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kindergarten heute Bonustrack: Ich fühle mich manchmal wie die Anwältin der Familie
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Intro: Der Kindergarten heute Bonustrack – Fachmagazin.
Karen Sachse (kindergarten heute): Total schön, dass Sie eben Zeit haben für das Tür- und Angergespräch. Welche Sprache sprechen Sie denn noch? Also in welchen Sprachen vermitteln Sie denn quasi in Kitas?
Neli Lecheva: Also ich komme aus Bulgarien, also Bulgarisch, Muttersprachlerin. Bulgarisch, Russisch auch, aber zur Zeit oder mit Russisch wurde ich noch nie angefragt, weil es gibt so viele russisch sprechende Menschen, also Muttersprachler in Deutsch und deswegen, ja, eigentlich nur Bulgarisch, sagen wir mal so.
Karen Sachse: Ja, ich find es ein ganz tolles Konzept Sprachmittlung in Kitas und Sie da unterstützen. Können Sie da einfach bisschen was davon erzählen, wieso Ihr Alltag dann aussieht, wenn Sie in die oder in eine Kita kommen und dort helfen?
Neli Lecheva: Ich muss aufpassen, weil ich selber bis vor kurzem 11 Jahre lang in einer integrativen Kita gearbeitet habe. Deswegen nicht, dass ich da alles durcheinander bringe, weil ich beide Seiten kenne. Ich habe selber Dolmetscher bestellt für unsere. Das war sozialer Brennpunkt, ganz viele Menschen mit Migrationshintergrund und aus bildungsschwachen Schichten, also Familien, sagen wir mal, […] ich bin sehr beliebt. Ich werde immer wieder angefragt für die gleichen Fälle oder für die gleichen Familien, weil wenn die mit mir einmal schon mal gearbeitet haben, dann sind die begeistert und wollen weiterhin mich. Ich bin ja auch vom Fach, also Diplom-Pädagogin und deswegen, ich weiß, wie ich das mache und wie ich die Leute dazu verleite, Vertrauen zu haben. Und wenn ich jetzt die Eltern oder die Familie noch nicht kenne, das erste Mal, dann denke ich mir, ja, hoffentlich ist das jetzt genauso wie immer mit diesem Vertrauen, dass ich schnell Vertrauen schaffe, das war nie ein Problem, aber trotzdem, das beschäftigt mich und was wohl das jetzt für eine Familie ist. Das Problem kenne ich schon im Voraus, wurde mir von der Kita mitgeteilt ein bisschen, dass ich halt alle meine Kenntnisse und Fähigkeiten, sage ich mal, einsetzen kann, um da richtig helfen zu können. Wenn die Kitas sehen, dass ich auch pädagogisch was drauf habe oder dass ich vom Fach bin, dann ist es oft auch so, dass ich denen Tipps gebe oder ich frage, kennen Sie das und das oder wurde schon das und das gemacht, und ich bin dann nicht mehr zum Dolmetscher dann in dem Fall nicht mehr, aber die sind mir so dankbar, weil ich wirklich sehr gut bin in diesem Fach.
Kenn hier das ganze Sozialsystem und was es gibt noch für Hilfen für die Kinder. Und die sind alle so dankbar, die Familien sowieso, dass ich dann wie gesagt immer wieder werde ich angefragt, frage aber immer, durfte ich ihnen einen Rat geben oder durfte ich, also dann höre ich auf zu dolmetschen und ich frage dann die Leitung oder die Sozialarbeiterin die Kita oder die Erzieherin von der Gruppe, frage ich dann, darf ich so und so? Da sagen sie, ja, klar, um Gottes Willen, das sind immer tolle Gespräche. Und beim Dolmetschen, da mache ich mir gar keine Gedanken, weil ich mache das schon immer, also eine gefühlte Ewigkeit. Und da habe ich gar keine Probleme. Ich passe immer auf. Also alle diese Regeln, die wir lernen bei den Fortbildungen, man soll nur neutral sein. Ich passe da oft auf, obwohl wenn ich die Eltern schon ein bisschen kenne, dann merke ich, wie ich so ein bisschen tendiere Richtung Anwältin der Familie. Besonders wenn da jetzt in der Kita irgendwas problematisch ist oder irgendwie so. Natürlich versuche ich, kann ich auch sehr gut die Wogen zu glätten und zu vermitteln. So, aber manchmal merke ich, oh, also aufpassen. Nicht Anwältin der Familie sein, sondern neutral und am besten eigentlich Sprachmittler ist eins zu eins. Die Familie sagt diesen Satz und ich dolmetsche das genau weiter, aber da ich mich ja auskenne und das ist dann so ein bisschen anders, aber das gefällt allen, die sind alle zufrieden, die Familien und die Kitas und ich am Ende. So ein gutes schönes Gefühl nach Hause. Bei uns sagt man, wenn man helfen konnte und wenn man etwas erreichen konnte für die für jemandem, egal jetzt für die sprechende Familie zum Beispiel, dann sagt man bei uns, Honig tropft aus meinem Herzen und das ist so für mich so ein Glück, einfach Glück. Ja, ich spüre hier in meinem Herzen so eine Zufriedenheit, so ein Glück, dass ich, die Neli, mit meinen Kenntnissen, Fähigkeiten, Dolmetscher, Künste sehr viel beigetragen habe, bin ich selber im sozialen Bereich tätig, weil Helfen mir sehr, sehr wichtig war die ganze Zeit noch als Kind und ich bin im sozialen Bereich tätig und das sehe ich jeden Tag, also wenn wir was gemacht haben und den Menschen geht es besser oder die haben Fortschritte in dem und dem Bereich oder die Hilfe bekommen, die sie gebraucht haben. Also das tut so gut.
Karen Sachse: Schön, das scheint ja, dass Sie genau das Richtige gefunden haben. Mich würde noch interessieren, was die Themen sind oder was es für Fälle gibt, zu denen Sie gerufen werden. Also was was für Gespräche sind das oder was für Probleme treten vielleicht eben auch auf in der Kita, bei denen Sie helfen können.
Neli Lecheva: Da kann ich von beiden Seiten jetzt berichten, weil das ist eigentlich immer das Gleiche. Immer sind das Kinder, egal ob Regelkindergärten oder integrative Kindergärten, da sind immer Kinder oder Familien, wo das Kind Probleme hat im Sinne von irgendwelche Beeinträchtigungen. Ja, das Kind muss sollte zum Beispiel Förderkind werden in eine integrative Kita oder von einer Regelkita als Förderkind in eine integrative Kita wechseln, weil hat das Kind hat Defizit in diesen und diesen Bereichen und das ist ein großer Prozess und viele Eltern, besonders mit Migrationshintergrund. Also ich finde hier dieses System in Deutschland ist toll gemacht, diese integrative Kita und die speziellen Schulen, also diese Förderschule und das ist wirklich top aber in vielen Ländern, auch in Bulgarien, obwohl das Europa ist, gibt es sowas nicht und keine Eltern wollen das wahr haben, dass egal was, egal ob Autismus oder egal welche Verhaltensauffälligkeit, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Für die Kita ist es sehr wichtig, erstmal zu den Eltern klar, dieses Vertrauen und wir wollen das Beste für Ihr Kind. Also erst denen klar machen, wir gehören, wir kämpfen zusammen für das Wohles des Kindes. Das sind diese drei Schritte. Einmal Vertrauen und die Eltern überzeugen. Das Kind sollte Förderkind werden. So, dann kommt SPZ und dann wenn alles fertig ist, also ich war bei der Diagnostik dabei beim SPZ und wenn alles fertig ist, bin ich dabei, um das zu mitzuteilen und zu erklären. Also was ist die Diagnose? Wie geht's weiter? Therapien und immer so, wo wirklich wichtig ist für das Kind zu kämpfen und das Beste zu machen und weiter Ärzte, Diagnostik. Ansonsten die anderen so sogar die anfangs die Anmeldung, wenn die Eltern kein Deutsch sprechen, da findet man immer irgendwie so vielleicht mit Verwandten oder keine Ahnung, so ein bisschen, für sowas werden wir nicht gerufen. Das ist aber wenn so Probleme so richtig für das Wohl des Kindes, für seine Entwicklung, für die Zukunft, dann sehr wichtig, dass jemand richtig gut dolmetschen kann. Da würden die Kitas pleitegehen, weil wir haben, es gibt Kitas in Deutschland, da 90% sind Menschen mit Migrationshintergrund. Jede Familie, wenn man jedes Mal für ein Entwicklungsgespräch Dolmetscher ruft und so, das [sind] einfach, denke ich mir, nicht genug finanzielle Mittel da, wenn alles gut ist jetzt mit den Kindern, ja, wenn alles gut läuft, man braucht jetzt kein Dolmetscher, man braucht eigentlich immer Dolmetscher, wenn etwas Problematisches da ist, wenn man weiter handeln müsste, wenn man weitere Schritte gehen sollte, wenn jetzt ein ganz normales Entwicklungsgespräch bei einem ganz normales Regelkind, das ist nichts Besonderes. Also die Eltern konnten so ein bisschen Deutsch, dass man sich irgendwie verständigt hat oder oft kommen Geschwister, so Teenager Geschwister, die schon sehr gut Deutsch können und bei sowas können die dann dolmetschen, weil das ist wie gesagt nichts super Wichtiges wie jetzt diese Förderdiagnostik beim SPZ, da sind auch so Dolmetschergespräche im Vorschulalter, wo man dann gucken muss, wohin geht die Reise und wie wir die Eltern gut beraten können. Also eigentlich wir dürfen, was heißt wir? Also […] für uns ist wichtig, also für die Kitaleute ist wichtig, dass die Eltern das alles kennen. Die kennen das nicht, die wissen das nicht, wie das in Deutschland ist. Und wenn wir das gut erklärt haben, dann Ja, mit einem guten Dolmetscher. Genau.
Deswegen ist Es ist sehr wichtig, dass sie bei solchen Gesprächen eben dabei sind, damit die Eltern gut ein Überblick dann bekommen können, damit sie am Ende eben auch entscheiden können für Ihr Kind. Auch immer am Anfang als Beruhigung und als Entspannung, so sage ich, dass ich selber in diesem Bereich arbeite und mich sehr gut auskenne und da sind die direkt lockerer, die wirken direkt entspannter, direkt so, wenn sie wissen, ah, die Dolmetscherin, die arbeitet in diesem Bereich, die kennt sich aus und da spreche ich noch die gleiche Sprache und manchmal, wenn wir noch vor der Tür warten oder Wartezimmer oder so, dann fragen sie mich, aus welche Stadt kommst du? […] Ah, ich wohne in der Nähe und so ein bisschen Smalltalk, man wird lockerer und das ist so der Einstieg. Das sind die nötigen Soft Skills. Ja, man sollte besonders für den sozialen Bereich. Die Hard Skills kann man immer lernen, sich dazu aneignen, aber wenn man die notwendigen Softskills nicht hat.
Karen Sachse: Wir haben ja drüber gesprochen, dass quasi in Kitas einfach Gesprächen eher dann manchmal vielleicht auch Geschwisterkinder oder Jugendliche, also jugendliche Geschwister mit einspringen. Was halten Sie da so davon, dass quasi dann die Geschwister diese Dolmetscherrolle übernehmen und kann ja auch immer mal ein Gespräch kann ja auch immer mal schwerer werden?
Neli Lecheva: Also normalerweise, das sollte nicht sein. Ja, und das wissen wir nur, wenn die Gespräche jetzt wie gesagt von nicht so enormer Wichtigkeit sind, wenn da keine Probleme sind, oder wir rufen an und das Kind braucht Ersatzkleidung oder das Kind braucht Keine Ahnung. Also so das sind so nicht so wichtige lebenswichtige Sachen, die da mitgeteilt werden müssen. Es ist sogar oft so gewesen, dass die Eltern direkt zum Beispiel die Telefonnummer von der ältesten Tochter oder Sohn uns mitgegeben haben, weil die kein Deutsch verstehen. Also das sind eher so die Arabisch sprechenden Familien. Dann haben wir, wenn so Kleinigkeiten waren, ja, zum Beispiel oder Kind ist krank, Kind muss abgeholt werden. Wie teilen wir das mit der Mama, die gar kein Deutsch weiß, ja, dann die bei wichtigen Sachen, wo wirklich die weitere Schritte benötigen, dann das geht dann mit Geschwistern nicht. Das kann belastend sein für die und es gibt auch noch einen Grund bei so wichtigen Sachen oft, die Praxis zeigt, dass die Geschwister dolmetschen dann anders. Die sagen zum Beispiel der Mama nicht genau das, was wir gesagt haben, sondern bisschen was anderes. Ja. Und wir haben wir das gemerkt oder die Mutter sagt irgendwas, aber das Kind sagt uns das ein bisschen anders. Deswegen, das ist auch ein Grund, warum eigentlich Kinder oder Geschwister oder Jugendliche nicht für so ernsthaftere Themen oder Gespräche genutzt werden sollen.
Karen Sachse: Klar. Und deswegen gibt's ja auch Menschen wie Sie, die damit einspringen können. Genau. Genau. Für geplante Gespräche. Sie waren lange in der Kita und sind jetzt in verschiedenen Kitas immer wieder kommen da immer wieder rein und kommen in Gespräche rein. Haben sie irgendwie einen Wunsch für die Zukunft? Also, sie haben es schon gesagt, was Ihnen Spaß macht, dass so einfach der Austausch mit den Familien und aber irgendwie was sie sich wünschen jetzt sei es vom System oder für die Zusammenarbeit.
Neli Lecheva: Die sollen Deutsch lernen, die sollen das so machen, dass die uns gar nicht brauchen. Tut mir leid für diesen Satz, aber es gibt viele, die das einfach nicht wollen, weil sie immer so bei uns sagt man, zwischen den Regentropfen sich schlängeln und durchkommen und nicht nass werden. Ja, das sagt man so bei uns. Ich weiß nicht, gibt es das in Deutschland? Ne, es gibt was anderes.
Karen Sachse: Mir fällt jetzt gerade nicht, aber es gibt auf jeden Fall Sprichwörter, aber ich weiß, was sie […]
Neli Lecheva: Wenn alle jetzt Deutsch so lernen könnten wie alle anderen auch, dann würden keine Sprachmittler gebraucht.
Outro: Einschalten, neugierig werden, verstehen. Unser Hörerlebnis Bonustrack von Kindergarten heute schenkt Ihnen unerwartete Einblicke exklusiv und kostenlos.