Religion„Es lebe der Sport“ – auch für den Islam

Lang schon kaufen sich islamische Petroscheichs in der westlichen Wirtschaft ein, legen Abermillionen in einer Vielzahl von Branchen an. Langfristig soll das Reichtum sichern, wenn einmal Öl- und Erdgasquellen versiegen oder wegen Umweltschutz und technischer Neuerungen weniger gefragt sind. Inzwischen rollen Petrodollars auch bei Radrennen und auf dem Grünen Rasen.

Tour de France
© Pixabay

Kritiker jedoch sehen diese Finanzexpansion in Europas und Amerikas Industrien und Banken auch als unterschwellige islamische Untergrabung der westlichen Wirtschaft. Gelder aus Ölstaaten werden meist diskret und unauffällig gehandelt. Da all das wenig Sympathien hervorruft, haben muslimische Herrscher und Finanziers neuerdings zur Propagierung ihrer islamischen "besten aller Welten" den Sport entdeckt.

Die erste wirklich globale Werbeaktion für eine angeblich moderne islamische Gesellschaft erfolgte 2019 mit Austragung der Leichtathletik-WM im Golfstaat Katar. Die gewünschte internationale Beachtung blieb jedoch aus. Es gab zwar eindrucksvolle neuerbaute Sportstätten, doch zu wenig bekannte Teilnehmer. Ausländische Zuschauer blieben fast völlig aus. Der junge, selbst sportliche Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, versuchte es daher mit einem zweiten Anlauf.

Dank bis heute undurchsichtiger Manipulationen bei der FIFA konnte er die Fußball-WM 2022 an Land ziehen. Dabei beeindruckte er zwar durch futuristische Wolkenkratzer, die in den meist schwül-dunstigen Himmel seiner kleinen Halbinsel hineinragen. Die diesmal recht zahlreichen Besucher aus dem Westen stießen sich aber an hohen Preisen für WM-Bier, das in dem strikt islamischen Land nur an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten ausgeschenkt wurde.

Das klägliche Abschneiden der lokalen Mannschaft widerlegte alle Behauptungen von einem Islam als "Religion der Weltertüchtigung". So kam man in Katar und anderswo bei den Ölscheichs zu dem Beschluss, Spitzensportler aller Herren Länder einzukaufen, um bessere Leistungen zu erzielen.

Als erste publikumswirksame Matadore sind im Trikot des Königreichs Bahrain bei der Tour de France und dem Giro d'Italia europäische Radfahrer aufgetaucht, die sich ihrem Kronprinzen Salman bin Hamad bin Isa Al Chalifa zu Ehren und zum Ruhme Allahs abstrampeln. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten für die großen Rundrennen ein ganzes Team zusammengekauft: UAE Team Emirates.

Ihre Rechnung ging auf: Das Duell des Emirati-Slowenen Tadej Pogacar mit dem schon im Vorjahr siegreichen Dänen Jonas Vingegaard lockte Tag für Tag unzählige Fans vor die Mattscheiben. Pogacar schaffte für das UAE-Team den zweiten Platz und trug entscheidend zu ihrem wachsenden Ansehen in der Sportwelt bei. Über dieser geht langsam, aber sicher der islamische Halbmond auf.

Den Löwenanteil an diesem "Dschihad" auf immer mehr Rennstrecken und dem Fußballrasen hält aber Saudi-Arabien. Das Königreich kann die im Fußball üblichen Spielerablösen und Gehälter mit Leichtigkeit verkraften. Und der Werbeeffekt für eine streng islamische Welt ist beim Soccer am größten.

Der saudische Kronprinz-Alleinherrscher Mohammed bin Salman, MBS genannt, hat daher die Expansion in die Fußballszene durch regelrechten Einkauf von Spitzenspielern zu seiner "Chefsache" gemacht und dafür wie für weitere Profi-Disziplinen die milliardenschwere SRJ Sport Investments gegründet. Sie investiert schon in die Schwergewichts-Box-WM, den Ringerverband WWE und in den Motorsport.

Zu den von ihr beglückten Fussball-Stars gehören Ernesto Ronaldo, der für 200 Millionen Dollar zur saudischen Hauptstadt-Mannschaft Al-Nassr wechselte oder Sandio Mane, der den FC Bayern München nach nur einer Saison Hals über Kopf Richtung Saudi-Arabien verlassen hat. Wie viel er dafür bekommt, ist Verschlusssache. So geht es zu beim "Sportswashing" mit dem Ziel islamischer Größe und Weltmacht im Sport.

Mit der ohnedies schon islamisch angehauchten amerikanischen Produktionsgesellschaft "Religion of Sports" verhandeln die Saudis über eine noch engere Kooperation. Das Unternehmen hatte bisher schon Produktionen wie "Life of Mohammed" auf den Markt gebracht, in der dieser als Friedensstifter dargestellt wird. Auch "Slumdog Millionaire", das den Aufstieg eines armen Muslimjungen in Mumbai dank seines islamischen Glaubens zum Millionär schildert.

Der Reklame für einen frauenfreundlicheren Islam opfert Saudi-Arabien sogar sein bisheriges weibliches Verhüllungsgebot. Es hat die erfolgreiche deutsche Trainerin Monika Staab unter Vertrag genommen, um einen saudischen Frauen-Fußball aufzubauen. In dem Land, das erst vor kurzem seinen Frauen Autofahren, Stadionbesuche und aktives Spielen erlaubt hat, gibt es seit November 2020 sogar eine Frauenfußball-Liga mit acht Vereinen und einer Nationalmannschaft. Die Spielerinnen tragen weiße, kurzärmelige Trikots mit grüner Beschriftung; ihre Hosen sind islamgerecht knielang, das Tragen eines Hidschabs (Kopftuchs) ist individuell freigestellt.

Von Heinz Gstrein
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