Arbeitsgemeinschaft Christlicher KirchenVon der protestantischen zur "multilateralen" Ökumene

"Kirchenrat" sollte das neue Gremium bei seiner Gründung 1948 nicht heißen. Dennoch spielt die "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen" ACK heute in der Ökumene eine unübersehbare Rolle.

Holzgebäude mit Kreuz
© Pixabay

Wenn die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) im März ihren 75. Geburtstag feiert, hat sie nicht nur zeitlich eine lange Strecke zurückgelegt. Sicher hatte keines der fünf Gründungsmitglieder 1948 eine Vorstellung davon, wie sich die ACK heute darstellt: als Gemeinschaft von 17 Mitgliedskirchen und acht Gastmitgliedern. Fünf ökumenische Organisationen haben zudem Beobachterstatus.

Bei der Gründung waren die Protestanten praktisch noch unter sich - genauer die übermächtige Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sowie Baptisten, Methodisten und Mennoniten, außerdem Altkatholiken. In der Vorbereitungsphase der Gründung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) im August 1948 in Amsterdam stand die EKD unter Druck. Sie sollte ein ökumenisches Gremium auf nationaler Ebene etablieren - auch im Gegenzug zur weltweiten Hilfe in der Nachkriegszeit. Die konstituierende Sitzung der ACK fand dann am 10. März 1948 unfeierlich am Rande einer Sitzung des Rates der EKD in Kassel statt. Erster Vorsitzender (bis 1962) wurde Martin Niemöller.

Erst der - durch das Zweite Vatikanische Konzil möglich gewordene - Beitritt der römisch-katholischen Kirche sowie der griechisch-orthodoxen Metropolie 1974 erlösten die ACK aus ihrem Schattendasein - und ihre "Ökumenische Centrale" in Frankfurt aus den Strukturen des Außenamts der EKD. Für die kleineren Mitgliedskirchen hieß das aber zunächst, dass die "beiden großen Kirchen" den Ton angaben.

1970 wurde die "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der DDR" gegründet, da ostdeutsche Mitglieder ab 1963 nicht mehr an gemeinsamen Sitzungen teilnehmen konnten. Die Katholiken blieben hier bis 1990 im Beobachterstatus; im Februar 1992 schlossen sich die beiden Arbeitsgemeinschaften bei einer Tagung in Berlin zusammen und konstituierten die ACK neu.

Da hatte sich die ökumenische Großlage durch die "Ökumenischen Versammlungen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" auf nationaler, europäischer (Basel) und Weltebene (Seoul) schon deutlich erweitert, sowohl in thematischer Hinsicht als auch auf die Sichtbarkeit der "hierzulande kleinen Kirchen", wie sie der ACK-Vorsitzende Radu Constantin Miron zu nennen pflegt. Denn weltweit gehören orthodoxe, baptistische, methodistische und pentekostale Christen zu großen Kirchen.

Protestanten und Katholiken, die nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen noch rund 90 Prozent der Bevölkerung ausmachten, sind inzwischen in Deutschland unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Dagegen sind die orthodoxen Kirchen, die anfangs noch gar nicht vertreten waren, durch Migration stark gewachsen und bilden mit mehr als drei Millionen Mitgliedern die drittstärkste Konfession. In der ACK wird dies auf Bundesebene durch den Vorsitz des orthodoxen Erzpriesters Miron sichtbar, auch in den 14 regionalen Arbeitsgemeinschaften spielen die Orthodoxen längst eine wichtige Rolle.

Diese Strukturen unterhalb der Bundesebene sind für die praktische Ökumene heute unentbehrlich. Für die katholische Referentin und Geschäftsführerin Verena Hammes liegt das Besondere der ACK gerade darin, dass in ihr fast alle Kirchen in Deutschland auf unterschiedlichen Ebenen zusammenarbeiten. Dabei wachsen auch Aktivitäten zusammen, die nicht unbedingt von Anfang an zusammengehörten - etwa die Gebetswoche für die Einheit der Christen oder der Tag der Schöpfung. Eine zunehmende Rolle spielt auch der interreligiöse Dialog mit Juden und Muslimen.

Ihr Jubiläum feiert die ACK am 21. März in Magdeburg im Zusammenhang mit der turnusmäßigen Mitgliederversammlung. Erwartet werden außer den Kirchenleitungen der 25 Mitglieds- und Gastkirchen auch Vertreter aus Politik und Gesellschaft, etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Und welches Ökumene-Leitbild hat die ACK? Für den Vorsitzenden Miron ist Ökumene vor allem ein Prozess "und hat immer etwas von einer gemeinsamen Wanderschaft, wo es die Fußkranken und die Schnellen gibt, die Hastigen und auch manchmal die Bremser". Endziel sei die "volle Einheit der einen Kirche Jesu Christi".

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