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Porträt Ulrich Greiner

Ulrich Greiner

Journalist und Literaturkritiker

Foto: privat

Ulrich Greiner

Ulrich Greiner, geb. 1945, studierte Germanistik und Philosophie. Er war von 1986 bis 1995 Feuilletonchef der Wochenzeitung "Die Zeit", von 1998 bis März 2009 verantwortlicher Redakteur des Ressorts Literatur. 

Bücher, Artikel, Lesungen, Meldungen

Aber den lieben Gott spielt keiner. Spuren der Religion in der säkularen Kultur - Glossen
Spuren der Religion in der säkularen Kultur - Glossen
Ulrich Greiner
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Erscheint am 13.07.2026, jetzt vorbestellen

Es scheint also, als würde die "Sonntagspflicht" nur von einem sehr kleinen Teil der Gläubigen ernst genommen. In jenen lang zurückliegenden Jahren, als ich katholisch erzogen wurde, verstand sie sich von selbst.

Ein Text des argentinischen Schriftstellers aus dem Jahr 1941 zeigt: Würde man die Totalität des menschlichen Wissens aller Zeiten zusammentragen – das Ergebnis bliebe doch unvollkommen, fehlerhaft, missverständlich.

Die erschütternde Novelle war der letzte Text, an dem Melville gearbeitet hat.

Der irische Schriftsteller erzählt die Passion Jesu aus der Sicht einer skeptischen Maria.

Angst, Sünde, Buße und Strafe: All das bewegt auch atheistische Zeitgenossen. Doch ohne Gott ist keine Vergebung in Sicht – und erst recht keine Erlösung.

Der Beter ein Exhibitionist, der Erzähler ein Voyeur: Die erste Erzählung, die Franz Kafka veröffentlichte, spielt in einer Kirche.

Mit dem Tod von Cees Nooteboom verliert Europa einen der großen Erzähler der Gegenwart. Der niederländische Schriftsteller, der mit leiser Intensität von Erinnerung, Vergänglichkeit und den Toten schrieb, verband poetische Leichtigkeit mit philosophischer Tiefe.

Jede Epoche prägt die Gestaltung von Kirchenräumen. Und doch kann ich mich nicht damit abfinden, was in den Sechzigerjahren mit der Kirche in meiner Nachbarschaft geschehen ist.

Gewalt, Schuld und die brüchige Ordnung unserer Gesellschaft: Der französische Schriftsteller und Philosoph erzählt von einem Mord ohne Grund.

Dass Theater und Literaturbetrieb Franz Grillparzer nahezu vergessen haben, spricht gegen sie, nicht gegen Grillparzer.

Friedrich Gottlieb Klopstock schrieb eines der zartesten Liebesgedichte des 18. Jahrhunderts. Warum ausgerechnet der Verfasser des monumentalen "Messias" mit wenigen Versen moderne Liebeserkenntnis vorwegnimmt, wie Gefühl und Nichtwissen sich verschränken und warum eine biblische Wundertat darin nachhallt, erschließt sich erst beim genauen Hinsehen.

Mit seiner Erzählung „Die Bibel“ entlarvte er 1965 die Heuchelei der kommunistischen Elite.

Der zum Katholizismus konvertierte Schriftsteller widmet sich der brutalen Realität der Christenverfolgung, die wir allzu gerne verdrängen.

Von den Nibelungen bis zu Harry Potter: Die Christianisierung des Abendlandes ist nie vollständig gelungen.

Vor allem das Bündnis von CDU und Katholizismus brachte den Schriftsteller auf die Palme.

Rituale des Totengedenkens sind wesentlicher Teil einer jeglichen Kultur, auch der unsrigen. Man sollte sie nicht dem zufälligen Belieben des Zeitgeistes anheimstellen.

Der Ungar László Krasznahorkai, der soeben mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, hat mit seinem Roman "Baron Wenckheims Rückkehr" eine faszinierende Parabel geschrieben.

Eine Szene in Nelio Biedermanns neuem Roman "Lázár" erinnert Ulrich Greiner an die Bilder von Vilhelm Hammershøi, dem Maler des Schweigens.

Ein Skeptiker mit Tränen in den Augen. Ein Flüchtling mit einem Gelübde. Zwei Schriftsteller begegnen dem Wunder von Lourdes.

Wenn es bei Grimms Märchen um Himmel und Hölle geht, dann wird ein spöttischer Ton angeschlagen. Mit der Furcht vor den letzten Dingen scheint es bei unseren Vorfahren nicht so weit her gewesen zu sein.

Der jüdische Schriftsteller Soma Morgenstern (1890–1976) ist heute nahezu vergessen. Zu Unrecht. Denn sein monumentaler Roman "Funken im Abgrund" führt tief hinein in das zerrissene Leben der Juden zwischen Tradition und Assimilation.

In der Messe beten wir um Frieden – und spüren Hoffnung wie Verzweiflung. Ulrich Schacht fragte in seiner Novelle, warum der Frieden so reizlos ist. Vielleicht, weil Kämpfen einfacher scheint.

Die Taliban sprengen uralte Buddha-Statuen, zwei Idioten in England sägen einen herrlichen Baum ab: Warum zerstören manche das, was andere erhebt?

Musik ist die Kunst, die dem "Geheimnisvollen" und "Unerklärlichen" am nächsten kommt.

Der Film "Dead Man", den Jim Jarmusch 1995 mit Johnny Depp drehte, ist eine Jenseitsreise in Gestalt eines Western.

Die Novelle "The Turn of the Screw" ist von beängstigender Dunkelheit. Denn sie kreist um das Böse, ohne es zu benennen. Gern hätten wir eine Antwort auf die Frage, woher das Böse kommt und worin seine Verführungskraft liegt – allein: diese Antwort wird nicht gegeben. Umso schwerer wiegt die letzte Bitte des Vaterunsers.

Menschlicher Allmachtswahn spielt in der amerikanischen Literatur eine besondere Rolle. Eine Spurensuche.

Kann ein Film, der auf einer fast 100 Jahre alten Romanvorlage des Schriftstellers Michail Bulgakow basiert, und in dem der Teufel höchstpersönlich die Feder führt, heute noch begeistern? Ja, kann er. Nicht zuletzt, weil er die damalige Kritik am real existierenden Sozialismus und seine von oben verordnete Weltanschauung aktualisiert.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts feierten katholische Schriftsteller große Erfolge. Sie verfügten über eine hochkultivierte und nuancenreiche Sprache. Trotzdem ist verständlich, dass sie heute kaum noch gelesen werden.

Amos Oz’ Roman "Judas" ist eine radikale Neudeutung des biblischen Judas – und ein Nachdenken über Verrat, Glauben und die Tragik des Staates Israels.

Der Schriftsteller Andreas Maier erzählt in seinem neuen Roman von einer Jugend voll von Schwarz-Weiß-Denken und Alternativenradikalismus.

Erst wollte sie den Krieg verhindern, dann nannte sie ihren Pazifismus einen "verbrecherischen Irrtum": Simone Weil war radikal in Denken, Fühlen, Leben. Sie stellt bis heute drängende Fragen an unser Gewissen.

Das Glockenläuten ist weder theologisch noch liturgisch zwingend erforderlich. Und doch ist es fester Bestandteil der christlichen Tradition geworden.

Die lapidare Wucht des ersten Buches der Bibel hat schon viele Schriftsteller zum Weiterdichten angeregt. Karl Ove Knausgård verlegt die Geschichte von Noahs Arche in nordische Wälder.

Ein ahnungsloser Held in einer perfekten Scheinwelt – bis er erkennt, dass alles nur eine Inszenierung eines allmächtigen Regisseurs ist. Der Film "Die Truman Show" war seinerzeit visionär. Wie ein solcher Regisseur gebärdet sich auch Donald Trump. Wann wird sein Publikum die Illusion durchbrechen?

Manche Kirchenräume leben vom Gemeinschaftsgefühl. Dahinter steht die Idee, dass die Gemeinde das eigentliche Subjekt der Liturgie ist. Für einen einzelgängerischen Kirchenbesucher wie Ulrich Greiner ist das ein Problem.

Im Film "Freud – Jenseits des Glaubens" diskutiert Sigmund Freud mit C.S. Lewis über Gott. Am Rande taucht auch J.R.R. Tolkien auf. Daraus hätte man mehr machen können!

Ist die Heilige Schrift tatsächlich selbsterschließend? Genügt allein das Wort, wie es die protestantische Tradition behauptet? Oder ist nicht doch der katholische Zugang lebensnäher, der den lesenden Laien das Lehramt und die Expertise professioneller Interpreten zur Seite stellt?

Ingmar Bergman, einer der bedeutendsten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts, suchte in seinem Werk nach Sinn und Erlösung.

Eine Provokation, mit Kreide auf den Gehweg geschrieben: "Die Bibel ist ein Märchenbuch". Ulrich Greiner liest sie alljährlich, wenn er zur Weihnachtszeit in Hamburg auf dem Weg zur Kirche ist. Er meint: Der anonyme Urheber der Parole sitzt einem Missverständnis auf.

Das Gesetz ist nicht alles: Wenn Not und Leid unmittelbar zum Vorschein kommen, braucht es die spontane Anteilnahme und Zuwendung.

In seiner 1942 erschienenen Novelle "Wir sind Utopia" führt Stefan Andres nicht nur den Horror des Krieges vor Augen, sondern er spricht auch den Davongekommenen moralische Entlastung zu. Treibendes Moment der Erzählung ist dabei die Beichte.

An Allerseelen brennen die Lichter auf den Gräbern der Verstorbenen. Sie erinnern daran, dass die Toten uns nahe bleiben – in welcher Gestalt auch immer. Manchmal sind sie uns näher, als uns lieb ist, wie eine merkwürdige Erzählung von Henry James zeigt.

Orgeln sind Überwältigungsmaschinen. Ich würde es begrüßen, wenn sie in der Liturgie zurückhaltender eingesetzt würden.

Es kommt vor, dass Menschen das weltanschauliche Lager wechseln. Solche Übertritte lösen oft Argwohn aus. Zurecht?

Die Vorbehalte gegen Zuwanderung aus dem muslimischen Kulturkreis haben eine Ursache: islamistische Gewalt. Die Wahrnehmung des Islam im Westen schwankt seit jeher zwischen Furcht und Faszination. Und die Debatte über das Verhältnis von Religion und Gewalt wird schon seit Jahrhundert geführt.

Fast 100 Jahre nach der Erstauflage erschien Greens Roman "Treibgut" unlängst in neuer Übersetzung. Anlass genug für unseren Kolumnisten Ulrich Greiner, sich erneut auf das Werk des in Klagenfurt beigesetzten, bekennenden Katholiken einzulassen.

Das Mikrofon macht es Sprechern leicht – zu leicht: Unter katholischen Predigern hat sich ein Plauderton breitgemacht, der niemanden in den Bann zu ziehen vermag. Noch schlimmer ist das andächtige Gemurmel vieler Lektoren. Es braucht eine Rückbesinnung auf die Vortragskunst.

Mit 12 oder 13 zeichnete Werner Tübke seine erste Kreuzigung. Sein monumentales Bauernkriegspanorama schildert Geschichte als ein Karussell der Gemeinheit und der Heilsgewissheit, der Aufbrüche ins Grandiose und der Abstürze ins Finstere.

Der Engelglaube wird heute als gefälliger und tröstlicher empfunden als der Gottesglaube. Das ist das Ergebnis einer merkwürdigen Entwicklung.

Die Bilder von der Wallfahrt nach Mekka zeigen, wie wichtig die Außenseite der Religion ist. Auch die katholische Kirche hat sich immer selbstbewusst dargestellt. Täuscht der Eindruck, dass die Katholiken in letzter Zeit das öffentliche Bekenntnis scheuen?

Zwei Notizen aus seinen Tagebüchern zeigen, wie ernst Musil seine Arbeit am "Mann ohne Eigenschaften" genommen hat und wie sehr er gelegentlich am Rand der Verzweiflung war, weil es nicht vorwärtsging.

Vielleicht käme das christliche Gebot der Barmherzigkeit erst dann wirklich zum Ziel, wenn man der Armut eine eigene Würde zuerkennen könnte; wenn man den tatsächlich Armen als Menschen sähe, dem die Nächstenliebe eben deshalb zuteil wird, weil er Mensch ist.

In ihrem Roman "Das Pfingstwunder" schildert Sibylle Lewitscharoff die kollektive Verzückung und Entrückung der Teilnehmerschaft einer Dante-Tagung. Der Erzähler, dem es an Begeisterungsfähigkeit mangelt, bleibt verstockt zurück. Heute vor einem Jahr ist die Schriftstellerin verstorben.

Bis zur Reformation setzten die lateinischen Gesänge und Gebete ein objektives Gegenüber voraus: hier die gläubige Gemeinde, dort der zu verherrlichende oder um Beistand angeflehte Gott. Mit Luther begann die Geschichte des modernen Subjekts. Jetzt war der Mensch unmittelbar zu Gott – zu seinem Gott. Jetzt konnte und durfte er Ich sagen.

Tschingis Aitmatows Roman "Der Richtplatz" bietet eine überraschende Interpretation der Begegnung zwischen Jesus und Pilatus. Das Reich Gottes wird nicht zu einem von Gott festgelegten Datum von außen kommen. Wann es kommt, hängt vielmehr vom Menschen selber ab.

An die Stelle des fordernden und strafenden Gottes ist der liebe Gott getreten. Ich empfinde das als höchst angenehm, denn ich kann mich noch gut an die Schatten der schwarzen Theologie erinnern, die meine religiöse Erziehung verdunkelt haben.

Für agnostisch oder atheistisch geprägte Trauerfeiern ist die fehlende Geborgenheit im Ritual ein schwer lösbares Problem. Man sucht nach der richtigen Form und findet sie nur selten. Immer mehr Bestattungen werden anonym vollzogen und kommen ohne jede Form und Feier aus.

Hamburger knien nicht, heißt es. Herrscher verlangen heute nur noch geistige Kniefälle. In Kirchen und Moscheen gehen die Menschen weiterhin leibhaftig in die Knie. Warum das ein guter und lobenswerter Brauch ist.

Katholische Akademien erheben einen hohen Bildungsanspruch. Doch werden sie ihm gerade in ihrem Kernbereich, der christlichen Bildung, eigentlich gerecht? Eine Spurensuche.

Die Terroristen, die den Kölner Dom attackieren wollten, haben von seiner Bedeutung mehr verstanden als die Verächter alles Religiösen.

Jedes Kunstwerk, das den Namen verdient, weist über sich hinaus. Doch der Kunst- und Wissenschaftsbetrieb ignoriert die Andersheit des Ästhetischen allzu oft. Aus der "realen Gegenwart" wird eine "reale Abwesenheit". Das hat schwerwiegende Folgen.

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