Kopernikus

In Frombork/Frauenburg sind auch für CIG-Autor Christian Heidrich die Spuren des Domherrs und Wissenschaftlers Kopernikus, der hier gestorben ist, unübersehbar - hier eine Installation mit dem Foucault-Pendel im Radziejowski-Turm.

Kopernikus
© Christian Heidrich

Für Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, war es die erste der großen Kränkungen, die die Neuzeit dem „narzisstischen“, dem selbstverliebten Menschen zugefügt hat. Die kosmologische Kränkung machte aus dem Zentralplaneten Erde einen beliebigen; einen zumindest, um den sich eben nicht „alles“ dreht. Mögen dies schon antike Astronomen und Philosophen geahnt haben, so war es der Frauenburger Domherr Nikolaus Kopernikus (1473-1543), der mit seiner Schrift „De revolutionibus orbium coelestium“ („Über die Umschwünge der himmlischen Kreise“) den entscheidenden Schritt zur Bestätigung der heliozentrischen Weltsicht getan hat. Eine Revolution in der Tat, eine Herausforderung an den zurecht oder zu Unrecht so genannten gesunden Menschenverstand. Kopernikus selbst fand noch zur Harmonie: „Indessen empfängt die Erde von der Sonne und wird mit jährlicher Frucht gesegnet.“

Auch in Frombork/Frauenburg ist im Oktober die Saison zu Ende. Die Öffnungszeiten der Kopernikus-Gedenkstätten sind eingeschränkt, und auch die Wassertaxis nach Krynica Morska, an die Frische Nehrung, haben jetzt eine lange Winterpause. Doch unabhängig von der Jahreszeit bleibt die Kathedralkirche eine „Perle“ des Ostseeraumes. Der Blick vom Radziejowski-Turm auf das Haff ist auch nach dem Elf-Uhr-Gottesdienst - der Pfarrer eiert angesichts der Provokationen im Evangeliumstext nach Matthäus (22,1-14) böse herum - atemberaubend schön. „Dort ist Braniewo“, höre ich einen Vater sagen. Ja, und noch siebzig Kilometer weiter Königsberg, füge ich im Geiste hinzu.

In dem Turm befindet sich zudem eine Installation mit dem Foucault-Pendel, die auch den Physik-Amateur ahnen lässt, mit welchen vergleichsweise einfachen Versuchen sich die Erdrotation nachweisen lässt. So wurde der Mensch wohl tatsächlich gekränkt, desillusioniert. Doch auch das ist das Werk des Menschen, der sich nicht mit Halbwahrheiten begnügen mag. Diese Kränkung öffnete Welten.

Am Rande:
In einem Park hinter dem Frauenburger „Wasserturm“ ein Gedenkstein in deutscher und polnischer Sprache, der Text reichlich diplomatisch: „450000 ostpreußische Flüchtling flohen über Haff und Nehrung, gejagt vom unerbittlichen Krieg. Viele ertranken, andere starben in Eis und Schnee. Ihr Opfer mahnt zur Verständigung. Jan. - Febr. 1945“.

So wie hinter Berlin die polnische Spur beginnt (vgl. den Eintrag vom 7. September), so nehme ich seit Elblag Verweise auf Russland wahr. Restaurants und Hotels heißen nicht nur Touristen aus Deutschland willkommen, sondern, in kyrillischer Schrift selbstverständlich, auch aus Russland. In den Fernsehgeräten sind mehrere russische Sender eingespeist. Informationsmaterialien gibt es auch in russischer Sprache. Die Grenze ist nahe. Und seit zwei Jahren gibt es den - visafreien - „kleinen Grenzverkehr“. So wächst zusammen, was zusammengehört. Es ist nicht einfach, nennen wir es Europa.

„Besichtigung von Frauenburg. Die neueste Ausgabe.“ Der Inhalt der Broschüre ist seriös. Die Übersetzung lässt mich im Café am „Wasserturm“ ob ihrer Unbeholfenheit heitere Tränen vergießen. Ein harmloses Beispiel nur: „Hier machte unser Astronom seine Epochenentdeckung, welche die bisherige geozentrische Theorie stürzte, wodurch er sich seinem Schirmherr, der Kirche, sehr aussetzte.“ Nun, man weiß, was gemeint ist.

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