln"Darf ich das sehen?"

Eltern, die Kindern das Fernsehen verbieten, machen einen Fehler. Aber Kinder dürfen auch nicht alles schauen und vor allem nicht so lange und oft sie wollen.

Fernsehen geht nicht ohne Regeln:
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Kaum ein Haushalt ohne Fernseher, der PC ist weiter auf dem Vormarsch, und virtuelle Spaziergänge im World Wide Web sind inzwischen so selbstverständlich wie der reale Gang vor die Tür. Wen wundert's, dass die allgegenwärtige Präsenz der Medien sich auch in der Welt unserer Kinder widerspiegelt? Da kennen schon Vierjährige den genauen Sendeplatz der Sesamstraße oder die Namen von Vorabendserienhelden. Da beherrschen Sechsjährige virtuos eine Anzahl von Computerspielen und belächeln ihre Eltern, die immer noch mit der Textverarbeitung kämpfen. Schulkinder bewegen sich im Internet, als seien sie dort zu Hause.

Zwischen Teletubbies und Nintendo - braucht unser Kind Hilfe im Medienalltag?

Und genau hier beginnt für viele Eltern das Problem: Das eigene Kind soll natürlich nicht abseits stehen, soll sich in der medial geprägten Welt zurechtfinden und in seinen Chancen gefördert werden - der nutzbringende Umgang mit den alten und neuen Medien gehört dazu. Andererseits muss die Flut von allzu oft schlechten TV-Sendungen für den Nachwuchs zwingend kanalisiert werden. Viele Computerspiele sind schlicht minderwertig, und immer wieder erscheinen Meldungen über den pädagogisch fragwürdigen Einfluss der Medien auf die kindliche Entwicklung.

Ohne elterliche Hilfestellung und Begleitung kommen unsere Kinder also nicht aus. Denn sonst ist die Gefahr, dass sie sich im Mediendschungel verlaufen, in der Tat ziemlich groß. Doch wo finden Eltern grundlegende Hinweise für den adäquaten Umgang mit TV, PC & Co? Im Folgenden eine erste Orientierung und einige Tipps.

Fernsehen - es geht nicht ohne feste Regeln

Auch wenn Sie nie Programmdirektorin werden wollten - wenn es um die Steuerung des kindlichen Fernsehkonsums geht, müssen Sie diese Rolle übernehmen. Und zwar sowohl in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht. Denn es scheint eine unverrückbare Tatsache zu sein: "Vögel wollen fliegen, Bienen wollen summen. Kinder wollen fernsehen." (Harald Martenstein). Aber: Ein Kind, das jünger als vier Jahre ist, gehört nicht vor die Flimmerkiste. Das Kennenlernen der echten Welt sollte hier Vorrang vor der Erfahrung der virtuelllen haben. Auch für Vier- bis Sechsjährige müssen unbedingt einzuhaltende zeitliche Limits aufgestellt werden. Sie liegen bei 30-45 Minuten täglich, je nach Aufnahmefähigkeit des Kindes. Überprüfen Sie auch Ihre Sehgewohnheiten, einmal mehr sind Sie als Eltern Vorbild: Läuft der Fernseher Abend für Abend? Dann ist es natürlich schwieriger, gegenüber den Kindern eine Reglementierung durchzusetzen.

Dass Vielsehen Schaden anrichtet, ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Kinder, die mehr als 2-3 Stunden pro Tag laufende Bilder konsumieren, leiden unter den Folgen von Bewegungsmangel, sind unkommunikativer und schlechter in der Schule. Wenn ein Kind anfängt, sich der Fernsehwelt zu verschreiben, indem es z.B. seine Verabredungen nach dem Programm ausrichtet, sollten die elterlichen Warnlampen aufleuchten.

Was darf geguckt werden?

Welche Sendungen eignen sich für Kindergartenkinder? Da sind zuerst die pädagogisch anerkannten Kinderprogramme wie z.B. "Die Sendung mit der Maus", "Sesamstraße" und "Löwenzahn". Ihr Vorzug ist außerdem, dass sie frei von Werbung sind. Aber Kinder haben auch ein Recht auf lustige Unterhaltung ohne Lernziel - mit der "Biene Maja" oder "Alf".

Tabu sollten alle Gewaltprogramme sein - und das gilt auch für Nachrichtensendungen! Vorschulkinder werden von Bildern, die Auswirkungen von Kriegen und Katastrophen zeigen, verunsichert und überfordert. In diesem Zusammenhang eine weitere Empfehlung: Schauen Sie sich möglichst alles gemeinsam mit Ihren Kindern an und reden Sie auch schon während der Sendung über das Gesehene. So kann Ihr Kind seine Eindrücke direkt verarbeiten. Vielleicht hat es auch Spaß daran, einzelne Szenen nachzuspielen?

Durch bewusste Programmauswahl - wenn sie älter sind, auch gemeinsam mit den Kindern -, durch Gespräche über das Gesehene, durch das Offenheit für Anregungen lässt sich das Medium Fernsehen positiv in den familiären Alltag integrieren. Dass Sie als Eltern den Fernseher nicht als Druckmittel oder Instrument zur Machtausübung einsetzen, versteht sich dabei von selbst.

Weitere Informationen

Hilfestellung zum Thema können Sie sich bei dem bekannten Familienberater Jan-Uwe Rogge holen - in seinem Buch "Kinder können fernsehen. Vom Umgang mit der Flimmerkiste". Wenn Sie Videotipps benötigen, wenden Sie sich an das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (Küppelstein 34, 42857 Remscheid). Das gibt eine umfangreiche Empfehlungsliste mit Videos für Kinder von 5-11 heraus, ebenso regelmäßig die "Top-Videos für Kinder und Jugendliche".

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