Der Monatsspruch im Dezember 2008

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66,13

Beim Toben im Wasser kann es nicht wild genug zugehen. Und gegenüber dem angebundenen Hund im Nachbargrundstück kann man großspuriges Gehabe an den Tag legen! Wenn man die Konfirmandenjungs so reden hört - jeder Zoll ein Held! Aber am Abend ist es dann stiller als gedacht. 750 Kilometer liegen zwischen zu Hause und dem Quartier für die Konfirmandenrüstzeit. Da macht sich doch ein wenig das Heimweh bemerkbar. Man merkt es, wie aufgeschlossen sie auf kleine mütterliche Gesten reagieren - die aufgeschnittenen Äpfel, dass einer das Nutellaglas auslecken darf, die Geschichte vorm Einschlafen…

Die ersten Tage im Kindergarten. Das kleine Mädchen weint bitterlich, als sich die Mutter am Morgen verabschiedet.
Obwohl die Erzieherin ihr viel Aufmerksamkeit schenkt, fließen bei jedem kleinen Anlass die Tränen. Als die Mutter sie am Nachmittag holt, ist mit einem Mal alles gut.
Der junge Mann ist straffällig geworden. „Vater, nimm mich mal in den Arm. Ich habe etwas Schlimmes getan." Zum ersten Mal kann er erzählen, wie es dazu gekommen ist. Weil er nicht schon gleich verurteilt wird. Weil die Eltern ihn als Menschen ernst nehmen und an ihrer Liebe keinen Zweifel lassen.

Die alte Frau ist nicht gern im Pflegeheim. Die Umgebung ist ihr fremd. Sie findet sich nicht mehr zurecht. Nach dem Gottesdienst wird sie ungeduldig, weil die Schwester sie nicht gleich abholt: „Ich muss heim. Meine Mutti wartet mit dem Essen auf mich. Sie sorgt sich, wenn ich nicht pünktlich bin."

„… wie einen seine Mutter tröstet." Wie oft haben Menschen solchen Trost nötig! Weil sie Heimweh haben. Sich nach Geborgenheit sehnen, einem Ort, einem vertrauten Menschen, wo sie einfach sein dürfen, wie sie sind. Weil der liebste Mensch nicht mehr da ist. Weil sie verwirrt und traurig sind, sich allein nicht zurechtfinden. Man braucht dafür nicht erst ins Pflegeheim zu kommen. Wie oft geht es uns im Alltag so? Da ist etwas nicht gelungen. Da ist uns die Auseinandersetzung mit der Kollegin an die Nieren gegangen. Da hat uns der, von dem wir´s am wenigsten erwartet hätten, tief verletzt.
„… wie einen seine Mutter tröstet." Gut, wenn die des Trostes Bedürftigen Trost finden! Wie viele mögen ungetröstet bleiben, weil kein Mensch ihre Bedürftigkeit wahrnimmt?
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Einer geht nicht achtlos an ihnen, an uns vorbei. Gott sieht die, die es schwer haben - weil ihr Leben anders verläuft, als sie es geplant hatten. Weil sich die ursprünglichen Hoffnungen nicht erfüllt haben. Weil sie trotz schlechter Erfahrungen - auch mit Gottes Zorn und Enttäuschung! - sich immer wieder schuldig machen. Weil es mit den Menschen, mit denen sie zusammenleben, längst nicht immer einfach und harmonisch zugeht. Weil ihre Sehnsucht, endlich mal zur Ruhe zu kommen, ungestillt bleibt.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Eine Mutter kann ihr Kind nicht überallhin begleiten. Ihm nicht alle Steine aus dem Weg räumen. Es nicht immer an die Hand nehmen. Wenn sie es lieb hat, wird sie es auch seine eigenen Wege gehen, seine eigenen Erfahrungen und Fehler machen lassen. Aber sie wird an ihr Kind denken, immer ein offenes Haus und Herz, offene Ohren und Arme für es haben, wenn das Kind (ob klein oder erwachsen) sie braucht. Sie wird da sein mit ihrer Liebe, die nicht einengt, nicht die Luft zum Atmen nimmt. Aber auf die Verlass ist. Auf die ihr Kind zu jeder Zeit und mit allem zurückkommen kann.
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."
Das hat Gott damals seinem Volk verheißen.
Er hat die Erfüllung seines Versprechens greifbar gemacht, als er, geboren von einer Frau, in Jesus selbst zu uns gekommen ist.
Er lässt es uns spüren - in dem Freund, der die Geduld behält. In der Frau, die unbeirrt für uns betet. In den Tönen der weihnachtlichen Musik. In den Worten, die unser Herz berühren. In jeder Geste, die uns spüren lässt, dass wir geliebt werden. Und auch in der Fähigkeit, dass wir nicht achtlos an denen vorübergehen, die unseres Trostes bedürfen.

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