Ansprache zur Bestattung

Können wir uns auf den Tod einen Reim machen? So, wie zu einem Geburtstag oder einem Vereinsjubiläum? Gerne hat Herr N. zu besonderen Gelegenheiten gedichtet. Die Worte fielen ihm zu. Er machte sich auf so manches seinen Reim. Können wir uns auch auf den Tod einen Reim machen? Können wir das Sterben eines uns vertrauten Menschen irgendwie „einordnen"? Ein Reim fällt mir gleich ein. Er ist nahe liegend. Auf Tod reimt sich Not. Das bringt der Tod mit sich: Eine Not, die sich einnistet in unser Gemüt. Ein Teil von uns fehlt und darum fehlt einfach alles. Not reimt sich auf Tod. Die Not, allein zurückzubleiben, die Leere aushalten zu müssen. Sie haben gesagt: Es ist, wie wenn einer sich aus dem Staub macht. Was Herr N. nie im Leben getan hätte. Im Gegenteil! Er war ein Mensch, der für Familie und Freunde da war. Er hat sich nie um seine Verantwortung gedrückt. Er hat sich den Problemen gestellt. In ihren Worten steckt Schmerz und fast eine Enttäuschung. Es ist, wie wenn einer sich aus dem Staub macht. Nachher am Grab wird dem Verstorbenen nachgerufen: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube." Das ist eine sehr ehrliche Bestandsaufnahme über uns Menschen. Und sie ist enttäuschend. Das soll alles sein, was wir sind und waren?! Wären diese Worte nicht gefasst in eine altehrwürdige Formel, vorgesehen von der liturgischen Ordnung und würde sie uns am Grab nicht mit all denen verbinden, die in die Erde gelegt werden, man könnte solche Worte kaum ertragen. Der Mensch, sein Leben - welche Enttäuschung! - ist im Ergebnis einfach Staub. Ein ununterscheidbarer Teil der Erde wird der Mensch, dessen Leben ein unverwechselbares Gesicht für uns hat…

Auf Tod reimt sich Not. Aber Gott sei Dank ist das nicht alles, was es über uns Menschen zu sagen gibt. Der Tod enthält nicht die letztgültige Information über uns. Wir können uns noch einen ganz anderen Reim auf den Tod machen, mag er auch poetisch nicht ganz gelungen sein. Auf Tod reimt sich Gott. Gott gibt uns am Ende des Lebens ein Zeichen seiner Liebe.
Herrn N. sind die Reime nur so zugefallen. Im Gedicht zu einem runden Geburtstag endet jede Strophe mit einem Kehrvers - es hängt gerahmt in der Küche: „Und immer gibt's am Schluss einen Kuss." Was für ein schönes Bild ist das für den Schluss des Lebens. Gott gibt uns ein Zeichen seiner Liebe. Gott zeichnet es sozusagen hinein in den Staub. Mit den Worten aus dem Buch Hiob im Alten Testament: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben."

Das ist der andere Reim auf den Tod. Der Erlöser lebt. Sein Leben zeigt sich darin: Er erhebt sich über dem Staub, oder sagen wir ruhig: Er macht sich aus dem Staub. Aus der Vergänglichkeit, aus dem Nichts macht er sich auf und davon. Rettet sich hinein ins Leben. Er zieht uns alle mit, vom Ersten bis zum Vorletzten. Der Erlöser lebt und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
Das ist der Reim, den wir uns machen können auf den Tod, Gott sei Dank! Hiob ist sich sicher: Der Erlöser lebt. Wir nehmen ihm seine Worte ab und sagen: Jesus Christus war tot und sieh jetzt, er lebt. Er hat jede Verbindung mit dem Tod abgebrochen. Er hat sich aus dem Staub gemacht. Er lässt uns nicht allein zurück. Jesus Christus setzt unserer Vergänglichkeit die Kraft des ewigen Lebens entgegen. Er stemmt sich dagegen, wenn wir in unserer Not verzweifeln, in die uns das Sterben eines vertrauten Menschen stürzt.
Das ist der Kuss am Schluss des Lebens, das Zeichen der Liebe Gottes. Mit Jesus Christus werden wir uns aus dem Staub machen, aus dem Staub, der Tod heisst, Ausgelöschtsein, Verlorensein. Darum, wenn wir einen Angehörigen in lebendiger Erinnerung halten, dann üben wir es schon ein wenig ein. Wir heben sein Leben aus dem Staub. Und dabei sind wir selber ein wenig, in aller Vorläufigkeit, sein Erlöser. Und ahnen ein wenig, was der Erlöser mit uns anstellt. Es klingt vollmundig, wenn Hiob sagt: Ich weiß. Aber ihm nehme ich es ab. Denn in seinem Leben ist wirklich alles zu Staub zerronnen, was er sich erarbeitet hatte, was ihm wichtig war. Er war deswegen auch nicht einig mit Gott. Trotzdem beharrt er darauf: Ich weiß. Und er hat Recht. Dem Tod kann man nicht zaghaft beikommen. Ich sage es gewagt: Nicht einmal mit dem Glauben. Denn im Glauben steckt manchmal ein Vielleicht, ein Möglicherweise. Nein, da muss man Luft holen und sagen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Und ich bin zuversichtlich, dass wir diese gewagten Worte irgendwann einholen, auch wenn wir ihnen jetzt noch hinterherblicken. Spätestens, wenn der Erlöser sich mit uns aus dem Staub macht, wissen wir es.
Der Gang zum Grab ist hart: Staub zum Staube. Aber zu dieser bitteren Bestandsaufnahme gibt es den Kommentar Gottes. Auf Tod reimt sich Not. Ja, und auf Tod reimt sich Gott. Am Ende des Lebens erwarten wir das Zeichen seiner Liebe, für den Verstorbenen, für uns. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Ich weiß, dass sein Erlöser lebt, Jesus Christus, der sich aus dem Staub macht, mit ihm, mit uns, und uns rettet hinein in das Leben und in die Liebe Gottes.

Gebet:
Ewiger und ewig liebender Gott! Wir kommen zu dir in der Not des Abschieds. Der Weg vor uns liegt in der Dunkelheit. Aber du hast dem Tod das Licht deiner Liebe entgegengesetzt. Du mischst in unsere Trauer das Vertrauen, dass wir auch nach unserem Sterben geborgen sind in deinen Händen.
Du behältst unser Leben im Gedächtnis. Du bewahrst das Gute. Du heilst die Schmerzen. Du nimmst weg alle Schuld. So überlassen wir dir unseren Verstorbenen. Wir betten ihn hinein in den Abgrund deiner Liebe.
Wir bitten dich: Lass die, die zurückbleiben in Trauer und Wehmut, nicht allein. Lass sie zurückbleiben mit der Kraft deines Lebens. Lass sie zurückbleiben in der Zuversicht, dass der Erlöser lebt, Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und uns Leben schenkt jetzt und in Ewigkeit.

Liedvorschläge:

526,1.2.4 (Jesus, meine Zuversicht)

347,1.2.4.6 (Ach bleib mit deiner Gnade)
(Warum nicht die entsprechende Arie aus dem „Messias"

von Georg Friedrich Händel mit CD einspielen?)

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