VatikanFranziskus Reisepläne nach Asien: Warum Mongolei und Indien?

Noch auf dem Rückflug aus dem Südsudan kündigte Papst Franziskus seine nächsten Reisepläne an. Im September soll es in die Mongolei, Anfang 2024 nach Indien gehen, erzählte er Journalisten auf dem Flug nach Rom. Der Papst aus Argentinien hat Asien weiter fest im Blick.

Taj Mahal
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Für die von tibetischem Buddhismus und Schamanismus geprägte Mongolei wäre es der erste Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts in dem zentralasiatischen Land. Nach Messen mit rund einer Million Menschen zuletzt im Kongo, dürfte ein Gottesdienst dort etwas übersichtlicher ausfallen: Nur rund 1400 Menschen sind in der Mongolei Katholiken. Dennoch hat das Land seit vergangenem August erstmals einen Kardinal, den 48-jährigen Italiener Bischof Giorgio Marengo.

Der jüngste Purpurträger der katholischen Kirche ist Leiter der 2002 eingerichteten Apostolischen Präfektur Ulaanbaatar, einem kirchlichen Verwaltungsbezirk, der als Vorstufe einer Diözese gilt. Von der mongolischen Hauptstadt aus betreut der Bischof acht Pfarreien mit 66 ausländischen Missionaren - 25 Priestern, 34 Ordensfrauen, drei Ordensbrüdern und drei Laienmissionaren. Sie stammen aus 26 Ländern; es gibt nur zwei einheimische mongolische Priester.

Andererseits reiht sich die Mongolei perfekt ein, in eine Art päpstlicher Reisestrategie in Asien. Betrachtet Franziskus den flächen- und bevölkerungsmäßig größten Kontinent doch als christlich(-katholische) Zukunftsregion. Nach Besuchen in Südkorea (2014), den Philippinen (2015), Myanmar (2017), Thailand und Japan (2019) hätte Franziskus mit einem Besuch in der Mongolei die Volksrepublik China quasi einmal umrundet.

Ein Besuch in Peking ist derzeit ausgeschlossen. Aber der Papst hätte die mediale Weltöffentlichkeit für das Thema Religion und deren friedensstiftende Aufgabe zumindest zeitweise auf die Region fokussiert. Fehlten noch Russland, Nordkorea und Vietnam. Besuche dort sind aus verschiedenen Gründen derzeit kaum denkbar.

Obwohl zahlenmäßig deutlich mehr als in der Mongolei, sind Katholiken auch in Indien eine Minderheit. Mit etwa 18 Millionen Menschen liegt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Subkontinents bei etwa 1,4 Prozent. Jedoch ist ihr Einfluss im Land im Verhältnis zu dieser Zahl viel größer. Die Kirche stellt ein Fünftel schulischer Leistungen, dazu ein Viertel aller Unterstützungsprogramme für Witwen und Waisen und knapp ein Drittel der Versorgung von Lepra- und Aidskranken.

Insgesamt machen Christen etwa 2,3 Prozent der indischen Bevölkerung aus und sind immer wieder Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Vorgeworfen wird ihnen etwa eine Massenbekehrung von Hindus. Einzelne Bundesstaaten haben daher Gesetze gegen Religionsübertritte eingeführt; gefordert werden solche Anti-Bekehrungsgesetze auch auf nationaler Ebene.

Hinduistische Fundamentalisten gingen in den vergangenen Jahren wiederholt teils brutal gegen tatsächliche und vermeintliche christliche Missionstätigkeit vor. Auch katholische Kirchen waren Ziel ihrer Angriffe. Zudem machen Gesetze es christlichen Hilfsorganisationen schwer, Gelder aus dem Ausland zu erhalten: Ende 2021 verbot die Regierung etwa dem Mutter-Teresa-Orden "Missionarinnen der Barmherzigkeit" zeitweise den Empfang von Spenden aus dem Ausland. Laut Hilfswerk Open Doors belegt Indien Platz 11 der gefährlichsten Länder für Christen weltweit.

Seit der Machtübernahme des hindunationalistischen Premierministers Narendra Modi und seiner Indischen Volkspartei (BJP) im Jahr 2014 verbreiten Hinduextremisten zunehmend Hass und Gewalt gegen Christen und Muslime. Die BJP und ihre Verbündeten streben eine Art hinduistischen Gottesstaat an, in dem Minderheitsreligionen bestenfalls geduldet sind.

Schon vor längerer Zeit sollen Indiens Bischöfe Papst Franziskus darum gebeten haben, Gast auf dem Subkontinent zu sein. Das Kirchenoberhaupt signalisierte zwar Bereitschaft, der Besuch war aber bislang am Widerstand der Hindu-Nationalisten und in Ermangelung einer offiziellen Einladung des Regierungschefs gescheitert. Letztere erfolgte im Oktober 2021 bei einem Besuch Modis im Vatikan.

Nun soll die Reise offenbar in die Realität umgesetzt werden - vorausgesetzt der gesundheitlich beeinträchtigte Papst ist im Herbst 2024 dazu noch in der Lage. Das zumindest wäre ein möglicher Zeitraum. Im April und Mai 2024 finden in mehreren Stufen in Indien Parlamentswahlen statt; in den Wahlkampf will sich das Kirchenoberhaupt sicher nicht einmischen. Dann folgt von Juni bis September die Regenzeit. Erst an deren Ende wäre ein Besuch des Papstes organisatorisch sinnvoll.

Nicht nur aus religiösen Gründen wäre ein Indien-Besuch von Bedeutung. Indien gehört zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsnationen weltweit und befindet sich in einem direkten Machtkampf mit China. Laut eines UN-Berichts soll das Schwellenland seinen chinesischen Nachbarn in den kommenden Monaten bei seiner Einwohnerzahl bereits übertreffen. Viele Menschen im arbeitsfähigen Alter dürften Industrie und Handel weiter ankurbeln.

Für weiteres wirtschaftliches Wachstum, die Bekämpfung von Armut im eigenen Land, den Ausgleich von Folgen des Klimawandels und um sich gegen China zu behaupten, braucht Modi enge Verbündete - vor allem aus dem Westen. Ein Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts dürfte ihm einige Aufmerksamkeit auf der internationalen Bühne verschaffen. Auch wenn sich der Papst zuletzt selten scheute, Regierungschefs in ihrem eigenen Amtssitz auch auf ihre Versäumnisse hinzuweisen. Bislang jedoch haben die päpstlichen Reisewünsche in Asien wenig Resonanz ausgelöst.

Von Severina Bartonitschek
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