Der Himmel bleibt offen

Der Himmel bleibt offen.
Da bin ich mir eins
mit allen Heiligen,
dem Franziskus vornean,
meinem Vater
gleich hinterher,
mit Hanns Dieter,
Václav, Mahatma,
Teresa, Nelson
und den vielen
die sich an die Seiten des Himmels stemmen.
Wahrscheinlich tummeln sich im Himmel
gar nicht so viele in der Mitte und auf den Märkten,
dort, wo es das Allerlei gibt
und es Gott selbst zu viel wird.

Nein, ich meine, sie drängen sich an den Seiten,
dort, wo manche meinen, die Außicht sei gut -
was für ein Irrtum.
Dort herrscht geschäftige Anstrengung.
Ein harter Job,
Schweiß und sogar Tränen.
Bei den vielen Türen
immer den Himmel offen halten.
Bei so vielen Kräften,
die ihn schließen wollen.

Hättest du nicht erwartet,
daß das eine solche Knochenarbeit wird.
Hast gedacht an Hängematte,
Hollywoodschaukel und Getränke frei.
Ist nicht. Ist ganz anders.
Da ruft keiner an den gedeckten Tisch.
Da hörst du allenfalls Rufe wie:
"Links mehr zusammenhalten!
Achtung, sie wollen von oben schließen!
Oder: Freiwillige in den Keller.
Kellerfenster zurückerobern."

Erholung gelegentlich. Ablösung gelegentlich.
Beine hochlegen gelegentlich.
Und meine keiner, Gott mache das mit links.
Er hat zu tun, die Löcher zu stopfen,
die Schwachen zu stärken,
die Müden abzulösen.
Komme mir keiner mit Paradies
und 70 Jungfrauen und solchen
makabren Macho-Träumen.
Im Himmel muß man richtig ran.
Denn die Erde ist stark.
Die Erde hat Macht.
Und die Menschen auf der Erde sind einfallsreich.

Und: Würdest du dich nicht
auch in die Riemen legen,
ans Tor stellen
und gegen das Schließen
der himmlischen Türen stemmen?

Jetzt stell dir Martin vor,
der immer Kommunist war,
oder Brigitte, Flüchtlingskind
mit drei Semestern Handkarren-Schieben.
Stell dir vor, die wollten rein -
und der Himmel wäre zu!
Da wird dir plötzlich ganz anders.
Du würdest die Hängematte in die Ecke schmeißen,
die Handschuhe anziehen,
und ran an die Tür.

Ich wüßte viele, die das täten.
Und eines Tages stellen auch wir uns an:
Inge und Gustl, Christoph und Gerhard,
Kathrin, Matthias, Henning und Jochen,
Simone kocht - eine muß ja kochen -,
Barbara schminkt dir ein Gesicht, das jedes Fenster öffnet -
und Magdalena liest - eine muß ja unterhalten -
und vielleicht stemmt der Barack mit
und gar der Putin von drüben.
Die Vorurteile hat man dir am Eingang
schon abgenommen.
Keiner mußte - so sagen sie - lange anstehen.
Es gäbe zu wenig Komiker im Himmel.
Das hatte schon Hanns Dieter Hüsch gemeint.
Der allerdings täglich beschäftigt ist mit der Schwester vom lieben Gott in Dinslaken
und dazu in der freien Zeit sein kleines Harmonium sucht.
Petrus an der Tür hält sie weit offen und sagt:
Leider keine Karten mehr -
fügt dann aber gleich dazu
mit einem gewinnenden Lächeln:
40 könnten wir noch reinlaßen.
Mit Tageskarte.
Es reicht auch ein Wanderbillett vom Schwarzwald,
wenn’s sein muß auch die Dolomiten.
Aber da traut sich der liebe Gott nicht so recht,
sagt er ehrlich,
weil er einfach keinen Rucksack verträgt.
Seit Milliarden von Jahren, sagt der liebe Gott,
habe ich keinen Rucksack mehr getragen
und im Alter erst recht nicht.
Mit Rucksack kommst du nicht raus
und nicht rein in den Himmel.
Mit Bergstiefeln und Seil erst recht nicht.
Und ohne Mantel.

Und verschwommen sieht man weit hinten
welche arbeiten, die man von früher kennt
und am liebsten auf den Mond geschoßen hätte.
Aber jetzt sind sie im Himmel.
Seine Entscheidung.

Und nicht schubsen.
Immer brav gegen die Wand stemmen.
Immer tapfer die Türen offen halten und die Fenster
und auch die Kellerfenster.

Aber den Himmel offen halten
und heiter die Erde verändern,
das wollten wir doch
in der Zeit, die uns gegeben ist.

"Und wenn wir gehen
Gehen wir zum Himmel
Und wenn wir kommen
Kommen wir zur Erde

Und wenn wir auf der Erde straucheln
Hebst Du uns auf in den Himmel
Denn Himmel und Erde
Sind Bruder und Schwester."

(Hanns Dieter Hüsch)

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