Auf Rollen und RädernPraxis einer kindgerechten Verkehrserziehung

Der Straßenverkehr ist für Kinder sehr gefährlich. Darum sollten Eltern früh mt der Verkehrserziehung von Kindern beginnen. Je eher die Kinder um die Gefahren im Straßenverkehr wissen, desto besser.

Auf Rollen und Rädern: Praxis einer kindgerechten Verkehrserziehung
© Gila Hanssen - pixelio.de

Die Fahrzeugkarriere von Kindern beginnt mit dem Rutschauto, und mit jedem Lebensjahr kommen neue Roll- und Fahrgeräte hinzu. Jede dieser Fahrgelegenheiten fordert und fördert elementare motorische und sensorische Fähigkeiten, die als Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Straßenverkehr gelten können und somit auch zur kindgerechten Verkehrserziehung genutzt werden können.
Um die komplexen Anforderungen des Radfahrens bewältigen zu können, sind folgende Grunderfahrungen mit rollenden und fahrenden Geräten hilfreich (die folgenden Beispiele sollen keine methodische Reihenfolge darstellen, nach der das Radfahren am besten gelernt werden kann; die Kinder wechseln vielmehr gerne entsprechend ihren Fähigkeiten die Geräte und lernen so, sich selbst einzuschätzen). Rollbretter und Pedalos können das Angebot ergänzen. Sie liefern wesentliche Grunderfahrungen hinsichtlich der Raumorientierung und des Gleichgewichts, außerdem sind sie auch drinnen zu benutzen und bieten so wetterunabhängige Übungsmöglichkeiten.

Der Fuhrpark im Vorschulalter

Rollbrett

Rollbretter ermöglichen wichtige Erfahrungen der Raum-Lage-Wahrnehmung und der Raumorientierung. Im Spiel assoziieren die Kinder das Rollbrett fast automatisch mit einem Auto. Es liegt daher nahe, ihre Spielideen mit verkehrsähnlichen Spielsituationen zu verbinden (Slalomfahrten um Hindernisse, Verkehrsampeln mit Stop- und Fahrsignalen, Tunnel und Parkplätze, vgl. ZIMMER/CICURS 1995, 160 f.).

Pedalo

Pedalos fördern Gleichgewicht und Koordination. Jüngere Kinder suchen sich zunächst Hilfen, um auf dem Pedalo stehen zu können (Stäbe, Longen oder einen stützenden Partner).

Rutschauto

Das Rutschauto ist bei fast allen Kindern der erste fahrbare Untersatz. In sicherer Ausgangsposition - im Sitzen - kann man sich fortbewegen, und es bedarf kaum spezieller motorischer Voraussetzungen, so dass es insbesondere für jüngere Kinder geeignet ist.

Kindertraktor

Der Kindertrecker bietet noch die Sicherheit des Fahrens auf vier Rädern, bedarf aber schon der Trettechnik und einer gezielten Lenkung. Da man mit ihm nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts fahren kann, wird das Steuern und Lenken hier zu einer besonderen Herausforderung.

Dreirad

Das Dreirad ist die eigentliche Vorstufe des Fahrrades. Es stellt kaum Anforderungen an das Gleichgewicht, die selbständige Regulierung der Beschleunigung, das beidseitige Treten der Pedale, Lenken und Ausweichen vor anderen Mitspielern verlangen von den Kindern jedoch eine Reihe koordinierter Mehrfachhandlungen.

Roller

Der Roller ist, nachdem er zeitweise ganz aus der Mode gekommen war, in den letzten Jahren glücklicherweise wiederentdeckt worden. Er gehört zu den besten Trainingsgeräten für die Gleichgewichtsfähigkeit und ist als Spiel- und Fahrgerät bereits ab dem 3. Lebensjahr sehr vielseitig (und lange) zu gebrauchen. Das Auf- und Absteigen erfordert Koordination, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen. Allerdings kann das Kind dabei ganz behutsam entsprechend seinen Fähigkeiten die Beherrschung des Rollerfahrens erlernen: Ein Fuß steht auf der Trittfläche, mit dem anderen schiebt man langsam an, so dass die Beschleunigung selbst gesteuert und gesteigert werden kann, bis es dann zum Anlaufen, Aufspringen und zum Fahren mit beiden Füßen auf dem Roller reicht. Hindernisse umfahren und selbst auf holprigem Untergrund das Gleichgewicht halten - das alles erhöht die Anforderungen an die Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit, und auch ältere Kinder erfinden immer noch neue Rollerkunststücke. 
Rollerfahren stellt die ideale Vorbereitung auf das Fahrradfahren dar. Es erfordert ähnliche Gleichgewichtsreaktionen beim Fahren und Lenken, man kann aber immer noch schnell abspringen oder bei Unsicherheit das freie Bein zum Abstützen benutzen.

Kettcar

Das Kettcar hat eine sehr einfache Fahrtechnik. Es kann schon von 4- bis 5jährigen problemlos betätigt werden und wird daher von Eltern oft auch dem Fahrrad vorgezogen. Beim Kettcarfahren muss sich das Kind weniger auf motorische Anforderungen konzentrieren, es hat deswegen Gelegenheit, seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung zu richten, fährt Slalom oder übt das Rückwärtsfahren, Rangieren etc. In Schulen wird das Kettcar daher oft auch als Mittel zur Verkehrserziehung eingesetzt. Situationsgerechte Ausweichmanöver, Kurvenfahren, Beschleunigen und Abbremsen fördern Reaktion, Raumorientierung und Steuerungsfähigkeit. 

Kinderfahrrad

Das erste Kinderfahrrad hat oft zwei seitliche, abschraubbare Stützräder. Anders als beim Dreirad, bei dem sich die Last gleichmäßig auf das Vorderrad und die beiden Hinterräder verteilt, stellen die beiden Stützräder links und rechts vom Hinterrad eine sehr unsichere Balancehilfe dar. Auf unebenen Straßen und beim Kurvenfahren ist die Gefahr des Stürzens groß. Das Kind bekommt ein völlig falsches Gefühl von Sicherheit, es kann das Gleichgewicht nicht selbst regulieren und fährt mit den Stützrädern eigentlich genauso wie mit einem Dreirad.

Vor dem Einsatz von Stützrädern ist daher abzuraten. Sie erleichtern das Radfahren nicht, sondern können es sogar erschweren, da die für das Fahrradfahren wichtigste Voraussetzung - ein gutes Gefühl für das Gleichgewicht - nicht vermittelt wird. 

Eine bessere Vorbereitung auf das Fahrradfahren ist das "Laufrad": Bei einem (älteren, gebrauchten) kleinen Fahrrad werden die Pedale abgeschraubt, so dass das Kind sich rechts und links mit den Füßen abstützen und auch abstoßen kann. Hier kann das Kind mit dem Gleichgewicht experimentieren, bei Gefahr die Füße aufsetzen und das Auf- und Absteigen problemlos bewältigen.

Fahrradfahren erfordert bei Kindern bereits ein hohes Maß an Koordinationsvermögen, an Gleichgewichts- und Orientierungsfähigkeit. Vor allem während der Phase des Erlernens des Radfahrens vollbringen die Kinder zudem große Ausdauerleistungen: Aufsteigen, ein kurzes Stück fahren, absteigen, erneut aufsteigen - ständige Wiederholungen sind Voraussetzungen für das Üben der sehr komplexen Anforderungen. Wenn Kinder es sich in den Kopf gesetzt haben, das Radfahren zu erlernen, üben sie unaufhörlich. Wichtig ist dabei, dass sie hierfür genügend - gefahrlose - Freifläche zur Verfügung haben. Radfahren erfordert jedoch nicht nur motorische Geschicklichkeit, sondern auch Konzentration und Reaktion. Die Kinder müssen auf die Bodenbeschaffenheit, die Umgebung, auf mitfahrende andere Radler und vor allem auf andere Verkehrsteilnehmer achten.

Rollschuhe

Rollschuhe, auch wenn derzeit die Inline-Skates den Rollschuhen den Rang ablaufen, sollten im Kindergartenalter als die sicherere Variante der nebeneinanderliegenden Rollen genutzt werden. Da aber auch hier die Anforderungen an die Gleichgewichtsfähigkeit sehr hoch sind, kann man erst etwa ab dem 5. Lebensjahr damit rechnen, dass die Kinder die notwendigen Anpassungsleistungen erbringen können. Zu Beginn kann man z.B. erst einmal mit einem Rollschuh "rollern" (mit dem rollschuhlosen Bein antreten oder die Balance sichern). Hilfreich ist es auch, sich an feststehenden Gegenständen (Geländer, Hauswand) oder an einem Partner festzuhalten.

Schutzhelm

Der Schutzhelm: Von der Sicherheitsauflage zum Statussymbol:
Das Tragen eines Schutzhelms sollte Kindern so nahegebracht werden, dass sie es als besondere Auszeichnung empfinden. Bei Rollern und Fahrrädern sind die Helme verpflichtend (Fahrradunfälle sind zu ca. 80% mit Kopfverletzungen verbunden), aber auch Trecker- und Dreiradfahrer sollten es als Ehre ansehen, vor der Betätigung ihres Fahrzeugs einen Helm anzulegen. Schließlich tragen die "echten" Moped- und Motorradfahrer auf der Straße auch einen Helm, und selbst "Schumi" steigt nicht ohne Sturzhelm in sein Rennauto! So können bereits im Kindergartenalter Gewohnheiten aufgebaut werden, die auch die passive Sicherheit der Kinder erhöhen.

Automatisierte Bewegungen schaffen Raum für Aufmerksamkeit

Der Kindergarten ist ein besonders guter Ort für eine sinnenvolle Verkehrserziehung: Sich in der Gruppe auf Fahr- und Rollgeräten zu bewegen bedeutet immer auch, sich nicht nur an die Geräte, sondern an die Handlungen der Mitspieler anzupassen, sie zu beobachten, zu interpretieren, mögliche Reaktionen vorherzusehen, die Perspektive eines anderen einzunehmen. Genau das sind Fähigkeiten, die das Kind auch im Straßenverkehr benötigt. Neben dieser kognitiv-geistigen Beanspruchung ist der Umgang mit den Fahr- und Rollgeräten auch mit hohen motorischen und sensorischen Herausforderungen verbunden.

Die koordinativen Leistungen, die das Kind im Umgang mit dem Pedalo oder dem Kettcar vollbringen muss, die Gleichgewichtsanforderungen, die Roller und Fahrrad an es stellen, tragen zur Automatisierung der hier erworbenen Fertigkeiten bei:

Lenken, die Spur halten, die Geschwindigkeit steuern, Abbremsen, Hindernisse umfahren, das Gleichgewicht halten bzw. immer wiederfinden - je automatisierter diese Handlungen ablaufen, um so mehr Aufmerksamkeitskapazität ist frei für die unvorhersehbaren Ereignisse des Straßenverkehrs.

Dieses Training kommt den Kindern in ihrer Rolle als Fahrradfahrer sicherlich zugute, denn nur dann, wenn die motorischen Anforderungen soweit gefestigt sind, dass sie automatisiert sind und fast unbewusst ablaufen, können sie die Aufmerksamkeit auf höhere Anforderungen im Straßenverkehr lenken. 

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