Der Monatsspruch im Februar 2009

Wo ist euer Glaube?
Lukas 8,25

Die schlichte Frage nach dem Ort des Glaubens stammt aus einer dramatischen Geschichte. Jesus stellt - so der Evangelist Lukas - diese Frage, nachdem er und seine Gruppe während einer Schifffahrt von einem Sturm bedroht worden waren. Jesus hatte für die Stillung des Sturms gesorgt. Danach fragt er seine Begleiterinnen und Begleiter nach ihrem Glauben. Jesus fragt. Mehr nicht. Lukas erzählt nichts von einer Antwort. Er erzählt nicht, dass die Jünger und Jüngerinnen mit heftigen Glaubensbeteuerungen reagiert hätten. Die, die gerade der Todesangst entronnen waren, haben zuerst einmal ihrem Erschrecken über den Luft gemacht, der Naturgewalten beruhigen konnte. Das alles geschah vermutlich noch unter Schock. Auf dem Schiff war wohl noch niemand zu einer eindeutigen Antwort fähig.

Gerade Fragen, bei denen es um die Basis unserer Existenz geht, können wir oft nicht sofort beantworten. Fragen nach der Basis, die uns zuverlässig hält und trägt, sind keine alltäglichen Fragen. Sie können selbst wirken wie ein kleiner Schock. Sie kommen oft gerade in den „Unwettern des Lebens". Sie können lange bleiben, sogar nachdem die unmittelbare Krise vorbei ist. Sie lauten: Was ist mir eigentlich wichtig? Oder: Worauf kann ich mich verlassen? Auf wen kann ich mich verlassen? Und: Steckt Vertrauen in mir? Kann ich mich überhaupt anderen anvertrauen?

Existenzielle Fragen können verborgene Ängste ins Bewusstsein holen. Sie können verwirren. Sie können ratlos machen. Sie entwickeln sich schnell auch zu philosophischen oder zu religiösen Fragen: Glauben wir an eine Kraft, die uns hilft, wenn wir mit unserer Kraft am Ende sind? Sind wir fähig zu glauben? Wo ist unser Glaube? Während der Fahrt über den See stellt Jesus stellt eigentlich nur die Frage, zu der wir selber in den Übergangszeiten unseres Lebens kommen.

Ich erlebe es übrigens als wohltuend, dass Lukas Jesus als einen zeichnet, der den Glauben nicht vorwurfsvoll einklagt. Jesus stößt die Jünger und Jüngerinnen nur zum Nachdenken an. Er löst mit seiner Frage vielleicht auch die Frage aus, was das eigentlich ist: Glaube. Dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Definitionen.
Ich habe im Anhang zur Zürcher Bibel-Übersetzung aus dem Jahr 2007 den Satz gefunden: „Darum ist der Glaube im Neuen Testament ... eine konzentrierte, intensive Aktivität, die in etwas ganz Passivem besteht: Darin, sich das Handeln Gottes gefallen zu lassen."

Sich das Handeln Gottes gefallen zu lassen, das macht uns demnach nicht einfach zu einem Kind, das allein nicht einen Schritt zu gehen vermag. Glauben hätte nach dieser „Zürcher Definition" etwas von einem mit heller Wachheit gewagten Schritt. Das wäre der eigene Entschluss zur Bereitschaft, sich - bildlich gesprochen - an der Hand nehmen zu lassen.

Ich weiß nicht, ob Sie mit dieser Definition etwas anfangen können. Definitionen erweisen sich oft als begrenzt tauglich. Oft geben sie jedoch immerhin eine Ahnung von dem, womit man sich auseinandersetzen kann

Definitionen mögen unzulänglich sein. Vielleicht wagen Sie es trotzdem einmal, mit der genannten Erläuterung zu experimentieren. Vielleicht fällt es Ihnen mithilfe der Definition, dass Glauben mit der aktiven Bereitschaft zu tun haben könnte, sich das Handeln Gottes gefallen zu lassen, leichter, nach Ihrem Glauben zu suchen.
Etwa indem Sie fragen:

Wann hatte ich zum letzten Mal die Bereitschaft, mir das Handeln Gottes gefallen zu lassen? Konnte ich je diese Bereitschaft aufbringen? Empfand ich sie auch schon zu meiner eigenen Überraschung? Gab es Situationen, die ich ohne die Bereitschaft, letztlich nur Gottes Aktivität in meinem Leben zuzulassen, gar nicht überstanden hätte?

Vielleicht kommen Sie mit solchen Fragen Ihrem Glauben näher.

Wo ist euer Glaube, fragt Jesus nach überwundener Krise. Er beschämt niemanden, der darauf keine Antwort gibt. Er bringt seine Begleiterinnen und Begleiter nur schnell zu einer wesentlichen Frage. Dies allerdings tut er erst, nachdem Sturm und Todesangst gelegt worden waren.

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