Der Monatsspruch im April 2012 – alternativ

Christus spricht: Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
Markus 16,15

„Was hindert's, dass ich Christ werde?“ Unter diesem Thema tagt die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, während ich mich mit dem vom Markusevangelisten überlieferten Missionsauftrag Jesu Christi beschäftige.

Folgt man den Worten der Präses Katrin Göring-Eckardt, so wurde auf der Synode mit „Leidenschaft und Energie“ über das missionarisch ausgerichtete Schwerpunktthema diskutiert. Die von der Synode verabschiedete Resolution verleitet mich dazu, meine Gedanken zum markinischen Missionsbefehl in einen Zusammenhang zu dieser Kundgebung zu bringen.

Jesu Missionsbefehl entstammt dem sekundären Markusschluss. Bei den Frauen am Grab führten die Wahrnehmung des leeren Grabes und die Auferstehungsbotschaft durch einen Engel zu Furcht und Zittern. Für die spätere Verkündigung des Evangeliums war „Furcht und Zittern“ keine Mut machende Predigtgrundlage. Darin liegt wohl begründet, dass auch das Markusevangelium - wie die anderen Evangelien - in einem im zweiten Jahrhundert zugefügten Anhang eine Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet. Darin wird erzählt, wie Jesus Christus seinen Jüngern erschien und sie beauftragte, das Evangelium zu verkündigen.

Dieser Auftrag galt nicht nur den ersten Auferstehungszeugen. Er gilt Christinnen und Christen zu allen Zeiten. Die Kirche hat diesen Auftrag nicht immer in gleicher Weise und vor allen Dingen nicht immer im Sinn Jesu wahrgenommen. Es gab Zeiten, in denen die Frohe Botschaft mit Begeisterung und Enthusiasmus verkündigt wurde. Es gab aber auch Zeiten, in denen weniger die Begeisterung als vielmehr das Streben nach Machtentfaltung die Vertreter der Kirche dazu verleitete, Menschen unter Zwang zur Annahme der christlichen Botschaft und zur nachfolgenden Taufe zu nötigen. Die letzten Jahrzehnte kennzeichnet eher eine große Zurückhaltung bezüglich der Verkündigung des Evangeliums. Unter dem Vorzeichen der Toleranz haben Vertreterinnen und Vertreter der Kirche sich nicht selten auf ethisch angehauchten Nebengleisen statt auf dem Hauptgleis der Evangeliumsverkündigung bewegt. Ein erster missionarischer Impuls ging von der EKD-Synode 1999 in Leipzig aus. Mit den Worten „Wer glaubt, kann nicht stumm bleiben, ... wer glaubt, hat etwas zu erzählen ...“ wurden ganz neue Töne laut. Diese Impulse hat die Synode 2011 in Magdeburg nun aufgegriffen und weitergeführt. Nach ihren eigenen Aussagen geschah dies nicht nur als Antwort auf sinkende Mitgliederzahlen, sondern aus Überzeugung, der Menschheit mit dem Evangelium Entscheidendes mitzuteilen. Es soll in der Hauptsache nicht um Rekrutierung neuer Mitglieder, sondern um die Besinnung auf Christus als Grund und Gegenstand des Glaubens gehen.

Die am 9. November 2011 verabschiedete Kundgebung enthält Impulse, die mir wichtig scheinen, sie im Zusammenhang mit Jesu Missionsbefehl anzuführen. Aus diesem Grund nenne ich hier sinngemäß (unter Vermeidung von Anführungszeichen) wesentliche Aussagen der Resolution:

- Die Verkündigung des Evangeliums orientiert sich an der gemeinsamen Frage nach der Wahrheit. Geprägt von dem Geist der Liebe, zielt sie auf freie Zustimmung und verzichtet auf subtile Mittel des Zwangs.

- Die Verkündigung des Evangeliums orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen. Sie spricht ihnen mit der Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu Worte zu, mit denen sie getrost leben und getröstet sterben können.

- Die Verkündigung des Evangeliums weiß, dass Glaube niemals Besitz ist, sondern sich durch die Anfechtung hindurch bewähren muss. Auch Christinnen und Christen haben nicht auf alle Lebensfragen eine Antwort parat. Kirche ist da glaubwürdig, wo sie auch den Zweifel bekennt und sich von Gott verändern lässt.

- Die Verkündigung des Evangeliums bedarf einer dialogischen Haltung. Sie ist mit anderen auf einem Weg zu neuen und überraschenden Gotteserfahrungen.

Über all dem darf die Mitte des Evangeliums nicht aus dem Blickfeld geraten. Zentrum des Evangeliums ist das anstößige Wort von Kreuz und Auferstehung. Es redet von Sünde, Scheitern und Neuanfang. Wo Kirche das vergisst, bleibt sie den Menschen die grundlegende Botschaft des Neuen Testaments schuldig und weit hinter dem Missionsauftrag Jesu Christi zurück.

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