Die Wochensprüche im Februar 2021

7. Februar 2021

2. Sonntag vor der Passionszeit: Sexagesimä

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3,15

Das Verhalten und die Interessen von Kindern unterliegen einer besonderen Logik. Erst neulich fiel mir das wieder auf, als ich mit dem Zug unterwegs war. Die Mutter mit ihren beiden Kindern auf Urlaubsreise wollte an der nächsten Station aussteigen und war mit Gepäck und Kindern nun unterwegs in Richtung Ausstieg. Da gab es eine Verzögerung, die mit der freundlichen Durchsage des Zugführers kommentiert wurde, dass der Zug vor Einfahrt in den Bahnhof noch einmal anhalten müsse, weil das Gleis noch belegt war. Die Mutter forderte die Kinder auf, sich auf den zwei freien Sitzen nochmals hinzusetzen. Daraus ergab sich nun eine unerwartete, aber durchaus vorkommende Komplikation. Die Kinder konnten sich nicht einigen, wer auf welchem Platz sitzen wollte. Für den Jungen, der Jüngere von beiden, gab es in diesem Augenblick nur noch dieses eine Thema. Für die Überlegungen der Mutter, wie sie ihren Weg zum Anschlusszug gut organisiert bekämen, hatte er kein Ohr mehr. Sein Anliegen, am Fenster sitzen zu dürfen, nahm ihn vollständig in Anspruch und ließ für nichts anderes Raum.
Man kann darüber denken, wie man mag. Kinder sind eben manches Mal so. Ein Anliegen, das sie gerade bewegt, wird zum alles bestimmenden Thema. Die Aufmerksamkeit für anderes geht dabei verloren. Und damit sind wir wohl beim Anliegen des Wochenspruchs. Es kommt darauf an, dass ich den Dingen, die für meinen eigenen Weg und für meinen Glauben von Bedeutung sind, die nötige Aufmerksamkeit schenke. Das ist wichtig, damit ich Wesentliches nicht verpasse. Vordergründige Anliegen sollen mich nicht so sehr in Anspruch nehmen, dass ich unerreichbar bin und verschlossen für jenen Zuspruch, den ich nötig habe, damit ich meinen Weg finde und meine Ziele erreiche.

14. Februar 2021

Sonntag vor der Passionszeit: Estomihi

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Lukas 18,31

Jesus und seine Jünger waren die meiste Zeit unterwegs. Ihre Geschichten sind Weggeschichten. Unterwegs zu sein bedeutet immer zweierlei: Wer unterwegs ist, hat einen Aufbruch hinter sich, und wer unterwegs ist, hat ein Ziel vor Augen. Aufbruch bedeutet, Sicherheit und Vertrautes zurückzulassen. Im Falle der Jünger ging es dabei um existenzielle Dinge: Familie und Beruf. Doch war es nicht nur das, sie haben sich auch herausgelöst aus der Verantwortung, die sie in der Sippe hatten, etwa als Kinder ihren Eltern gegenüber. Sie haben den Generationenvertrag gebrochen. Wer sich so etwas leistet, der möchte dafür etwas anderes erreichen und gewinnen. Das Ziel, zu dem sie oder er unterwegs ist, soll sich lohnen.
Im Wochenspruch wird das Ziel benannt: Jerusalem. Mit diesem Wort bereitet Jesus die Jünger vor auf das, was kommt. Er nennt das, was kommt, Vollendung.
Wenn man unterwegs ist, kann der Gedanke an das Ziel den Schritt beflügeln. Wenn man das Ziel vor Augen hat, steigt noch einmal die Erwartung. Solange man unterwegs ist, weiß man nicht, wie es sein wird, wenn man da ist. Man wünscht es sich umso mehr, dass man sagen kann: Dafür hat es sich gelohnt.
So gesehen, ist das Ziel, das Jesus nennt, durchaus ambivalent. Es bedeutet nicht Erfolg und Anerkennung, sondern Passion. Es ist die Leidenschaft Jesu, die ihn das Leiden nicht scheuen lässt. Für seine Nachfolgerinnen und Nachfolger ist diese Erfahrung neu und unerwartet. Jesus kommt in Jerusalem ans Ziel. Es ist ganz anders, als die Jünger es sich vorgestellt oder gewünscht haben. Wissen wir, wohin es geht und worauf es ankommt? Der Weg „hinauf nach Jerusalem“ zeichnet sich dadurch aus, dass die Erfüllung nicht in dem liegt, was man erreicht, sondern in der Hingabe, mit der man ihn geht.

21. Februar 2021

1. Sonntag der Passionszeit: Invokavit

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
1. Johannes 3,8b

Für nicht wenige ist der „Tatort“ am Sonntagabend ein wöchentliches Ritual. In unterschiedlichen Varianten und mit unterschiedlicher Dramatik zeigen diese und andere Krimiserien die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Dabei sind die Ermittler die Guten und die Täter die Bösen. Bei den meisten Krimis siegt das Gute. Der Verbrecher wird überführt und verhaftet. Krimis sind moderne Märchen, die davon erzählen, dass das Böse auf der Strecke bleibt und das Gute sich behaupten kann.
So erbaulich wie in den meisten Krimis geht es in der Welt leider nicht zu. Krimis, die einen offenen Ausgang haben und bei denen am Ende nicht klar ist, ob die Bedrohung aus der Welt geschafft werden konnte, sind wohl näher an der Lebenswirklichkeit, aber dafür weniger beliebt bei den Zuschauern. Unsere Welt entspricht einem Krimi mit offenem Ausgang.
Es gibt menschenverachtendes Verhalten, es gibt Unterdrückung und Unrecht, es gibt einen schamlosen Umgang mit der Wahrheit, oder besser einen schamlosen Gebrauch der Lüge. Sachverhalte werden verdreht, bis sich keiner mehr auskennt und jedes Vertrauen verspielt ist. Das ist böse und zerstört das gedeihliche Miteinander. Hass und Hetze vergiften den Umgang und beschädigen Beziehungen. Auch das ist böse. Und oft genug fühlt man sich ohnmächtig, wenn man damit konfrontiert wird. Die Frage ist dann: Wer oder was wird sich durchsetzen? Sind es die Dreistigkeit und die Menschenverachtung oder die Fairness und der Respekt vor der Würde des Menschen?
Es ist ein Ausdruck der christlichen Hoffnung, dass diese Frage entschieden ist. Die Botschaft des Evangeliums sagt: Das Böse wird nicht das letzte Wort haben. Seine Drohgebärden, sein einschüchterndes Auftreten, sollen in sich zusammenfallen. Seit Karfreitag und Ostern gilt für das Böse in der Welt: Das Spiel ist aus.

28. Februar 2021

2. Sonntag der Passionszeit: Reminiszere

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Römer 5,8

Wenn ich im Spielwarengeschäft bin, kommt es manchmal vor, dass mir etwas gefällt, für das mein Enkel mit seinen zwei Jahren noch viel zu jung ist. Trotzdem kaufe ich es und hebe es für ihn auf, bis er alt genug dafür ist. Die Gedanken vorauseilen lassen, seinen Weg und seine Entwicklung vorausdenken, das ist für mich eine sehr beglückende Erfahrung. Ich mache mir Gedanken um meinen Enkel, es vertieft und intensiviert meine innere Beziehung zu ihm. Genauso gibt es für mich Dinge und Ereignisse, die einmal für mein Leben Bedeutung bekommen, die sich ereignen, lange bevor ich davon weiß. Ich ahne nichts davon, bis es eintrifft und in meiner konkreten Situation ankommt. Da begegne ich vielleicht einem Menschen und sie oder er bekommt eine Bedeutung für mich. Das tut gut und kann beglückend sein. Wenn ich es mir bewusst mache, erfüllt es mich mit Dankbarkeit.
Von solch einem vorausgehenden Ereignis erzählt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom. Paulus versteht den Glauben in diesem Sinn als eine Beziehungsgeschichte. Die besondere Zuwendung und das Interesse Gottes an mir kommt darin zum Ausdruck, dass Gott in diese Beziehung investiert und sich für mich einsetzt, lange bevor es mir bewusst ist. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal davon, dass diese Beziehung zwischen ihm und mir besteht. So wenig, wie mein Enkel heute wissen kann, was er mir bedeutet.
In der Weise, wie Gott seine Beziehung zu mir gestaltet, erkenne ich, wie wichtig ich ihm bin. All mein Glaube ist Reaktion auf etwas, für das jemand für mich vorbereitend und vorausschauend tätig war. Was kann ich mehr wollen, als dass mich einer im Blick hat, hoffend und bangend und voller Zutrauen, dass es mit mir etwas wird. Und so ist der Glaube zugleich Zutrauen in mich und damit eine außerordentliche Zumutung.

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