Der Monatsspruch im September 2020

Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

2. Korinther 5,19

Zu groß für uns?
„Denn: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“
Versöhnung – Gott – Welt. Drei große Worte. Umfassende, weltumspannende Worte. Sind sie zu groß für uns?
Da ist zuerst die Versöhnung – das, was in unserer Welt so oft fehlt. Unversöhnt erscheinen Menschen und Völker. Politische Konflikte, Kriege weltweit. Streit und Unfrieden bei uns. Im eigenen Haus. In der Kirche. Bei der Arbeit oder in der Familie. Sich zu versöhnen verlangt viel. Von sich absehen, auf den anderen zugehen, nicht auf dem eigenen Wort beharren. Entschuldigen und vergeben. Da­rum braucht man zwei, um sich miteinander zu versöhnen. Allein geht das nicht. Vergeben schon. Versöhnen aber nicht. Das griechische Wort für „Versöhnung“ heißt eigentlich „tauschen“. Ein Tausch findet statt, wenn zwei sich versöhnen. Der Fehler wird ausgeglichen, weil der eine dem anderen gibt, was das Gleichgewicht wiederherstellt. Dann können beide von vorn anfangen. Sich nach einem Streit wieder umarmen. Das Alte vergeht, Neues wächst. Versöhnung ist nötig. Lebensnotwendig. Um die Not des Lebens zu wenden, einen neuen Anfang zu schaffen. Beziehung zu ermöglichen. Unversöhnt zu leben macht einsam. Mit wem soll man reden? Weinen? Lachen?
Versöhnung im Kleinen. Man ahnt, wie schwer schon das ist. Das Kleine. Wie schwierig ist dann erst das Große: Gott versöhnt die Welt mit sich selbst. Da kommen zwei zusammen, die zu groß sind für unser Denken und Fühlen. Die ganze Welt und der unendlich große Gott. Wie soll man das denken? Wie davon reden?
Das geht nur, wenn wir Gott Gott sein lassen. Nicht wir tun das. Nicht wir machen das. Sondern Gott. Gott hat gehandelt. Er hat schon längst getauscht. Liebe gegen Hass. Heil gegen Schmerz. Licht gegen Dunkel. Wir müssen uns nur noch Gottes Versöhnung anvertrauen. Liebe Liebe sein lassen. Und diese Liebe in unsere Worte fassen: „Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung“, schreibt Paulus. So kommt das Unendliche in die Endlichkeit. Zu uns. Am Kreuz wird Gott persönlich. Um sich mit uns zu versöhnen, benutzt Gott das Wort. Stellt es uns vor Augen. Redet uns ins Gewissen. Spricht uns zu Herzen. Damit wir davon reden. Das Wort von der Versöhnung in den Mund nehmen. Das große Wort uns auf der Zunge zergehen lassen, sodass es zu unserem Wort wird.
Welches ist mein Versöhnungswort? Welches habe ich schon gehört? Welches gesagt? Welches liegt mir noch auf der Zunge und will nicht so recht hinaus in die Welt?
Gott rechnet uns unsere Sünden nicht zu.
Berechnen wir die Fehler des anderen? Zählen wir die eigenen Fehler, kleinlich und genau?
Oder gelingt es, groß zu denken, groß zu reden, groß zu glauben? Im Horizont der Liebe Gottes sich nicht in Kleinlichkeit zu verlieren, sondern Gottes Worte groß werden lassen? Worte, die versöhnen, verbinden und heilen. Das Alte ist vergangen. Siehe, Neues ist geworden.
Botschafter an Christi statt sind wir mit Versöhnungsworten auf den Lippen. Indem wir versöhnlich miteinander reden. Gleichgültigkeit im Tausch gegen Liebe, Hass im Tausch gegen Barmherzigkeit, Ungnade im Tausch gegen Wahrheit. Große Worte in unserer kleinen Welt. Sie sind so bitter nötig.
Unsere Schuld ist bei Gott. Darum sind wir es uns schuldig. Wir sind es dieser Welt schuldig. Wir sind es Gott schuldig, sein Wort in den Mund zu nehmen gegen den Kleinmut, der unversöhnlich ist. Von Vergebung zu reden gegen die Kleinlichkeit, in der jede Verfehlung zählt. Gegen die Angst, die allen Großmut auszulöschen droht.
Unsere Sprache wird arm, wenn wir Angst haben vor großen Worten. Unsere Hoffnung verliert den Mut, wenn wir sie kleinreden. Gottes Zukunft verschwindet am Horizont, wenn wir sie aus unserer Sprache tilgen. Darum reden wir. Nehmen Gottes Wort in den Mund. Das aufgerichtet ist am Kreuz. Richten uns an ihm aus. Damit es uns und andere aufrichtet. Und weiterklingt durch uns. Gott hat den Anfang ja schon längst gemacht.

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