Es braucht realistische Perspektiven für ein Ende des KriegesBiden in Kiew

Benjamin Leven, Redakteur der Herder Korrespondenz
Benjamin Leven, ehemaliger Redakteur der Herder Korrespondenz

Der Überraschungsbesuch von US-Präsident Joe Biden in Kiew beweist einmal mehr, wie ernst den Vereinigten Staaten die Unterstützung der Ukraine ist, der sich seit nunmehr einem Jahr gegen die Attacken eines übermächtig erscheinenden Gegners zu Wehr setzt. Erklärtes Ziel der westlichen Politik ist ein Sieg der Ukraine, das wurde gerade auch wieder bei der Münchner Sicherheitskonferenz deutlich. Weniger deutlich ist, was genau unter einem ukrainischen Sieg zu verstehen ist. Will der Westen die Ukraine so ertüchtigen, dass sie im Stande ist, tatsächlich ihr gesamtes Territorium, inklusive der Krim, zurückzuerobern? Dann bräuchte es wohl weitaus mehr als die bisher zugesagte militärische Hilfe. Präsident Selensyki hat bei seinem Besuch in London in einer rhetorisch meisterhaften Rede versucht, Großbritannien zur Lieferung von Kampfflugzeugen zu bewegen. Doch bis dahin dürfte es noch ein weiter Weg sein. Trotz des immensen westlichen Engagements bleiben die Hilfen dosiert und begrenzt, weil eine Eskalation befürchtet wird. Niemand will einen bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der NATO. Sind dann aber die gesetzten Ziele – gar mit der Perspektive eine EU- und NATO-Mitgliedschaft der Ukraine – realistischerweise überhaupt erreichbar? Auf jeden Fall zieht sich der Krieg so in die Länge – und verursacht weiter großes Leid. Natürlich ist es fragwürdig, die Ukraine von Deutschland aus zu „Verhandlungen“ aufzufordern und für „Frieden“ zu demonstrieren, ohne dabei sagen zu können, über was und mit wem eigentlich genau "verhandelt" werden soll. Und doch könnte es irgendwann das Ergebnis einer ethischen Abwägung im Westen sein, auf ein Ende des Konfliktes hinzuarbeiten, das nicht in allen Punkten der Idealvorstellung der ukrainischen Führung entspricht.

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