Gefühle von KindernHeute bin ich fröhlich

Kinder machen schon sehr früh Erfahrungen mit ihren eigenen Gefühlen. Eltern sollten die emotionale Intelligenz bei Kindern fördern und ihnen helfen, Gefühle auszudrücken. Mit welchen einfachen Möglichkeiten können denn Eltern ihren Kindern Gefühle erklären?

Gefühle von Kindern: Heute bin ich fröhlich!
© Julia Dürr

Wie geht man, wenn man glücklich ist? Diese Frage beschäftigt den vierjährigen Leon gerade sehr. Seine Eltern und sein großer Bruder Tom sitzen auf dem Sofa und warten gespannt ab, wie Leon wohl gleich gehen wird. Das kleine Pantomime-Spiel hat sich nach dem Abendessen zufällig ergeben: Ausgangspunkt war die Frage, ob man am Gang erkennen kann, wie ein Mensch sich fühlt. Jetzt hüpft Leon vor dem Sofa hin und her, schwingt seine Arme und grinst breit. „Ja, das sieht glücklich aus“, ruft Papa, und alle applaudieren. Nun ist Tom an der Reihe. Er will versuchen, wütend zu gehen. Tom ballt seine Fäuste, macht ein ausgesprochen ernstes Gesicht und stampft mit den Füßen auf. „Bravo! Und wie geht man, wenn man traurig ist?“, fragt Mama. Leon macht’s vor: langsam, gebeugt und mit hängenden Schultern.

Grundvoraussetzung der emotionalen Intelligenz ist, sich darüber im Klaren zu sein, wie man sich gerade fühlt. Bin ich traurig oder fröhlich? Wütend oder müde? Ist mir langweilig oder schäme ich mich? Auf den ersten Blick scheint die Antwort ganz einfach zu sein. Doch ist sie das wirklich? Selbst uns Erwachsenen sind unsere Emotionen oft nicht bewusst: Manchmal erkennen wir zum Beispiel gar nicht (oder erst lange im Nachhinein), dass unsere feuchten Hände und die Magengeräusche in einer bestimmten Situation eigentlich Angst ausdrückten. Doch wie erwirbt man eine gute Selbstwahrnehmung? Wie entwickeln Kinder ein Gespür für ihre Gefühle? Und wie können wir sie dabei unterstützen? Emotionales Lernen beginnt unmittelbar nach der Geburt ganz automatisch.

Allein dadurch, dass ein Säugling von Anfang an viel feinfühlige Zuwendung erfährt, wird er bereits für seine Gefühle sensibilisiert. Deshalb lautet der erste und wichtigste Tipp an junge Eltern: Lassen Sie sich von Ihrer Liebe zu Ihrem Kind leiten, dann können Sie gar nichts falsch machen. Wenn beispielsweise ein Baby abends weint, weil es das Bedürfnis nach Nähe hat, und seine Eltern ihm dieses Bedürfnis erfüllen, indem sie es nicht schreien lassen, sondern bald beruhigen, eine Zeit lang an seinem Bettchen wachen, vielleicht ein leises Lied singen und über seine Wange streicheln - dann lernt das Baby, dass es sich auf seine Selbstwahrnehmung verlassen kann. Es lernt, dass seine Signale verstanden, ernst genommen und berücksichtigt werden. Es lernt, dass es in Sicherheit ist, dass seine Eltern es lieben und sich kümmern, sobald es ein Bedürfnis signalisiert.

So können Eltern Gefühle thematisieren

Je älter ein Kind wird, desto mehr lernt es über angenehme und unangenehme Stimmungen. Wir müssen gar nicht über sie sprechen, sondern wir reagieren einfach auf sie. Wir nehmen unser Kind in den Arm und trösten es, wenn es krank ist und sich unwohl fühlt; wir lachen gemeinsam aus vollem Herzen, wenn wir „Kuckuck - da!“ spielen. All diese Dinge, die Eltern ganz instinktiv tun, helfen ihrem Kind beim emotionalen Lernen. Es geht also nicht um „Lernen“ in einem schulischen Sinne, sondern darum, die Gefühle eher nebenbei und spielerisch zum Thema zu machen. Dazu im Folgenden ein paar konkrete Anregungen.

Gefühlsspiele: Noch bevor Ihr Kind sprechen kann, hat es großen Spaß an Mimikspielen, zum Beispiel, wenn Sie ihm verschiedene lustige Gesichtsausdrücke vormachen. Später, im Kindergartenalter, kann man Spiele nach diesem Prinzip verfeinern. Wie wäre es zum Beispiel damit: Sie sagen ein und denselben Satz in ganz unterschiedlicher Intonation und Lautstärke und Ihr Kind muss erraten, welche Gefühlslage jeweils dahintersteckt.

Bücher über Gefühle: Zum Thema Gefühle gibt es spezielle Bilderbücher. Doch auch in den Lieblingsbüchern Ihres Kindes lässt sich beim Vorlesen oder gemeinsamen Anschauen bestimmt viel entdecken: „Was denkst du, wie fühlt der sich wohl gerade? Hast du dich auch schon mal so gefühlt? Wie war das, erzähl doch mal …?“ Dabei geht es überhaupt nicht darum, ein Problem zu suchen. Allein ein Gefühl mal zu erwähnen, ein bisschen darüber nachzudenken - darum geht es.

Stimmungsanzeiger: Ein Stimmungsanzeiger regt Ihr Kind an, sich mit der Frage „Wie geht es mir im Moment?“ zu beschäftigen und sein momentanes Gefühl zu visualisieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ihn selbst zu basteln. Die einfachste: Auf einen Papierstreifen (halbes Din-A4-Blatt hochkant) malen Sie drei einfache Gesichter: Ganz oben ein glückliches (Mundwinkel nach oben), in der Mitte ein neutrales (Mund waagerecht) und unten ein trauriges (Mundwinkel nach unten).

Nun bitten Sie Ihr Kind, seine Stimmung auf dem Streifen zu zeigen. Der obere Rand des Streifens bedeutet „Glücklicher geht’s nicht“, der untere Rand bedeutet „Trauriger geht’s nicht“ - zwischen diesen Extremen kann es seine Stimmung einordnen. Es geht noch gar nicht um das Warum oder um eine weitere Differenzierung (das kann später kommen).

Vielleicht muss Ihr Kind auch erst eine Weile überlegen, oder es braucht ein wenig Anleitung. Wenn es seine Stimmung auf dem Streifen gezeigt hat, klemmen Sie eine Büroklammer dorthin. Später kann man dann vergleichen: „Fühlst du dich jetzt anders als vorhin?“

Emotionswürfel: Dieser Würfel funktioniert nach demselben Prinzip, zeigt aber differenziertere Gefühle - insgesamt sechs. Auf jeder Seite ist ein Gesicht abgebildet: ein fröhliches, ein trauriges, ein ängstliches, ein müdes, ein überraschtes und ein wütendes. Einen solchen Würfel kann man aus einem Kunststoff-Fotowürfel (erhältlich im Fotofachhandel) und eigenen Bildern selbst herstellen: Bitten Sie Ihr Kind, die sechs Gefühle zu schauspielern („Mach doch mal ein ganz fröhliches Gesicht!“, „Jetzt guck mal ganz wütend“ und so weiter); die verschiedenen Gesichtsausdrücke fotografieren Sie, drucken sie aus und fügen sie in den Würfel ein. Der Würfel kann zum Beispiel auf dem Nachttisch Ihres Kindes liegen; und die Seite, die nach oben weist, zeigt an, wie sich Ihr Kind gerade fühlt.

kizz Buchtipp

Hat Ihnen dieser Auszug aus unserem Buch „Du verstehst mich nicht!“ gefallen? Dann lesen Sie mehr darüber, wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können, seine eigenen Emotionen, und die anderer, zu verstehen und mit ihnen umzugehen.

Sebastian Bröder, Du verstehst mich nicht! Wie Kinder lernen mit Gefühlen umzugehen. Verlag Herder 2014. 64 Seiten. 8,95 €

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