Der Monatsspruch im März 2016

Jesus Christus spricht: Wie mich mein Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Johannes 15,9 (E)

Wie ist seine Liebe? Dafür hören wir hinein in den letzten gemeinsamen Abend, den Jesus mit seinen Jüngern verbringt. Und wir schauen zu, was da geschieht. In einer ersten Zeichenhandlung wäscht er seinen Jüngern die Füße. Damit macht er spürbar und sichtbar, wie seine vergebende Liebe keine Angst hat vor Dreck und allem, was stinkt. Seine vergebende Liebe befreit, erlöst, erfrischt und bringt den wunderbaren Geruch des neuen Lebens. In der zweiten Zeichenhandlung teilt Jesus sein Leben mit seinen Jüngern. Er gibt Anteil an sich, wenn er Brot und Wein mit den Worten „Nehmt und esst, das ist mein Leib, nehmt und trinkt, das ist mein Blut“ verbindet. Seine Liebe teilt sich, gibt sich hin. Sie hat etwas von der Liebe der Maria von Bethanien, die ihn wenige Tage zuvor mit dem wertvollen Nardenöl berührt und ihm ihre verschwenderische Liebe geschenkt hat. So ist seine Liebe: sich hingebend, sich teilend, vergebend, befreiend, erfrischend.

Was heißt das - in seiner Liebe bleiben? Es ist in zweierlei Weise zu verstehen. Da geschieht zunächst seine Liebe an mir. Und ich lasse das geschehen, was er mir Gutes tut, was mich berührt, was ich schmecke und rieche: Seine Worte berühren mich und seine geheimnisvolle Nähe. Das Brot des Lebens schmecke ich und ebenso den Kelch des Heils. In der frischen Luft, die nach dem neuen, erlösten Leben duftet, atme ich auf, befreit von allem, was er mir vergeben hat. Zum anderen wirkt sich diese Liebe aus. Jesus spricht ja davon, wie die Liebe seines himmlischen Vaters sich bei ihm ausgewirkt hat. So auch die Liebe Jesu bei uns. Sie prägt unsere Lebenshaltung und unseren Geist, begeistert uns regelrecht. Was ich empfange, gebe ich auch weiter. Wovon ich lebe, das teile ich: vergebende und hingebende Liebe, berührend und wohltuend.

Wie wirkt dies auf uns und auf andere? In einer tief bewegenden Rede spricht Navid Kermani davon. Der Deutsch-Iraner wurde im Oktober 2015 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Seine Rede stellte er unter die Überschrift: Über die Grenzen - Jacques Mourad und die Liebe in Syrien. Dabei berichtet der tief gläubige Moslem von dem katholischen Ordensmann, Pater Jacques, der im Mai 2015 eine Geisel des sogenannten Islamischen Staats geworden ist. Er erzählt von dem Orden von Mar Musa in Syrien: „Das ist eine besondere, eine wohl einzigartige christliche Gemeinschaft, denn sie hat sich der Begegnung mit dem Islam und der Liebe zu den Muslimen verschrieben … Das klingt verrückt, ja, aberwitzig: Christen, die sich nach ihren eigenen Worten in den Islam verliebt haben. Mit ihrer Hände Arbeit, ihrer Herzen Güte und ihrer Seelen Gebete schufen sie … einen Ort, der mir utopisch anmutete und für sie selbst nichts Geringeres als die endzeitliche Versöhnung … vorausfühlte.“

So wirkt das Bleiben in der Liebe Jesu. Die in seiner Liebe bleiben, können angstfrei Andersdenkenden und Andersgläubigen begegnen. Sie haben doch keine Angst vor einer propagandistisch behaupteten Islamisierung des Abendlandes. Sie werden nicht mitmachen bei verächtlichen oder gar gehässigen Reden über andere Menschen, woher diese auch immer kommen. Wer in der Liebe Jesu bleibt, der teilt diese Liebe mit anderen, wie Pater Jacques und die Christen von Mar Musa. Am Ende seiner Rede berichtet Navid Kermani, dass wenige Tage zuvor Pater Jacques befreit worden ist. Bewohner haben ihm zur Flucht geholfen. „Offenbar waren zahlreiche Menschen an der Befreiung beteiligt, sie alle Muslime, und jeder Einzelne von ihnen hat sein Leben für einen christlichen Priester riskiert. Die Liebe hat über die Grenzen der Religionen, Ethnien und Kulturen hinaus gewirkt.“

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